Stand: 03.05.2019 00:01 Uhr

NDR Buch des Monats: "Düsternbrook" von Axel Milberg

Düsternbrook
von Axel Milberg
Vorgestellt von Katja Weise

Geschichten nicht nur auf der Bühne oder im Film zu erzählen, sondern selbst aufzuschreiben, zu erfinden, das scheint für einige Schauspieler ziemlich reizvoll zu sein. Joachim Meyerhoff tut es, Burghart Klaußner, Christian Berkel - und jetzt auch Axel Milberg, den Fernsehzuschauern vor allem bekannt als in Kiel ermittelnder Tatort-Kommissar Borowski. "Düsternbrook" heißt sein autobiografischer Debütroman, unser NDR Buch des Monats Mai.

Axel Milberg: "Düsternbrook" © Piper

"Düsternbrook": Ein Buch über das Heranwachsen

Kulturjournal -

Der Schauspieler Axel Milberg hat seinen ersten Roman "Düsternbrook" geschrieben. Darin erzählt er in kleinen Geschichten von seiner Jugend und Kindheit in Kiel.

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Düsternbrook - das klingt verheißungsvoll, märchenhaft, auch ein bisschen gefährlich

In einer Astgabel des Boskopbaums hockte ein Männlein in einem schwarzen Umhang, unter dem ich eine klapperdürre Gestalt erkennen konnte. Sein Kopf lauerte auf spitzen Knien. Huhu, es hatte gelbe Augen... Leseprobe

Schon früh hat Axel Milberg sich Geschichten ausgedacht, in Düsternbrook. Dort, in dem bürgerlichen, grünen, zentral gelegenen Kieler Stadtteil an der Förde ist er aufgewachsen.

Wenn wir in unserem Garten spielten, zwischen den Obstbäumen und Sträuchern, hörte ich nur Sportflugzeuge, das drängende Dampfertuten, Möwengeschrei. Sommer. Kiel schien eine Kinderzeichnung zu sein von Stadt, Land, Fluss. Leseprobe

Kiel wird Milberg früh zu eng

Zusammen mit den Geschwistern Hans und Manuela erkundet Axel den Garten. Später, dann oft allein oder mit Freunden, die Stadt. Sie wird ihm früh zu eng, mit Anfang 20 geht er schließlich nach München. "Nach 40 Erwachsenen-Jahren in München hatte ich genug Abstand zur norddeutschen Heimat gewonnen", sagt Milberg. "Ich bin in dem Buch nicht das Zentrum, auch wenn es einen Ich-Erzähler gibt, der Axel Milberg heißt, sondern ich erzähle über andere."

Prägende Erfahrungen in vielen kleinen Geschichten

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Familie, Freunde, Lehrer - und doch ist dieser Axel Milberg in dem Roman natürlich das Zentrum. Er kennt sie alle und forscht nun anhand vieler, kleiner Geschichten: Was waren prägende Erfahrungen? Was war so groß, dass es heute noch da ist, als Erinnerung? Wenn auch nur als Bild oder Traum. Dabei ist der Erzähler kein Allwissender, sondern Kind, pubertierender Jugendlicher, frischverliebter Student. "Mir ist es sehr wichtig gewesen, dass ich in dem, was ich schreibe, beschreibe und nicht aus der jetzigen Erwachsenen-Distanz mit dem Erfahrungsschatz bewerte. Sondern die Dinge an sich in aller Detailliertheit und Widersprüchlichkeit erst mal hervorhole."

Von Außerirdischen, Bernstein und Gert Fröbe

Zum Beispiel den Besuch Erich von Dänikens in der Schule, bei dem Däniken über Außerirdische sprach. Axel Milberg suchte sie daraufhin in Kiel. Oder das Familienpicknick, das im Krankenhaus endete, weil er sich Bernstein ins Ohr gesteckt hatte. Die erste Theateraufführung in der Schule, bei der er sein komisches Talent zeigen konnte und schließlich -  die Begegnung mit Gert Fröbe, der in Kiel gastierte:

Ich nahm mir ein Herz, ich dachte, jetzt oder nie. Ich klopfte in der Pause an seine Garderobentür, ein knappes Ja von drinnen, ich drückte die Klinke und stand vor ihm. "Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie störe. Darf ich Sie was fragen, Entschuldigung?" - "Ja, also?" Er drehte sich um. "Ich also, ich würde so gerne auch, ..." - "Na, junger Mann? Wollen Sie Schauspieler werden?" Leseprobe

Milberg ist ein ein humorvoller, pointierter Erzähler

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Axel Milberg liest seinen Debütroman

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Seit 2003 ist Axel Milberg als Tatort-Kommissar Borowski in Kiel unterwegs. Nun hat er seinen ersten Roman geschrieben, der von seiner Kindheit und Jugend im Kieler Stadtteil Düsternbrook handelt. mehr

Fröbe, damals ein Weltstar, gibt dem 19-Jährigen einen zentralen Satz mit auf den Weg: Du kannst es schaffen, wenn Du wirklich willst. "Das war eine große Ermutigung", erzählt Milberg. "Obwohl er mich ja nicht kennen konnte und mich gar nicht persönlich beraten hat, ist so etwas in diesem Alter, in dem du unsicher bist, etwas, was du nie vergisst."

Es braucht ein wenig Zeit, sich warm zu lesen, sich zurechtzufinden in diesem Milberg-Kosmos, in dem sich dann doch eins zum andern fügt, wie die bunten Steinchen in einem Kaleidoskop. Außerdem ist Milberg ein humorvoller, pointierter Erzähler mit einem guten Blick für Details und Typen; und: ein Erzähler, der begnadet vorlesen kann. Das Hörbuch sei deshalb besonders empfohlen.

Düsternbrook

von
Seitenzahl:
288 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Piper
Bestellnummer:
978-3-492-05948-0
Preis:
22,00 €

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