Stand: 17.07.2020 14:14 Uhr

Auch Kälber brauchen ihre Mütter

von Britta Jensen

Hans Möller geht gerne auf die Weide zu seinen Kühen. Er lehnt am Zaun und betrachtet eine Szene, fast wie aus einem Bilderbuch. Hier weiden Milchkühe und Kälber gemeinsam, das ganze Jahr - entspannt stehen sie im Herdenverbund. Die Kälber trinken am Euter der Mutter oder spielen miteinander.

Kälber gehören zu ihren Müttern

Ein Kuh leckt ihren Nachwuchs ab. © Britta Jensen
Bleiben Kälber länger beim Muttertier, ist das positiv für Mensch und Tier.

"Es war die richtige Entscheidung", sagt Hans Möller immer wieder. "Kälber gehören zu ihren Müttern." Zwar werden die Kühe während dieser Zeit auch gemolken, jedoch verzichtet der Hof auf einen großen Teil der Milch zugunsten einer ethischen Nutztierhaltung. Hans macht das glücklich: "Wenn ich sehe, wie die Kälber miteinander spielen und das Leben erkunden. Wie man das von uns Menschen auch kennt und worum wir sie immer berauben. Und die nehmen so viel mit hier im Herdenverbund. Sie können sich austoben, laufen und tollen rum und sind gesund und kräftig. Und man merkt, auf dem Hof, in der Herde, da ist alles entspannter. Auch auf den Menschen wirkt das und das ist gut."

Elternzeit auch für Milchkühe

In den allermeisten Milchbetrieben werden neugeborene Kälber in der Regel sofort von der Mutterkuh getrennt, denn die Milch der Kuh soll verkauft und nicht an das Kalb verfüttert werden. Hans Möller und seine Kollegen von "De Öko Melkburen" sind vor Jahren aus diesem System ausgestiegen. Sie geben ihren Milchkühen eine Elternzeit und machen damit durchweg positive Erfahrungen.  In den Gesprächen mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern stellt Hans Möller immer wieder fest: "Regionalität, artgerechte Tierhaltung und hochwertige Lebensmittel sind vielen Menschen wichtig. Und auch, dass die Landwirte angemessen entlohnt werden. Und viel Lob und Dankbarkeit kriegen wir zurück. Das stärkt dann ungemein."

In der Landwirtschaft ist weniger mehr

Hans Möller sieht eine große Verantwortung in seiner Arbeit als Landwirt. Er möchte gute Voraussetzungen schaffen für die kommenden Generationen. Nachhaltig handeln, nachhaltig wirtschaften. "Weniger ist mehr", lautet sein Motto. Utopisch sagen die einen. Dringend notwendig für die Zukunft des Menschen, sagt Hans Möller. "Die Schöpfung gibt uns alles, dass wir gut davon leben könnten - wenn wir achtsam konsumieren und Lebensmittel wieder wertschätzen. Und ich hoffe, dass mein Tun und Wirken ein bisschen dazu beiträgt, dass das Leben für Mensch und Tier angenehmer wird. Das ist eigentlich meine Inspiration, dass ich jeden Tag gerne aufstehe und sage: Weiter geht's!"

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 19.07.2020 | 07:30 Uhr

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