Stand: 04.06.2020 16:14 Uhr

Filme von Anderson und Roehler in Cannes

von Patricia Batlle

Das Filmfest Cannes verlegte im Zuge der Corona-Pandemie seinen Termin zunächst in den Juni. Später stand fest, dass diesen Sommer keine Massenveranstaltungen in Frankreich stattfinden dürfen. Daher fiel das Filmfest komplett aus. Abgesagt wurde es aber nie - und so haben sich mehr als 2.000 Beiträge, genau genommen 2.067, beim Festival beworben. Am Mittwoch veröffentlichte die Festivalleitung in Paris, wer am Filmfest teilgenommen hätte. Zum Beispiel der US-Amerikaner Wes Anderson mit seiner Komödie "The French Dispatch" und der deutsche Regisseur Oskar Roehler mit dem Fassbinder-Film "Enfant Terrible".

Szene aus Wes Andersons Komödie "The French Dispatch" mit Elisabeth Moss (von links), Owen Wilson, Tilda Swinton, Fisher Stevens und Griffin Dune © Courtesy of  Searchlight Pictures / 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation
In Wes Andersons "The French Dispatch" spielen Elisabeth Moss, Owen Wilson und Tilda Swinton mit. Der Film startet am 15. Oktober in Deutschland.

Am Mittwochabend gaben die Festivalchefs Thierry Frémaux und Pierre Lescure in einem leeren Pariser Kino 56 Filmtitel bekannt, die am offiziellen Programm der 73. Filmfestspiele teilgenommen hätten. Die Beiträge wurden ohne Differenzierung der Sektionen verkündet. So dürfe sich jeder selbst ausmalen, sagte Frémaux, welcher Film im Wettbewerb und welcher in den Nebenreihen "Director's Fortnight" und "Un certain regard" gelaufen wäre. Als ersten Film nannte der Festivalchef die Komödie des US-Regisseurs "The French Dispatch". Mit seinem hochkarätigen Cast wie Tilda Swinton, Bill Murray, Elisabeth Moss und Owen Wilson hätte sie einen guten Auftakt zum 73. Festival abgegeben, das nun eben doch nicht stattfindet.

Oskar Roehler mit Fassbinder-Film im Cannes-Programm

Szene mit Oliver Masucci als Rainer Werner Fassbinder (r.) und Katja Riemann auf einem Sofa im Film "Enfant terrible" von Oscar Roehler © BavariaFilmproduktion
Oskar Roehler hätte seinen Fassbinder-Film "Enfant terrible" in Cannes gezeigt.

Viele alt bekannte Namen hätten ihre Filme an der Croisette aufführen können. Mit dabei: Der Franzose François Ozon mit seinem biografischen Drama "Été 85", die Japanerin Naomi Kawase mit dem Drama "True Mothers" und der Däne Thomas Vinterberg mit seinem Film "Another Round". Der Brite Steve McQueen ("Hunger", "12 Years A Slave") hätte gleich zwei Beiträge präsentiert - "Lover's Rock" und "Mangrove", die beide von Polizeigewalt gegen Schwarze handeln; der Spanier Fernando Trueba die Literaturverfilmung "El olvido que seremos". Einen deutschen Beitrag nannte Frémaux: Oskar Roehler hätte seinen Fassbinder-Film "Enfant terrible" in Cannes gezeigt.

Mehr Filme von Frauen in der Auswahl

Festivalleiter Thierry Frémaux (links) und Festivalpräsident Pierre Lescure stehen vor einem Banner des "Festival de Cannes" © Thibault Camus/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk Foto: Thibault Camus
Festivalleiter Thierry Frémaux (links) und Festivalpräsident Pierre Lescure geben die 56 Festivaltitel der 73. Edition von Cannes bekannt.

16 Filme von Frauen landeten insgesamt in der diesjährigen Auswahl im Gegensatz zu 14 im Vorjahr. Das mache einen Anteil von 29 Prozent aus, ein bisheriger Rekord. Mit dabei ist etwa die Regisseurin Marie Castille Mention-Schaar, die ihren ersten Film präsentiert hätte. Weitere 14 Filme sind Debüts, darunter der Beitrag "Falling" des "Herr-der-Ringe"-Schauspielers Viggo Mortensen. Gleich drei Animationsfilme waren im Programm, zum Beispiel der Pixar-Film "Soul" um einen schwarzen Jazz-Musiker.

"Wir werden alle die Cannes-Erfahrung dieses Jahr vermissen", sagten beide Festivalleiter. Sie versicherten aber: "Das Kino ist nicht tot. Es ist nicht einmal krank." Und sie bekräftigten, dass sie alle Cannes-Beiträge bei ihrem Start im Kino und bei anderen Festivals mit Marketingmaßnahmen unterstützen würden. Eine Goldene Palme werde es 2020 aber natürlich nicht geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 04.06.2020 | 08:00 Uhr

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