Gartenteich im Kloster Fischbeck © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka

Kolumne: "Paradiesische Zeiten"

Stand: 17.10.2021 07:30 Uhr

"Transformation" - Fachleute sprechen immer wieder von einem grundlegenden Wandel gesellschaftlicher Perspektiven. Das klingt klug und gelehrt, aber auch nach großen Anstrengungen und Verzicht.

von Christine Oberlin

"Probier's noch mal mit blau!" Ein Klick mit der Maus und der Raum sieht völlig anders aus. Ein toller Effekt. "Nein, links länger und vielleicht mal mit einem Muster!" Wieder ein paar Klicks und alle lachen über das Ergebnis. Und wieder eine neue Ansicht wird produziert - alle machen mit, alle sagen ihre Meinung und finden: "Es wird Zeit für einen deutlichen Wandel, für eine Transformation." Schließlich soll der Raum für sie gemütlich und wohnlich werden. Es macht ihnen sichtlich Spaß, ihre Ideen einzubringen, vieles auszuprobieren. Ich beneide die Leute in der WG, die mit Hilfe eines Computers verschiedene Settings für ihre Wohnung durchspielen, dabei ihre Kreativität einbringen und mit Lust etwas Neues gestalten.

Transformation ist mit Zumutungen verbunden

Diese Freude und Lust kommen mir manchmal abhanden, wenn ich das Wort "Transformation" höre - sicher, mit Veränderungen sind Unsicherheiten und Zumutungen verbunden. Doch ich vermisse die Leidenschaft, die Lust am Konzipieren, den Freude-Funken, der überspringt. Fehlen uns Bilder und Ziele, für die es sich lohnt, sich für Veränderung einzusetzen? Brauchen wir mehr Vertrauen, dass wir etwas gewinnen?

Wandel beginnt mit der Sehnsucht nach dem Paradies

Dabei muss ich doch nicht so weit schauen, um Bilder zu finden. In der Bibel wird schon ganz am Anfang vom Paradies gesprochen. Und im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, lese ich vom himmlischen Jerusalem, in dem es traumhaft schöne Zustände gibt. 

Christine Oberlin © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Pastorin Christine Oberlin hofft, dass Menschen die Sehnsucht nach dem Paradies in Bewegung hält.

"Paradising - wie eine alte Vorstellung für die Zukunft zurückerobert wird", heißt ein neues Konzept, das vom Netzwerk der Nordkirche "Umkehr zum Leben" und "Diakonie und Bildung" veröffentlicht wurde. Was als Anregung zur Diskussion in der Kirche gedacht ist, kann auch in der Gesellschaft wertvolle Dienste leisten. Schließlich gibt es Bilder und Visionen vom Paradies in allen Kulturen. In ihrem Konzept beginnen die Autorin Sarah Köhler und der Autor Constantin Gröhn mit der Feststellung, dass der Wandel mit der Sehnsucht nach dem Paradies beginnt. 

Und das ist meine Hoffnung - dass die Sehnsucht nach dem Paradies uns in Bewegung setzt und fröhlich hält.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 17.10.2021 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr

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