Stand: 24.12.2016 08:10 Uhr

Willi Reimann: Im Norden zu Hause

von Johannes Freytag, NDR.de
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Willi Reimann lässt sich 1997 für den Bundesliga-Aufstieg des VfL Wolfsburg feiern.

Nach Engagements bei Drittligisten (SC Norderstedt, SV Lurup) kehrt Reimann im Oktober 1995 in den Profibereich zurück. Er übernimmt den abstiegsbedrohten Zweitligisten VfL Wolfsburg. Mit den Niedersachsen schafft er den Klassenerhalt und ein Jahr später ein sportliches Wunder: Mit "No-Name-Kickern aus der Provinz" ("kicker" am 30.6.1997) gelingt der erstmalige Aufstieg in die Bundesliga. Nach gutem Start (Platz sechs nach 19 Spieltagen) folgt eine Serie von sieben sieglosen Spielen. Wieder muss Reimann gehen. Beim 1. FC Nürnberg wird er Nachfolger des entlassenen Felix Magath. Wegen einer schweren Erkrankung seiner Frau, die kurz darauf an Darmkrebs stirbt, tritt Reimann am 2. Dezember 1998 als Club-Trainer zurück. Zwei Monate später folgt seine zweite Amtszeit beim FC St. Pauli, mit dem er den Klassenerhalt in der Zweiten Liga schafft. Doch er wirft den Job wieder hin: "Ich sehe mich nicht in der Lage, mit den finanziellen Mitteln des Vereins die hohen Erwartungen in Hamburg zu erfüllen", erklärt der 51-Jährige.

Zwei Jahre Auszeit

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Schiedsrichter Hermann Albrecht (l.) schickt am 29. März 2004 Willi Reimann auf die Tribüne. Der Frankfurter Coach hatte zuvor den vierten Offiziellen geschubst.

Erst 2002 übernimmt Reimann wieder einen Trainerposten im Profifußball. Er führt die sportlich und finanziell angeschlagene Eintracht aus Frankfurt von der Zweiten Liga in die Bundesliga. Tiefpunkt seiner Zeit bei den Hessen ist Reimanns Tätlichkeit gegen den vierten Schiedsrichter Thorsten Schriever im Bundesligaspiel Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt in der Saison 2003/04: Sie bringt ihm ein fünf Spieltage dauerndes Innenraumverbot und 25.000 Euro Geldstrafe ein - bis dahin die höchste Bestrafung eines Trainers in der Geschichte des DFB. Mit dem Abstieg Frankfurts 2004 endet auch Reimanns Amtszeit. Es folgt ein sportlich wertloses, aber finanziell lukratives Engagement in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Al-Shaab. 2006 zieht es den gebürtigen Niedersachsen zurück in die Heimat, er heuert bei Eintracht Braunschweig an. Doch nach nur zwei Siegen aus 14 Spielen wird Reimann beim Zweitligisten wieder gefeuert.

Die Freizeit steht im Vordergrund

Es ist seine letzte Station im Profifußball. "Ich denke, wenn man mal 60 ist, kann man ja auch aufhören", erklärt Reimann im November 2010 in der "Frankfurter Rundschau". Er wolle sich in seinem Alter "auch nicht mehr von irgendeinem Vereinspräsidenten beschimpfen lassen". Reimann genießt jetzt das Leben, den süßen Müßiggang. Sehnsucht nach der Tretmühle Bundesliga verspürt er nicht. Den Fußball verfolgt er nur noch als Fan, die Freizeit steht für ihn im Vordergrund. "Ich reise sehr viel, bin häufig auf dem Golfplatz zu finden und verbringe viel Zeit mit Freunden. Das füllt mich vollkommen aus", sagt Reimann: "Ich bin nicht böse, wenn ich mir das alles nur noch von außen angucken muss."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 24.12.2014 | 07:25 Uhr

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