Stand: 13.12.2017 21:20 Uhr

Gekürzte Onlinetexte: WDR geht auf Verlage zu

von Daniel Bouhs & Sabine Schaper
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Ein bisschen Frieden: Mathias Döpfner.

Im Dauerstreit über die Frage, wie opulent öffentlich-rechtliche Sender im Netz auch in Texten informieren sollen, zeichnet sich nach dem Umbau des WDR-Onlineauftritts eine Befriedung ab: "Wenn alle ARD-Sender so verfahren würden, und wenn man das Ganze auch noch rechtlich absichern würde im Rundfunkstaatsvertrag, so dass das jetzt nicht nur ein Phänomen für eine Saison ist, dann ist das wirklich ein Kompromiss und dann ist das eine Lösung", sagte Mathias Döpfner, der Chef des Medienkonzerns Axel Springer und Präsident des Verlegerverbandes BDZV, im Gespräch mit ZAPP. Er habe "an nichts mehr Interesse als an Frieden", so Döpfner weiter.

Signal an die Verleger

Der WDR hatte zuvor sein Online-Angebot spürbar umgebaut: mehr Audios und Videos, weniger und dafür vor allem kürzere Texte. WDR-Intendant Tom Buhrow spricht im ZAPP-Interview von einem "Signal an die Verleger, an die Medienpolitik". Er wolle Gemeinsamkeiten suchen, statt sich mit den Verlegern an juristischen Streitfällen festzubeißen: "Das bringt niemandem was."

Die Verleger und die ARD streiten ums Internet © NDR

Gekürzte Onlinetexte: WDR geht auf Verlage zu

ZAPP -

Der WDR setzt online auf mehr Video und Audios - und dafür auf weniger und kürzere Texte. Gibt es eine Lösung im Dauerstreit zwischen Verlegern und Öffentlich-Rechtlichen?

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Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue äußert wiederum Sympathien den Zug seines Kölner Kollegen. "Ich begrüße alles das, was geeignet ist, um zwischen Verlegern und Öffentlich-Rechtlichen mal wieder eine Diskussion in Gang zu bringen - und zwar eine sachgerechte Diskussion", sagte der Deutschlandradio-Intendant dem Medienmagazin.

Kein grundsätzlicher Text-Verzicht

Beide Intendanten erklärten jedoch, nicht grundsätzlich auf Texte verzichten zu wollen. "Wenn sich jemand entschieden hat, eine bestimmte Marke anzusteuern und das Angebot eines Verlags oder eines Senders auch zu nutzen, dann will er sich nicht mit Einzelheiten und Einzelteilen beschäftigen, sondern ein in sich stimmiges Informationsangebot haben", mahnte Raue.

Buhrow will vor allem bei Großlagen flexibel bleiben: "Denken Sie nur mal: Ein Zug entgleist, es gibt 50 Tote und es gibt noch keinen Fernsehbeitrag dazu - die Nutzer wollen es doch wissen. Aber sie müssen nicht 50 Seiten dazu lesen." Starre Vorgaben wie Döpfners medienpolitischen Wunsch, auf den Seiten der Sender sollte maximal ein Drittel der Flächen aus Texten bestehen, lehnten beide Intendanten ab.

Interviews
10:51

Tom Buhrow: "Signal an die Verleger"

13.12.2017 23:20 Uhr

WDR-Intendant Tom Buhrow geht mit seinem Umbau des Online-Angebots einen Schritt auf die Verleger zu. Video (10:51 min)

09:10

Stefan Raue: "Sachgerechte Diskussion führen"

13.12.2017 23:20 Uhr

Für Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue ist der Schritt des WDR richtig. Er begrüße eine sachgerechte Diskussion zwischen Verlegern und Öffentlich-Rechtlichen. Video (09:10 min)

Audio-visueller Schwerpunkt

In einer ZAPP-Umfrage erklärten andere ARD-Anstalten, zwar einerseits etwa die Sendungsbezüge auf ihren Seiten konsequenter als früher auszuweisen oder auch wie der WDR auf den Startseiten Audios und Videos stärker nach vorne zu stellen. Grundsätzlich wollen aber auch sie ausführlicher an Texten festhalten. So heißt es beim RBB: "Wir möchten alle Zielgruppen mit den Inhalten des rbb erreichen." Der BR betont zudem: "Ohne Text würden unsere Angebote zudem von Suchmaschinen schlicht nicht gefunden."

Voraussichtlich Anfang Februar wollen sich die Ministerpräsidenten der Länder mit dem sogenannten Telemedienauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender beschäftigen - und damit ‎den Spielregeln für die Onlineaktivitäten ARD, ZDF und Deutschlandradio ein Update verpassen. Zuletzt hatte die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, im ZAPP-Interview erklärt: "Klar ist, da wird der Schwerpunkt auf audio-visuell liegen und nicht textlastig sein."

Kommentar

Der letzte Text der ARD

13.12.2017 23:20 Uhr

Die Verleger könnten eine Kernforderung im Streit mit der ARD durchsetzen: Deren Angebote sollen nicht mehr "presseähnlich" sein. Was das bedeutet, kommentiert Andrej Reisin. mehr

Das Erste: Panorama

Verleger: Die unheimliche Kampagne gegen die ARD

26.10.2017 21:45 Uhr
Das Erste: Panorama

"Gebührenfinanzierte Staatspresse": Mit markigen Worten greifen Verleger den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an. Es geht um Apps, Inhalte - und hauptsächlich ums Geld. mehr

Kampf um die Zukunft von ARD und ZDF

20.09.2017 23:20 Uhr

Die Politik entscheidet über die Zukunft von ARD und ZDF. Verleger versuchen Stimmung zu machen, die Sender halten nun offen dagegen - eine Lobby-Schlacht ist entbrannt. mehr

Streit: Was dürfen ARD und ZDF im Netz?

05.04.2017 23:20 Uhr

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 13.12.2017 | 23:20 Uhr