Stand: 13.05.2009 09:50 Uhr  | Archiv

Machtwechsel in der THW-Führung

Das Krisenmanagement des THW Kiel im Manipulationsskandal hat in den vergangenen Wochen viele Kritiker auf den Plan gerufen. Die Sponsoren des deutschen Handball-Rekordmeisters wollten sich das offenbar nicht mehr länger tatenlos mit ansehen. Auf einer Sitzung am späten Dienstagabend schaffte der deutsche Meister seine bisherigen Führungsgremien ab. Die GmbH mit den bislang allein entscheidenden fünf Gesellschaftern wird aufgelöst, ebenso der Beirat mit Vertretern von acht Großsponsoren, die bislang zwar Geld geben durften, aber nichts zu sagen hatten. In Zukunft wird ein fünfköpfiger Aufsichtsrat das Sagen beim THW haben. Das teilte der Verein nach einer dreieinhalbstündigen Sitzung von Beirat und Gesellschaftern mit. Besetzt wird dieser mit einem Vereinsvertreter. Zwei weitere Mitglieder werden durch die Gesellschafterversammlung gewählt, wobei einer der beiden Mitglieder aus dem Kreis der größten Sponsoren stammen soll. Von den restlichen beiden Aufsichtsrats-Mitgliedern soll einer über langjährige Erfahrungen im Bundesliga-Handballsport verfügen, der andere ein Angehöriger der steuerberatenden oder rechtsberatenden Berufe sein. So heißt es in einer Presseerklärung des THW. Die genaue Besetzung des Aufsichtsrates soll im Juni geklärt werden. Nicht ausgeschlossen ist somit ein Comeback einiger Gesellschafter im Aufsichtsrat.

Schwenkers Zukunft weiter unklar

"Diese Entscheidungen sind im Sinne der Sponsoren", sagte Ulrich Rüther, Vorstandsvorsitzender von Hauptsponsor Provinzial-Versicherungen und Beirats-Sprecher. "Das ist ein Befreiungsschlag in eine neue Zukunft des THW Kiel." Über die Rolle des unter Betrugsverdacht stehenden Ex-Geschäftsführers Uwe Schwenker, der derzeit noch an den Personalplanungen für die kommende Saison beteiligt ist, hüllte sich Rüther allerdings in Schweigen. Entsprechenden Fragen wich der Beirats-Sprecher aus: "Wir werden jetzt ein Detail-Konzept erarbeiten. Sie hören Ende Juni von uns." Schwenker soll - wie Anfang April angekündigt - zum 30. Juni ganz aus dem Verein ausscheiden. Ob der Ex-Manager anschließend als externer Berater für den THW tätig sein wird, ist weiter offen. "Das müssen die neuen Geschäftsführer und der Aufsichtsrat entscheiden", sagte Gesellschafter Willi Holdorf.

Derad kommt - Geht Karabtic?

Dafür steht nun ein Schwenker-Nachfolger fest. Ab dem 1. Juli wird Uli Derad vom Bundesliga-Rivalen TSV Dormagen den Posten als Manager bei den Kielern übernehmen. Ein weiterer Geschäftsführer für den kaufmännischen Bereich wird noch gesucht. Ob Derad dann noch mit Welthandballer Nikola Karabatic Vertragsgespräche führen kann, ist offen. Offenbar wird dessen Wunsch, zu seinem Heimatverein Montpellier zurückzukehren, nachgegeben. Als Ersatz sollen sich die Kieler mit Momir Ilic vom VfL Gummersbach einig sein. Eingetütet wird das Ganze nach wie vor von Schwenker, der die Personalplanungen auf Gesellschafter-Wunsch zu einem guten Ende führen soll. "Er verfügt über Kenntnisse, die kein anderer hat. Deshalb mussten wir uns darauf einlassen", so Holdorf.

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Sport aktuell | 13.05.2009 | 10:25 Uhr

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