Stand: 26.03.2019 09:35 Uhr

Weghorsts Weg: Der Himmel ist das Limit

von Hanno Bode, NDR.de und Jörg Tegelhütter, NDR Hörfunk
Applaus, Applaus: Wout Weghorst erweist sich für den VfL Wolfsburg als große Verstärkung.

Michael van Gerwen blickte auf einmal ziemlich düster drein. Eigentlich war der dreimalige Darts-Weltmeister an jenem Abend im vergangenen Mai in dem Glauben ins Trainingslager der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft gekommen, beim lockeren Pfeile werfen mit den "Oranje"-Kickern keinesfalls den Kürzeren ziehen zu können. Dann aber traf "Mighty Mike", so der Spitzname des 30-Jährigen, auf einen Mann, der offenbar nicht nur auf dem grünen Rasen sehr zielsicher ist: Wout Weghorst. Dem Angreifer gelang es tatsächlich, ein Leg (Durchgang) gegen van Gerwen zu gewinnen. "Ich habe zweimal 140 geworfen. Er war wirklich sauer und wollte dann direkt noch zweimal spielen", berichtet der 26-Jährige im Gespräch mit dem NDR Hörfunk.

Tore am Fließband in den Niederlanden

Seinerzeit stand Weghorst noch in seiner Heimat bei AZ Alkmaar in Lohn und Brot. Bald darauf verkündete der VfL Wolfsburg die Verpflichtung des 1,97 Meter großen Stürmers. Natürlich nicht seines Triumphes gegen van Gerwen wegen, sondern ob der beeindruckenden Torquote: 45 Treffer in 86 Partien hatte der Rechtsfuß für den zweimaligen niederländischen Meister erzielt. Und nun knipst er in der Bundesliga munter weiter. In 26 Einsätzen war Weghorst bereits zwölf Mal erfolgreich und bereitete fünf Treffer vor - zuletzt beim 5:2 gegen Fortuna Düsseldorf gelang ihm gar ein Hattrick.

Wolfsburgs Stürmer Woit Weghorst © imago images / regios24

Wolfsburgs Weghorst: "Ich will nach Europa"

Zwölf Tore und vier Vorlagen - dank Wout Weghorst darf der VfL Wolfsburg vom europäischen Wettbewerb träumen. Im Interview spricht der Niederländer über seine Ziele und den Abschied von Bruno Labbadia.

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VfL überweist Alkmaar elf Millionen Euro für Stürmer

Einen Tag nach jener Sternstunde im "Wölfe"-Trikot am 16. März besuchte der Angreifer die Partie seines Ex-Clubs gegen Ajax Amsterdam. Der Empfang für ihn war äußerst herzlich. "Weghorst on Fire" stand unter anderem auf einem Transparent. Zudem wurde der "verlorene Sohn" mit sehr viel Beifall bedacht. Die AZ-Fans haben den früheren Kapitän und Torjäger des Vereins nicht vergessen. Und ganz "nebenbei" hat er dem Club durch seinen Wechsel ja auch eine beträchtliche Summe in die Kasse gespült. Knapp elf Millionen Euro soll die Ablöse für ihn betragen haben. Bis dato hat sich diese Investition für den Werksclub aber allemal gelohnt. Weghorst ist eines der Gesichter des Wolfsburger Aufschwungs.

Und er ist auf einem guten Weg, bei den Niedersachsen in die Fußstapfen seines Landsmanns Bas Dost zu treten. Der hatte von 2012 bis 2016 für den VfL gespielt und in 85 Begegnungen 36 Tore erzielt. Seinen Abgang vor drei Jahren zu Sporting Lissabon konnte der Bundesligist nie so richtig kompensieren - bis Weghorst seine Zelte am Mittellandkanal aufschlug.

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Nicht ganz...

