Stand: 29.04.2020 17:11 Uhr

Elbphilharmonie stellt Saison 2020/21 vor

von Marcus Stäbler

Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter hat das Programm der kommenden Saison vorgestellt - zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses in einer Videokonferenz. Doch zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand verbindlich sagen, ob und in welcher Form Anfang September wieder Konzerte mit Publikum gestattet sind.

Die Pressekonferenz der Elbphiharmonie am Laptop © NDR.de Foto: Markus Stäbler
Christoph Lieben-Seutter ist Generalintendant der Laeiszhalle und der Elbphilharmonie in Hamburg - und erstmals als Präsentator einer Saisonvorschau per Videokonferenz.

Wie so ein - wahrscheinlich eingeschränkter - Betrieb denkbar wäre, darüber ist Lieben-Seutter mit seinen Kolleginnen und Kollegen in ständigem Austausch. Er stellt fest: "Es ist eigenartig, eine komplette, dichte Konzertsaison vorzustellen, bei der keiner von uns weiß, wie unser Leben aussehen wird, nach dem Sommer, wenn es losgeht."

Forderung nach klaren Vorgaben

In einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Konferenz der deutschen Konzerthäuser klare Vorgaben gefordert, mit denen in absehbarer Zeit wieder ein eingeschränkter Konzertbetrieb ermöglicht wird. Eine wichtiges Anliegen - denn viele Konzerthäuser präsentieren in diesen Tagen ihre vorläufigen Pläne für die kommende Saison und wollen ihrem Publikum und den Musikerinnen und Musikern möglichst verbindliche Angaben machen.

Auch wenn derzeit wirklich niemand absehen kann, ob, und wenn ja, in welcher Form Anfang September wieder ein Konzertbetrieb möglich sein wird, stellt Lieben-Seutter gleich zu Beginn seiner virtuellen Pressekonferenz klar, unter welchen Voraussetzungen er sein Programm plant: "Wir haben trotzdem schon das ganze Jahr über ein dickes Saisonprogramm vorbereitet". Über 230 Seiten umfasst das Buch - und es birgt für die fünfte Saison der Elbphilharmonie wieder ein nicht nur in der Menge, sondern auch in der Qualität beeindruckendes Angebot.

Mehr Orchesterkonzerte, denn je!

Das zeigt schon ein Blick auf die Fülle an Orchesterkonzerten der Spitzenklasse: "Sie wissen, Orchester sind in der Elbphilharmonie sozusagen das Kernprodukt. Die nächste Saison hat mehr Orchesterkonzerte, denn je zuvor. Einerseits durch die vielen Termine mit den einheimischen Orchestern, dem Hausorchester des NDR, mit dem Philharmonischen Staatsorchester, aber auch den Orchestern aus aller Welt. Fünfzig bis sechzig, die uns pro Jahr besuchen."

Das Cleveland Orchestra und die Wiener Philharmoniker jeweils unter Franz Welser-Möst, das Gewandhausorchester Leipzig unter Andris Nelsons und Simon Rattle mit dem London Symphony und dem Mahler Chamber Orchestra: Das ist nur eine kleine Auswahl aus der langen Liste erstklassig besetzter Orchesterkonzerte, bei denen man allerdings die Präsenz von Dirigentinnen vermisst.

Ein Wirbelwind und Binge-Watching

Dazu kommen konzertante Opern und mehrtägige Gastspiele vom Mariinsky- und vom Bolshoi Theater und spannende Residenzkünstler und -künstlerinnen wie der Pianist Daniil Trifonov oder die Geigerin Patricia Kopatshinskaja. "Sie ist so ein Wirbelwind und hat so viele Ideen und macht so super Konzerte, und ist ja auch eine kritische Künstlerin, die das Konzertritual immer wieder in Frage stellen. Sie wird insgesamt sechsmal zu erleben sein", erzählt der Intendant.

Christoph Lieben-Seutter in Kultur à la carte
Elbphilharmonie-Intendant Christopn Lieben-Seutter vor dem Konzerthaus an der Elbe © Michael Zapf Foto: Michael Zapf

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Inhaltliche Schwerpunkte der kommenden Saison sind die Fortsetzung des Beethoven-Jubiläums und Komponistenporträts zu György Kurtág, Igor Strawinsky und Thomas Adès und das Festival "Elbphilharmonie Visions" für zeitgenössische Musik in Kooperation mit dem NDR. Der Fokus liege dabei auf Musik der letzten zwanzig Jahre, die es einfach wert sei, wieder aufgeführt zu werden - zehn Tage am Stück, zum Binge-Watching paketiert.

Die große Frage ist: Findet das alles so statt?

Neben dem im weiteren Sinne "klassischen" Repertoire umfasst das Programm der Elbphilharmonie auch wieder Jazz, Elektrosounds und Weltmusik - etwa von der indischen Sitarvirtuosin Anoushka Shankar oder dem Frauenorchester Tausi Taarab aus Sansibar.

Die große Frage ist natürlich: Findet das alles so statt? Und weil das zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten kann, gibt es ab Ende Mai noch keinen regulären Vorverkauf, sondern zunächst nur die Möglichkeit, sich für Konzerte zu registrieren - und erst sechs Wochen vor dem jeweiligen Konzert, wenn klar ist, ob und wie es tatsächlich stattfinden kann, kommt ein Ticket und die Rechnung.

Christoph Lieben-Seutter bleibt trotz der schwierigen Umstände für alle optimistisch: "Jedes Konzert hat eine Chance auf Realisierung. Es soll Mut machen, es soll Hoffnung machen, es soll das Wasser im Mund zusammen laufen, was es alles geben wird." Diesen Zweck hat das prallvolle Programm auf jeden Fall erfüllt.

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