Buchcover "Das Ende des Kapitalismus - Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden" - Ulrike Herrmann © Kiepenheuer & Witsch
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AUDIO: Sachbuch "Das Ende des Kapitalismus" von Ulrike Herrmann (3 Min)

Herrmann: Wie "Das Ende des Kapitalismus" aussehen kann

Stand: 07.10.2022 16:38 Uhr

Das Sachbuch "Das Ende des Kapitalismus - Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind und wie wir in Zukunft leben werden" von Ulrike Herrmann steht auf der Longlist für den NDR Sachbuchpreis.

von Claas Christophersen

Dieser Sommer in Europa hat uns einen Vorgeschmack gegeben, was uns nach Ansicht der Klimaforscherinnen und -forscher in den nächsten Jahren und Jahrzehnten regelmäßig bevorstehen wird: Hitze, Dürre, Waldbrände, Ernte-Einbrüche.

Die Wirtschaftsjournalistin der "tageszeitung" Ulrike Herrmann ist überzeugt: Um mit einem blauen Auge aus der Klimakrise herauszukommen, brauchen wir eine ökologische Kreislaufwirtschaft, in der die Menschen nur so viel verbrauchen, wie sich recyceln lässt. Aber wie könnten wir da hinkommen?

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Frau liest mit Becher in der Hand in einem Buch. © fotolia Foto: Ivan Kruk

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Ende des Kapitalismus - obwohl er Wohlstand gebracht hat

Der Titel von Ulrike Herrmanns neuem Buch gibt schon den entscheidenden Hinweis, was auf dem Weg nötig wäre: "Das Ende des Kapitalismus". Dabei betont die Autorin zugleich, dass uns der Kapitalismus segensreichen Wohlstand gebracht hat. Wie sich Ulrike Herrmann den überhaupt nicht leichten, aber geordneten Ausstieg aus unserer bisherigen ökonomischen Ordnung vorstellt, beschreibt sie in ihrem Sachbuch.

Wer vom Ende unseres jetzigen Wirtschaftssystems spricht, muss auch beschreiben, wie es angefangen hat. Unter diesem Motto nimmt Herrmann ihre Leserinnen und Leser im ersten Teil ihres neuen Buches mit in das England vor 260 Jahren. Dort setzte sich eine enorm produktive Art der Güterherstellung durch. Angetrieben unter anderem von billiger Energie, gewonnen aus Kohle. Der Kern dieses Systems bis heute: Wachstum. Das aber, so Ulrike Herrmann, nur zustande kommen könne, "wenn Kredite aufgenommen werden, um in neue Maschinen zu investieren, die dann mehr Waren herstellen. Gleichzeitig ist es aber so, dass diese Kredite, die man aufgenommen hat, auch nur zurückgezahlt werden können, wenn es Wachstum gibt. In dem Moment, in dem das Wachstum zusammenbricht, kann man dann auch keine Kredite mehr zurückzahlen." Dann käme es zur Schuldenkrise, so die Autorin.

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Die Journalistin Ulrike Herrmann sitzt auf dem roten Sofa. © Screenshot
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Auf dem Roten Sofa erklärt Ulrike Herrmann, warum wir jetzt "grünes Schrumpfen" statt "Grünes Wachstum" brauchen. 41 Min

"Das Ende des Kapitalismus": Sachbuch fordert ein klimaneutrales Land

Mit der Wirtschaft wuchsen bisher stets die CO2-Emissionen. Um nicht in eine unkontrollierbare Heißzeit hineinzugeraten, bräuchte es ein klimaneutrales Land. Das macht Ulrike Herrmann im zweiten Teil ihres Buches klar. Was das für Deutschland bedeuten würde, bringt die Journalistin anhand vieler aktueller Quellen prägnant auf den Punkt. Zusammengefasst heißt es:

Unter anderem würde es weniger Autos, keine Flüge, weniger Chemikalien, kleinere Wohnungen und keine neuen Bürogebäude oder Logistikzentren mehr geben. Niemand würde hungern, und das Leben wäre weiterhin schön - aber es wäre kein "grünes Wachstum", sondern "grünes Schrumpfen". Zitat aus dem Sachbuch

Ulrike Herrmann: Emission von Treibhausgasen muss auf netto null kommen

Eine ökologisch saubere Wirtschaftsleistung, die sich immer weiter steigern lässt, hält Herrmann für unrealistisch, wie sie erzählt: "Es muss so sein, dass die Wirtschaft wächst und gleichzeitig die Emission von Treibhausgasen auf netto null kommt. Irgendwie kleinere Reduktionen bringen nichts mehr. Man darf überhaupt keine Treibhausgase mehr emittieren. Davon sind wir weit weg."

"Wir kommen auch nicht dahin", argumentiert die Journalistin. So bleibe die Speicherung von Öko-Energie ein Problem, wenn der Wind mal nicht weht und die Sonne nicht scheint. Deswegen müsse die Wirtschaft schrumpfen. Dieser Weg führe dann allerdings aus dem Wachstums-System Kapitalismus heraus. Ein historisches Vorbild dafür findet Herrmann in der britischen Kriegswirtschaft im Kampf gegen Nazi-Deutschland, "… weil das eben tatsächlich mal eine Situation war, wo die normale Friedenswirtschaft geschrumpft wurde, damit man eben Kapazitäten frei hat, um Waffen zu produzieren und gegen Hitler zu gewinnen."

Ulrike Herrmann weiß, dass man die Klimakrise nicht mit dem Zweiten Weltkrieg gleichsetzen kann. Sie hebt andere Punkte hervor:

Fast über Nacht entstand eine Planwirtschaft, die bemerkenswert gut funktionierte. Die Fabriken blieben in privater Hand, aber der Staat steuerte die Produktion - und organisierte die Verteilung der knappen Güter. Es wurde rationiert, aber es gab keinen Mangel. Zitat aus dem Sachbuch

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Das Ende des Kapitalismus

von Ulrike Herrmann
Seitenzahl:
352 Seiten
Zusatzinfo:
Untertitel: "Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden"
Verlag:
Kiepenheuer & Witsch
Veröffentlichungsdatum:
8. September 2022
Bestellnummer:
978-3-462-00255-3
Preis:
24 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 07.10.2022 | 14:20 Uhr

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Sachbücher