Handball-Bundestrainer Alfred Gislason (r.) spricht mit Nationalspieler Hendrik Pekeler. © imago images / VIADATA

Handball-Länderspiele machen Sorgen: 35 Spieler im deutschen Kader

Stand: 26.10.2020 12:27 Uhr

Die Handball-Saison ist noch jung, aber spätestens mit den Länderspielen Anfang November beginnt vor allem für die Nationalspieler die Terminhatz. Bundestrainer Alfred Gislason gab am Montag seinen Kader bekannt.

Der Lehrgang der DHB-Auswahl und die Vorbereitung auf die EM-Qualifikation beginnt am kommenden Montag, mit einer vertrackten Situation für Bundestrainer Gislason: Einerseits hat er Verständnis für die Sorgen der Vereine, auf der anderen Seite wartet er seit März auf sein DHB-Debüt, da möchte er im November trotz international zweitklassiger Gegner - die DHB-Auswahl spielt gegen Bosnien-Herzegowina (5. November) und Estland (8. November) - natürlich zu gern sein bestes Team ins Rennen schicken. Gemeldet hat Gislaslon der EHF einen erweiterten 35er-Kader.

DHB setzt auf Hygienekonzept

"Ich bin Berufsoptimist", sagte Gislason: "Ich gehe fest davon aus, dass ich alle Spieler an Bord habe, die zu dem Zeitpunkt gesund sind." DHB-Vorstandschef Mark Schober ergänzte: "Wir versuchen, für unsere Mannschaft und die der Gegner den höchsten Schutz zu bieten." Es sei wichtig, die Risiken seitens der Nationalverbände durch Hygienekonzepte und Testungen zu minimieren. Zudem hofft der Handball auf eine neue Muster-Quarantäneverordnung des Bundes, die eine Ausnahme für Berufssportler vorsieht, in den Bundesländern aber noch einzeln ratifiziert werden muss.

Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, hatte zuvor klare Worte an die Verbände gerichtet und sie in die Pflicht genommen: "Jedem Nationalverband muss bewusst sein: Wenn das in die Hose geht, fügt das dem Handball einen schweren Schaden zu. Wenn die Ligen aussetzen müssen, wird es keine Zukunft geben."

Der Handball befindet sich insgesamt in einer sehr komplizierten Situation. Ein erneuter Lockdown hätte fatale Folgen. Der Sport muss seinen Betrieb aufrechterhalten. "Wir brauchen das, damit der Handball überlebt", hatte der Trainer des THW Kiel bereits am Rande des Derbys gegen die SG Flensburg-Handewitt vor einer Woche im NDR gesagt: "Aber wir müssen auf der anderen Seite schauen, dass unsere Spieler überleben." Flensburg-Coach Maik Machulla sprach von einem "Ritt auf der Rasierklinge".

Clubs drohen mit Nationalspieler-Boykott

Die Sorge vor Verletzungen ist das eine, die Sorge vor Quarantäne-Zeiten angesichts von Reisen quer durch Europa das andere: In der Diskussion stehen dabei vor allem die Länderspiele in Corona-Risikogebieten. Die Quarantäne-Bestimmungen der Bundesländer für Rückkehrer sind unterschiedlich, Spieler könnten für Liga-Spiele womöglich nicht zur Verfügung stehen, ganze Spieltage stünden somit auf der Kippe. "Das muss definitiv klar sein, dass unsere Spieler nicht in Quarantäne müssen. Sollte da irgendwo eine Gefahr bestehen, werden wir da reagieren", sagte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi dem NDR.

Auch er hat das Schreiben aller Bundesligaclubs an die europäischen Dachverbände unterschrieben. Darin teilten die Clubs mit, die angeforderten Nationalspieler aufgrund der Pandemielage vorerst nicht abstellen zu können. Man wolle darüber am kommenden Mittwoch befinden. Szilagyi: "Wir haben aktuell den Standpunkt, dass wir natürlich unsere Nationalspieler grundsätzlich abstellen wollen. Wir behalten uns aber auch das Recht vor, das neu zu bewerten, das heißt vor dem Lehrgang neu zu bewerten."

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Sport aktuell | 26.10.2020 | 10:25 Uhr

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