Route du Rhum: Hamburger Segler Boris Herrmann ist im Ziel

Stand: 24.11.2022 11:10 Uhr

Solosegler Boris Herrmann hat mit seinem Imoca-Neubau "Malizia - Seaexplorer" bei der Transatlantik-Regatta Route du Rhum am frühen Donnerstagmorgen das Ziel in Guadeloupe erreicht. Der Hamburger qualifizierte sich damit für die Vendée Globe 2024/2025.

14 Tage, 15 Stunden, 21 Minuten und 41 Sekunden benötigte der 41-Jährige für die die 3.542 Seemeilen lange Strecke vom französischen Saint-Malo nach Pointe-à-Pitre auf der Karibik-Insel und landete unter 38 Teilnehmern auf Rang 24.

"Ich bin glücklich, im Ziel zu sein. Am Ende war es lang, wenn man recht weit zurückliegt. Es war das erste Mal, dass ich weit weg von meinen sportlichen Zielen geblieben bin", sagte der Hamburger nach seiner Ankunft um 5.36 Uhr deutscher Zeit. Die Platzierung passe "nicht zur Leistungsfähigkeit des Bootes". Am Pier wurde er dennoch von seinem Team in karibischer Nacht stürmisch begrüßt.

"Hauptziel erreicht, alles ist gut"

Der viermalige Weltumsegler, der bei der Vendée Globe 2020/2021 überrascht hatte und Fünfter geworden war, hatte die Route du Rhum mit dem jungen Neubau in der Optimierungsphase des Bootes verhalten bestritten und vermied ein hohes Risiko.

Nach einer defensiven Starttaktik sowie ungünstig gewählten Route, die ihn mitten in die Flaute führte, verlor er frühzeitig den Anschluss. Er habe einiges riskiert mit seiner Route, "aber unglücklicherweise ist es nicht aufgegangen". Hinzu kamen technischen Schwierigkeiten mit den Foils, die er auf der zweiten Rennhälfte nicht mehr nutzen konnte. Der Skipper war dennoch zufrieden: "Gleichzeitig habe ich mir gesagt, dass alles gut ist. Das Hauptziel der Vendée-Globe-Qualifikation ist erreicht."

"Mir fehlte einfach noch ein bisschen das Vertrauen ins Schiff. Dadurch war ich mit angezogener Handbremse unterwegs." Boris Herrmann bei "Yacht.de"

Ruyant verbessert Bestmarke von Gabart

Herrmann war fast drei Tage langsamer als Imoca-Sieger Thomas Ruyant, der den Transatlantik-Klassiker auf seiner gut 18 Meter langen Rennjacht "LinkedOut" in der Rekordzeit von 11 Tagen, 17 Stunden, 36 Minuten und 25 Sekunden bewältigt hatte. Die alte Bestmarke von François Gabart aus dem Jahr 2014 unterbot der 41-Jährige aus Dünkirchen dabei um etwas mehr als elf Stunden. Ruyant hatte die Route du Rhum bereits 2010 gewonnen.

Die Deutsch-Französin Isabelle Joschke benötigte 13 Tage, 2 Stunden, 26 Minuten und 54 Sekunden und war damit als Neunte hinter der Schweizerin Justine Mettraux (Rang sieben, 13 Stunden schneller) zweitbeste Skipperin im Gesamtklassement.

"Unter harten Bedingungen als Team viel gelernt"

Herrmann kehrt jetzt erst einmal nach Hamburg zurück, wo er Weihnachten und Silvester verbringt. Am Abend des 1. Januar wird er in Alicante erwartet, von wo aus er die nächste Herausforderung startet und erstmals beim Ocean Race mitsegelt. Eine Überführungs-Crew bringt das Boot nach Reparaturarbeiten aus der Karibik nach Spanien.

"Die Route du Rhum war für mich immer ein wichtiger Test für das Ocean Race. Unter harten Bedingungen haben wir als Team viel gelernt", so der Hamburger. Der Transatlantik-Klassiker habe "die Entdeckung von wichtigen Problemen gebracht. Vor allem das Problem mit dem Foil-Lager, wo sich die Metallbolzen verbogen haben und Bruch drohte. Es ist total wichtig, dass wir das jetzt gefunden haben und beheben können. Das hätte uns sonst im Ocean Race einen ziemlich dicken Strich durch die Rechnung gemacht", sagte Herrmann "Yacht.de".

Ocean Race steht im Januar an

Das wichtigste Mannschaftsrennen um die Welt mit Stippvisite in der Kieler Förde führt in sieben Etappen um die Erde. 2002 triumphierte mit der Illbruck zum bislang einzigen Mal ein deutsches Boot beim Ocean Race.

"Im Ocean Race wollen wir alles geben und mit Vollgas dabei sein. Dann sollten wir auch in der Position sein, das Rennen wettkampforientiert anzugehen", kündigte der gebürtige Oldenburger an. "Darauf freuen wir uns alle." Start in Alicante ist am 15. Januar, am 9. Juni passiert die Regatta-Flotte die Kieler Förde.

Weitere Informationen
Die Impca-Yacht "MACSF" von Isabelle Joschke. © picture alliance / abaca | Masson A/ANDBZ/ABACA

Route du Rhum: Joschke im Ziel, Herrmann auf Position 24

Die Deutsch-Französin wurde als Neunte zweitbeste Imoca-Skipperin. Der Hamburger Boris Herrmann wird in der kommenden Nacht im Ziel erwartet. mehr

Boris Herrmann auf hoher See © Team Malizia / Pierre Bouras

Route du Rhum: Ruyant siegt, Herrmann mit Problemen

Der Franzose Thomas Ruyant hat die Transatlantik-Regatta in der Imoca-Klasse in Rekordzeit gewonnen - Boris Herrmann wird erst Mittwoch im Ziel erwartet. mehr

Die Malizia auf hoher See © picture alliance / DPPI media | Pierre Bouras

Route du Rhum: Boris Herrmann kommt "gut klar mit dem Rückstand"

Boris Herrmann bekommt beim Transatlantik-Klassiker endlich wieder Wind, liegt aber im Imoca-Feld nur auf Rang 27. mehr

Charles Caudrelier jubelt an Deck. © picture alliance/dpa/AFP | Loic Venance

Route du Rhum: Todesfälle überschatten Caudreliers Rekordankunft

Bei der Ankunft von Charles Caudrelier in Guadeloupe kenterte ein Verfolgerboot. Der Franzose kam am Mittwochmorgen in Rekordzeit ins Ziel. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 24.11.2022 | 08:17 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Segeln

Mehr Sport-Meldungen

Phillip Bruggisser (Fischtown Pinguins Bremerhaven, 72), Lean Bergmann (Eisbaeren Berlin, 10), © imago images / HMB-Media

DEL-Finale: Fischtown Pinguins verlieren Spiel zwei in Berlin

Die Bremerhavener unterlagen in der Finalserie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei den Eisbären Berlin mit 3:5. Nach Siegen heißt es nun 1:1. mehr