VIDEO: Radsport: Deutschland Tour startet in Stralsund (5 Min)

Deutschland Tour: Greipel auf Abschiedstour in der Heimat

Stand: 26.08.2021 16:58 Uhr

Gemessen an den Siegen ist André Greipel der erfolgreichste deutsche Radprofi. In wenigen Wochen ist für den 39-Jährigen Schluss. Die am Donnerstag in Stralsund gestartete Deutschland Tour führte den Rostocker in seine alte Heimat.

Das erste Teilstück der viertägigen Rundfahrt führte über 191 Kilometer von Stralsund nach Schwerin. Für Greipel eine besondere Etappe: Nach 80 km durchquerte das Peloton seine Heimatstadt: "Es hat 17 Jahre gedauert, bis ich mal durch meine Heimatstadt fahren darf. Dass es jetzt passiert, dafür bin ich den Veranstaltern auch sehr dankbar", sagte der 39-Jährige, der anschließend beim Schlusssprint in Schwerin nicht auf die vorderen Plätze fahren konnte. Am Sonntag endet die Deutschland Tour in Nürnberg.

Erfolg hat nicht mehr "geflasht"

Ein Radrennen in Deutschland zu fahren, ist für Greipel schon speziell: "Es ist in der jetzigen Phase alles ein bisschen komisch, wenn man sieht, dass Hamburg abgesagt wurde und vier, fünf Tage später die Deutschland Tour stattfindet. Von daher müssen wir froh sein, dass die Rennen überhaupt stattfinden", erklärte Greipel, der zum Saisonende nach 17 Jahren seine Profikarriere beenden wird.

"Ich habe den Radsport gelebt, geliebt und manchmal auch gehasst. Es ist eine Lebenseinstellung gewesen." André Greipel

Irgendwann im Frühjahr sei der Entschluss gereift. Nach mehr als zweijähriger Durststrecke hatte er wieder zwei Siege geholt: "Aber aus irgendeinem Grund hat mich das nicht mehr geflasht. Andere haben sich mehr gefreut als ich selber", berichtete der Routinier. "Das war für mich auch ein Zeichen zu sagen: 'Okay, jetzt reicht es'." Das Leben bestehe nicht nur aus Radsport und Rennen fahren.

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158 Profisiege in 17 Jahren

Dabei hat das Metier Greipels Leben bestimmt, seit er zehn Jahre alt wurde. Der Junge aus Rostock, wo auch Jan Ullrich geboren wurde, war vielleicht nicht das begnadetste Talent auf dem Rad, dafür aber von unbändigem Ehrgeiz getrieben.

Das brachte dem Kraftpaket nicht nur den Spitznamen "Gorilla" ein, sondern machte ihn mit 158 Profisiegen zum erfolgreichsten deutschen Radprofi. Greipel sprintete 22 Mal bei großen Rundfahrten als erster über die Ziellinie, gewann allein bei der Tour de France elf Etappen. Er wurde WM-Dritter und dreimal deutscher Meister und siegte 2015 bei den Cyclassics in Hamburg.

Auch nach der Karriere im Radsport

"Aber mit 39 Jahren kann man dem Ganzen nicht mehr weglaufen", sagt Greipel. Da trete man auch öfter auf die Bremse und gehe Risiken aus dem Weg. Dem Radsport will der Rostocker aber erhalten bleiben - jedoch nicht als Sportdirektor: "Dann bin ich wieder unterwegs. Dann bräuchte ich nicht aufzuhören. Ich möchte auch mal gerne zu Hause bleiben.

"Ich werde keinen Cut machen. Ich werde dem Radsport erhalten bleiben, aber mit einem überschaubaren Pensum." André Greipel

"Es wäre ein Wunder, wenn ich sage: 'Ich möchte gar nichts mehr mit dem Radsport zu tun haben.' Das wird nicht der Fall sein. Ich werde noch viel Fahrrad fahren, aber ohne Leistungsdruck." Doch soweit ist es noch nicht. Ein paar Rennen warten noch. Und vielleicht auch ein Sieg. "Träume hat man viele. Ich werde mein Bestes geben."

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 26.08.2021 | 19:30 Uhr

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