Stand: 09.11.2016 11:00 Uhr

US-Journalisten zwischen Furcht und neuer Aufgabe

von Caroline Ebner

"Die Medien sind alle parteiisch!" - Trump-Anhänger schimpfen auf Zeitungen wie die "New York Times" und "Washington Post" ebenso wie auf die Fernsehsender. Alle seien sie voreingenommen für einen der Kandidaten, die meisten jedoch gegen Donald Trump. Das ist eines von vielen Beispielen, das ZAPP Reporter Johannes Edelhoff in den USA in den Wochen vor der Wahl hörte.

Journalisten an einem langen Tisch

Beziehungskrise: Trump und die Journalisten

ZAPP -

Pro Hillary oder Pro Trump, so werden die Medien von vielen in den USA wahrgenommen. Die Journalisten müssen nun nach der Wahl versuchen, wieder von allen akzeptiert zu werden.

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Was stimmt: So viele Zeitungen wie sonst nie sprachen eine Wahlempfehlung für die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, aus. Umgekehrt bekam Donald Trump immens viel Sendezeit, konnte nicht nur im konservativen Sender Fox News seine Positionen immer wieder darlegen. Die Berichterstattung über Trump bei CNN oder etwa in den Zeitungen sei zwar eher negativ gewesen, räumt der Redakteur des US-Magazin "Politico", Peter Sterne, ein, "aber das lag an Trump selbst: Er sagte viele lächerliche und falsche Dinge - und das stellten die Medien dar".

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Donald Trump und die Medien

So viel Medienpräsenz wie Donald Trump hatte noch keiner. Wie fühlt es sich an, dagegen anzukämpfen? Ron Nehring und Alice Stewart von "Ted Cruz for President" berichten. Video (03:31 min)

Medienexperte fordert bürgernäheren Journalismus

Journalismusprofessor Jeff Jarvis macht die Medien für die bloße Existenz eines Kandidaten wie Trump mitverantwortlich: "Donald Trump ist ein Produkt der US-Medien." Das führt Jarvis jedoch nicht allein auf die medienwirksame Inszenierung des Kandidaten zurück. Die Journalisten selbst hätten in den vergangenen Jahren die Bürger aus den Augen verloren. Er sieht die Medienschaffenden deshalb in der Pflicht, mit Empathie zu berichten. Nicht etwa Empathie für Trump, sondern für das Leben derjenigen, die ihn wählen. Nur mit einer neuen, sozialeren Form des Journalismus könne die Kluft zwischen Journalisten und Bürgern überwunden werden. 

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Der Wahlkampf zwichen Hillary Clinton und Donald Trump hat die Nation gespalten.

Auch bei der "New York Times" hält es Politikredakteurin Carolyn Ryan für eine wichtige Aufgabe für die Zeit nach der Wahl, nicht nur weiter Fakten zu checken, sondern "sicher zu gehen, dass wir allen Teilen Amerikas zuhören". Zudem müssten die Konsequenzen der Wirtschaftspolitik besser verstehen und vermitteln, ganz gleich unter welchem neuen Präsidenten. 

Sorge vor pressefeindlichem Präsidenten Trump

Ob und wie gut sie diese Aufgabe wahrnehmen können, ist nach dem Wahlsieg Trumps ungewiss. Als Kandidat hatte Trump Journalisten zum Feind erklärt, sie seien "bewaffnet mit Stift und Papier", sagte er in einer seiner Wahlkampfkundgebungen. Auch wenn sich erst zeigen muss, ob Trump seinen Ankündigungen Taten folgen lässt: Als Journalist habe er Angst vor einem Präsidenten Trump, so Peter Sterne von "Politico". 

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In Deutschland überwiegt der Schock nach dem Trump-Sieg. Viele Politiker äußerten sich skeptisch, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen könnte. Mehr bei tagesschau.de. extern

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Die Medien und die US-Wahlen

26.10.2016 23:20 Uhr

NDR Autor Johannes Edelhoff ist für ZAPP in den USA und begleitet den medialen Wahlkampf. In loser Folge berichtet er aus den Vereinigten Staaten. mehr

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"Hört auf Donald Trumps Taktik zu hassen"

Scott Goodstein war verantwortlich für die Social Media Kampagne des Demokraten Bernie Sanders. Er sagt, man müsse Trumps meisterhaften Umgang mit den Medien anerkennen. Video (02:04 min)

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 09.11.2016 | 23:20 Uhr