Peiffer übers Karriereende: "Irgendwann sage ich einfach, das war's"

Stand: 01.03.2021 09:53 Uhr

Arnd Peiffer wird bald 34. Im Herbst seiner Karriere denkt der Biathlet vom WSV Clausthal-Zellerfeld häufiger ans Ende seiner Laufbahn. Olympia ist für ihn keine besondere Motivation mehr. "Der Mythos ist beschädigt", sagte er dem NDR.

von Ines Bellinger und Martin Roschitz

Schluss machen, von jetzt auf gleich, ohne viel Tamtam - so stellt sich Peiffer seinen Ausstieg aus dem Profisport vor. Wann es so weit sein wird? Das will der Olympiasieger und fünfmalige Weltmeister im Biathlon nicht verraten. "Ich entscheide immer kurzfristig nach einer Saison, ob ich weitermache oder nicht", sagte er. "Ich würde das vorher nicht groß ankündigen. Irgendwann sage ich einfach: Das war's jetzt für mich."

Peiffer hat miterlebt, wie es Andrea Henkel ergangen ist, als sie das nahende Karriereende bereits vor ihrer letzten Saison ankündigte: Danach sei es bei jedem Weltcuprennen fast nur noch um dieses Thema gegangen. "Da habe ich entschieden, dass das für mich keine Option ist. Ich werde es irgendwann einfach tun."

In Pokljuka holte Peiffer seine 17. WM-Medaille

Ob der gebürtige Wolfenbütteler, der bei der Weltmeisterschaft in Pokljuka mit Silber im Einzel gerade seine 17. (!) WM-Medaille gewonnen hat, Olympia im kommenden Winter in Peking noch einmal in Angriff nehmen wird, ließ er offen. "Vielleicht", antwortete der Mann mit dem eigenen, 500 Mitglieder starken Fanclub ausweichend auf diese Frage.

Für ihn gehe es nicht darum, welches Event gerade anstehe, "sondern ob ich vom Körper und vom Geist her noch bereit bin, den Sport auf dem Niveau auszuüben, auf dem ich das im Moment tue. Wenn das nicht mehr der Fall ist, höre ich auf. Olympia wäre nichts, was mich motivieren würde, ein Jahr länger zu machen, obwohl ich eigentlich gar nicht mehr mag."

"Dass es immer größer werden muss, dass keine Rücksicht auf die Natur genommen wird, dass viel Natur zerstört wurde für Sportstätten, die dann später gar nicht mehr genutzt werden. Das sind für mich schon Themen, die den Mythos Olympia beschädigt haben." Arnd Peiffer

"Mythos Olympia beschädigt"

Überraschend hört sich das nur im ersten Moment an. Der "Silberrücken" der deutschen Skijäger stand schon auf dem Olymp: 2018 in Pyeongchang holte Peiffer die Goldmedaille im Sprint. Mit Silber (2014) und Bronze (2018) in der Staffel hat er einen kompletten Medaillensatz von Winterspielen in der Vitrine. Bei Peiffer ist so eine Aussage aber vor allem Ausdruck einer sehr reflektierten Haltung zu Höhen, Tiefen und Grenzen seiner Profession. "Ich habe ein relativ ambivalentes Verhältnis zu den Olympischen Spielen. Ich habe total großartige Erlebnisse gehabt, wurde als Athlet aber auch schon hier und da enttäuscht", sagte er.

Er sieht kritisch, in welche Richtung sich das größte weltumspannende Sportevent entwickelt hat: "Dass es immer größer werden muss, dass keine Rücksicht auf die Natur genommen wird, dass viel Natur zerstört wurde für Sportstätten, die dann später gar nicht mehr genutzt werden. Das sind für mich schon Themen, die den Mythos Olympia beschädigt haben."

Optionen für seinen Weg nach der Karriere hat Peiffer noch nicht durchgespielt. Er ist bei der Bundespolizei beschäftigt, das sei sein erster Ansprechpartner. Es gebe auch noch andere Möglichkeiten, aber bisher habe ihm die Zeit gefehlt, berufliche Weichen zu stellen. Wenn er aufhöre, werde ihm sein aktueller Arbeitgeber noch die Zeit zum Abtrainieren geben. "In dieser Zeit könnte ich mich orientieren", sagte er.

"Olympia 2026 ist aussichtslos"

Und auch wenn er eines Tages alle überraschen will: Dass das letzte Hurra seiner Karriere nicht mehr weit entfernt ist, räumt Peiffer ein: "Ich bin jetzt knapp 34, das kann man an einer Hand abzählen, dass das nicht mehr ewig gehen wird bei mir." Festlegen wollte er sich vorerst aber nur auf eines: "Olympia 2026 ist aussichtslos." Das Risiko, dass er nun vielleicht ständig danach gefragt werden könnte, ging er weise lächelnd ein.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 28.02.2021 | 22:50 Uhr

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