Viel Applaus für "Olympia"-Premiere am Altonaer Theater

Stand: 17.01.2022 14:44 Uhr

Am Sonntag fand im Hamburger Altonaer Theater die Uraufführung von "Olympia" statt. Das Haus hat sich die Aufführungsrechte für den achten Gereon-Rath-Roman von Volker Kutscher gesichert, dessen Bücher Vorlage für die Erfolgsserie "Babylon Berlin" sind.

von Annette Matz

Deutschland 1936: Das Berlin der Nationalsozialisten gibt sich weltoffen, die Nazis nutzen die Spiele perfekt zur Inszenierung ihrer Propaganda. Ein Land im Olympiafieber.

Der junge Friedrich Thormann, "Fritze", ist aus der Hitlerjugend für den Jugendehrendienst im Olympischen Dorf abkommandiert. Gespielt wird er von Johan Richter, der herausragend über die Bühnenrampe strahlt. "Fritze" ist begeistert über seine Chance, die Sportstars kennenzulernen - wie Hochspringer Dave Albritton oder Jesse Owens.

"Die Amis, die sind nun mal die besten, ob wir das wollen, oder nicht."
"Na, das lass mal nicht den Gruppenführer hören. Der hasst alles, was schwärzer ist als sein Blondhaar." Szene aus dem Theaterstück "Olympia"

"Fritze" lässt sich nicht abhalten, versucht fröhlich und voller Zuversicht an Autogramme der schwarzen Athleten zu kommen.

Eine Serie von Todesfällen im Olympischen Dorf

Szene aus dem Theaterstück "Olympia" am Altonaer Theater © G2 Baraniak
Intendant Axel Schneider hat den Roman von Volker Kutscher inszeniert und ihn in kleinteilige Szenen unterteilt.

Dann wird er Zeuge eines Todesfalls im Olympischen Dorf: Mister Morgan aus der amerikanischen Delegation stirbt im Speisesaal. Und damit beginnt eine Serie von Todesfällen, Vertuschungsversuchen, Sabotagevorwürfen und Unwahrheiten. Und es macht sich eine komplexe Geschichte auf, in der frühere Morde an Soldaten einer ehemaligen Wachkompanie Görings eine Rolle spielen, eine angebliche Überdosis, ein früherer Kriminalfall und ein Auftragskiller aus Amerika. Und mittendrin: Oberkommissar Gereon Rath, der aufklären soll - ein Antiheld unter Druck von Gestapo und Sicherheitsdienst.

Tobias Dürr spielt den Oberkommissar im Trenchcoat, der sich nicht unterordnen will, angemessen kraftvoll. Georg Münzel beeindruckt durch seine Rollenwechsel - mal ist eM spleeniger Apotheker, mal berlinernder Kommissar, mal Bahnhofsvorsteher. Genauso wie Hannes Träbert, der in ganze neun Rollen schlüpft.

Viel Spannung trotz kleinteiliger Szenen

Der Intendant des Hauses, Axel Schneider, hat den 500-Seiten-Roman von Volker Kutscher inszeniert und ihn in kleinteilige Szenen unterteilt. 46 Mal wird es zwischendurch kurz dunkel auf der Bühne, die Schauspieler und Schauspielerinnen bauen um, immer wieder Ortswechsel. Man hangelt sich von Szene zu Szene. Dabei wirklich berührt zu werden, erweist sich als schwierig.

Auch die Spannung zu halten, ist eine Kunst - aber gelungen, da war sich das Publikum einig: "Sehr spannend gemacht", fand eine Zuschauerin. Eine andere meinte: "Ich fand es kurzweilig. Das nimmt eine Dynamik an, dass man richtig mitzittert mit den Leuten."

Mutiges Bühnenbild

Überraschend: Nicht etwa Berliner Häuserfassaden, Tartanbahnen oder "Babylon Berlin"-hafte Nachclublichter sind zu sehen, sondern nur die fünf olympischen Ringe. Noch nicht mal angestrahlt, noch nicht mal in Farbe. Sie öffnen die Räume und klicken im Kopf die Fantasiesynapsen zusammen. Mutig und richtig gut.

Viel Applaus für "Olympia"-Premiere am Altonaer Theater

Ein Hauch von "Babylon Berlin": Das Stück nach dem Roman von Volker Kutscher befasst sich mit Kriminalfällen während der Olympischen Spiele 1936.

Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Theater
Museumstraße 17
22765 Hamburg
Telefon:
040 39905870
Hinweis:
Öffnungszeiten der Tageskasse: Montag bis Samstag 14-18 Uhr; die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 17.01.2022 | 14:20 Uhr

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