Stand: 08.06.2015 10:22 Uhr  | Archiv

Hannovers Kult-Coach Werner Biskup gestorben

Werner Biskup (Archivbild aus dem Jahr 2001) © imago/pmk
Werner Biskup blieben weitere Erfolge im Profibereich nach seiner 96-Zeit verwehrt.

Beim Anhang der "Roten" hat sich Biskup durch den Aufstieg praktisch unsterblich gemacht. "Unsere Religion: Hannover 96. Unser Gott: Werner Biskup", steht auf einem Transparent, als die Niedersachsen in die Bundesliga-Saison starten. Biskup ist zu dieser Zeit längst dem Alkohol verfallen. Nach manchen Begegnungen weiß er nicht mehr, gegen wen seine Mannschaft gerade angetreten ist. Einmal bleibt er als Autofahrer mit über drei Promille in einer Polizeikontrolle hängen. Freunde und Familie flehen ihn an, die Finger vom Alkohol zu lassen. Vergeblich. Die Sucht lässt Biskup nicht los: "Ich habe keine Lehren angenommen. Ein Alkoholkranker hat 1.000 Entschuldigungen, warum er trinkt", sagt er Jahre später. Die Sucht kostet ihn schließlich den geliebten Trainerposten bei 96. Auch seine darauffolgenden Engagements bei Arminia Hannover, Hessen Kassel und dem türkischen Club Trabzonspor stehen unter dem Einfluss seiner Krankheit.

Overath als Lebensretter

Sein Leiden bleibt lange im Verborgenen. Erst als 1992 ein Bild von der gleichnamigen Boulevardzeitung veröffentlicht wird, das den Coach verwahrlost mit blauem Auge, geschwollener Lippe und wirrem Blick auf einer Parkbank zeigt, wird sein Schicksal öffentlich. "Ich war erschrocken, als ich das gesehen habe. Gott sei Dank hat es auch Wolfgang Overath gesehen. Einen Tag später hat er mich angerufen und gesagt: 'So geht es nicht weiter'", erinnert sich Biskup. Overath, der Weggefährte aus gemeinsamen Zeiten beim 1. FC Köln, besorgt ihm einen Therapieplatz. "Ohne Wolfgang Overath würde ich heute nicht mehr leben, ihm habe ich alles zu verdanken", erkennt die 96-Legende danach. Der Entzug gelingt. Und auch beruflich erhält der Fußballlehrer eine neue Chance. Der VfL Osnabrück verpflichtet Biskup, erhofft sich, mit ihm den Wiederaufstieg in die Zweite Liga zu schaffen. Das Ziel wird in der Saison 1993/1994 knapp verfehlt. Ein paar Monate später wird der Coach entlassen. Die Krankheit hat ihn eingeholt. Abermals schafft er den Entzug, noch einmal wird er später rückfällig.

Der Weg zurück zur großen Liebe Hannover 96

Werner Biskup (Archivbild aus dem Jahr 2005) © imago/Rust Foto: Rust
Werner Biskup arbeitete zuletzt wieder für seine große Liebe Hannover 96.

Letztlich schaffte er es jedoch, trocken zu bleiben. Der Mann, der erst zum Helden aufstieg, um dann ins Bodenlose zu stürzen, hatte wieder Boden unter den Füßen. Er gründete eine neue Familie, wurde noch einmal Vater. "Ich habe eine intakte Familie, einen prächtigen Sohn, und ich habe meine Mannschaft vom SC Sternbusch. Ich habe ein Grundstück von 600 Quadratmetern Rasen und wenn einer 'mal Rasen gemäht hat, weiß er, was das für eine Arbeit ist", sagte Biskup. Den großen Fußball verfolgte er nur noch im Fernsehen. Doch sein bewegtes Leben hielt für Werner Biskup ein kleines Happyend bereit. Im Herbst 2013 fand er doch noch den Weg zurück zu seiner großen Liebe Hannover 96 - als Talentscout der U23 und U19.

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Sport aktuell | 08.06.2015 | 10:25 Uhr