Stand: 16.01.2020 11:20 Uhr

NDR Buch des Monats: "Die Toten von Marnow"

Die Toten von Marnow
von Holger Karsten Schmidt
Vorgestellt von Andrea Heußinger
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Schmidt glaubt, dass es sich bei dem Verbrechen in seinem Buch bei Weitem nicht um das einzige handelt, was in Stasi-Unterlagen entdeckt werden kann.

Holger Karsten Schmidt, gebürtiger Hamburger und mehrfacher Grimme-Preisträger, ist seit vielen Jahren einer der erfolgreichsten Drehbuch-Autoren Deutschlands - und jetzt auch Autor einer Krimi-Reihe, die im Norden spielt, genauer gesagt in Mecklenburg-Vorpommern. "Die Toten von Marnow" heißt der erste Fall der beiden Kommissare Lona Mendt und Frank Elling, der übrigens auch Stoff für eine vierteilige Fernseh-Serie liefert. Die entsteht gerade unter Federführung des NDR.

In einer Rostocker Plattenbau-Siedlung wird ein Toter gefunden. Das Motiv scheint klar - denn auf der Stirn des Opfers wurde das Wort Kinderficker eingeritzt, auf seinem Computer findet sich eine Flut kinderpornografischen Materials.

"Wie es aussieht, ist Herr Beck im Wohnzimmer ermordet und dann hier aufgehängt worden." Das ließ sie stutzen. "Das ist bemerkenswert", sagte Lona Mendt dann. "Weil?", wollte Schneider wissen. "Weil die Tür zwar angelehnt, aber aufgebrochen war, und der Täter trotzdem Zeit darauf verwandt hat, die Leiche hierher zu schaffen und sie an der Decke zu befestigen", kam Elling ihr zuvor. "Obwohl er dabei jederzeit hätte entdeckt werden können." Lona nickte der KTU-Frau zu. Elling hatte ihren Gedanken fast beängstigend exakt wiedergegeben. Manchmal las sie in seinem Gesicht dieselbe Überraschung, die sie empfand, wenn sich zwischen ihnen diese stumme Übereinstimmung einstellte. Leseprobe

Aus einem Routinefall wird eine Mordserie

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Denn eigentlich könnten diese beiden Kommissare kaum unterschiedlicher sein: Elling, der Durchschnittstyp und Familienmensch mit Haus im Ringelrankenweg, der Dienstzeiten penibel einhält. Und Lona, die in einem Wohnmobil lebt und immer auf dem Sprung ist - und erst vor rund einem Jahr aus Hannover nach Rostock versetzt wurde. Warum, ist unklar und bietet Anlass für verschiedenste Spekulationen. Auch weil Lona Mendt so wenig von sich preisgibt wie möglich.

Was auf beide zunächst wie ein Routinefall wirkt, entpuppt sich als Beginn einer Mordserie. Inklusive absichtlich gelegter falscher Spuren und immer größer werdender Hindernisse. Mächtige Strippenzieher wollen offenbar mit aller Macht verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt. So werden die beiden Kommissare bei den Ermittlungen an ihre moralischen Grenzen geführt - und darüber hinaus:

Sie standen auf der Rückseite des Kommissariats. Hier, auf dem Parkplatz, hatte Lona den Volvo abgestellt. Sie gab Elling den Schlüssel und sein Handy zurück. "Was macht das Auge?" "Geht. Ich sag, ich bin in den Pool gefallen, dann haben sie was zu lachen." Lona nickte. Was auf den ersten Blick banal klang, barg eine kluge Finte - wer lachte, fragte nicht nach. "Wo ist das Geld?" "Unter einer Boje." Er warf ihr einen fragenden Blick zu, als sie den zweiten Stock erreichten. "Falls es Ermittlungen gegen dich gibt, beziehen die mich sofort mit ein. Im Wohnmobil wär’s ein Risiko. Also an der Boje im See." Leseprobe

Der Autor macht die Leser zu Komplizen der Kommissare

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Er wolle die Leser zu Komplizen machen, sagt Autor Schmidt - und das gelingt ihm: Bei all ihren Fehltritten drückt man den Kommissaren Elling und Mendt fest die Daumen, verfolgt gespannt ihre oft eigenwilligen Ermittlungsmethoden, die die Kommissare in das idyllische Marnow an der Mecklenburgischen Seenplatte führen - und dort in einen Sumpf aus Verbrechen, in die unter anderem die westdeutsche Pharmaindustrie und (man ahnte es bereits) die Stasi verstrickt sind.

Eine Zeitreise zurück in das Jahr 2003, in einen der sogenannten Jahrhundertsommer. Nett gemacht - wenn Schmidt zum Beispiel seinen Kommissar den vor anderthalb Jahren eingeführten Euro weiter in D-Mark umrechnen lässt. Oder im Zuge eines Bier-Kaufs an der Tankstelle erwähnt, dass die seit Neuestem immer öfter auch Lebensmittel im Sortiment haben.

Schmidt ist ein Autor mit einem Gespür für Bilder

Dass der Autor zudem Sinn für Bilder hat, merkt man an vielen Stellen. Was vermutlich auch daran liegt, dass er Roman und Drehbuch gleichzeitig geschrieben hat. Die Geschichte, die er erzählt, basiert auf wahren Ereignissen - ein dunkles Kapitel deutsch-deutscher Geschichte, von dem Schmidt glaubt, dass es bei Weitem nicht das einzige ist.

"Man nehme zum Beispiel den Unterschlupf der RAF in der DDR, man nehme jetzt dieses Beispiel: Ich denke, dass für Devisen eine Menge Geschäfte möglich waren zwischen der DDR und der Bundesrepublik - und da ruht wahrscheinlich noch einiges in geschredderten Stasi-Akten, was wir nicht im Bundesamt für Stasi-Unterlagen zur Verfügung haben heute", vermutet der Autor.

Die Toten von Marnow

von
Seitenzahl:
480 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Galiani
Bestellnummer:
978-3-462-04794-3
Preis:
16,00 €
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