"Am Anfang der Saison war es mein Ziel, in der ganzen Saison zwölf Tore zu schießen", sagt Weghorst dem NDR: "Es läuft gut." Fürwahr. Genau genommen läuft es sogar märchenhaft für einen Spieler, der nie ein Nachwuchsleistungszentrum von innen gesehen hat und erst mit 20 Jahren sein Debüt als Profifußballer feierte - beim zweitklassigen FC Emmen. Nun schießt der aus der kleinen Gemeinde Borne stammende Kicker in einer der besten Fußball-Ligen der Welt Tore. Eine typische Geschichte unter der Überschrift: "Vom Tellerwäscher zum Millionär". Nun, Geschirr abspülen musste Weghorst nie, um sich über Wasser halten zu können - seine Familie betreibt in den Niederlanden 130 Tankstellen. Zum großen Geld durch den Fußball kam er aber tatsächlich durch seinen unbändigen Willen und ganz viel harte Arbeit.

"Versuche jeden Tag, das Beste abzurufen"

Hintergrund
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Bundesliga-Rekordtorschützen des VfL Wolfsburg

Edin Dzeko hat sich in kürzester Zeit an die Spitze der besten Bundesliga-Torschützen der "Wölfe" geschossen. 66 Tore in 111 Einsätzen für den VfL Wolfsburg sind eine stolze Bilanz. Bildergalerie

"Ich versuche jeden Tag, das Beste abzurufen und in Dingen stärker zu werden, die ich noch entwickeln kann", erzählt der Wolfsburger. Zusätzliches Schuss- und Kopfballtraining sowie individuelle Einheiten im Kraftraum sind für den hochaufgeschossenen Angreifer Normalität: "Ich versuche immer, mich weiterzuentwickeln - das ist ein bisschen mein Geheimnis." Sein Ziel sei es immer gewesen, "ein besserer Spieler" zu werden, sagt Weghorst und fügt selbstbewusst an: "Ich bin auf einem guten Weg." Und wohin soll ihn dieser Weg noch führen? "Es ist ja klar, ich würde gerne europäisch spielen, das ist eine wichtige Sache für mich", erklärt der Niederländer. Die Chancen stehen derzeit gut, dieses Ziel mit den "Wölfen" zu erreichen. Als Tabellensiebter hat der Werksclub Tuchfühlung zu den Europa-League- und Champions-League-Plätzen.

Eine prächtige Entwicklung für einen Verein, der in den vorausgegangenen beiden Spielzeiten jeweils erst in der Relegation den Abstieg vermied. Und eine Entwicklung, an der Weghorst ebenso wie Coach Bruno Labbadia ("Ich bin dem Trainer sehr dankbar, dass er mich in die Bundesliga geholt hat") großen Anteil hat.

Bei "Oranje" derzeit in der Warteschleife

Während Labbadias Amtszeit im Sommer endet, wird Weghorst - Stand jetzt - mindestens noch bis 2022 für die Niedersachsen tätig sein. So lange läuft sein Vertrag. Doch wenn der 26-Jährige weiterhin so beständig trifft, werden gewiss bald Manager von anderen Clubs ihm den Hof machen. Beispielsweise solche aus dem Mutterland des Fußballs. Und England, das hat Weghorst unlängst betont, sei immer ein Ziel für ihn gewesen. Da müssen die VfL-Verantwortlichen beinahe glücklich sein, dass ihr Top-Torjäger sich derzeit nicht im "Oranje"-Trikot ins Schaufenster stellen darf. Er stand zwar im vorläufigen Kader für die jüngsten WM-Qualifikationsspiele der Elftal gegen Weißrussland (4:0) und Deutschland (2:3). In das endgültige Aufgebot von Bondscoach Ronald Koeman schaffte es der Stürmer jedoch nicht.

So bleibt es vorerst bei drei Einsätzen für sein Heimatland. Doch wer seinen bisherigen Karriere-Weg beobachtet hat, der weiß: Ein Wout Weghorst lässt sich durch nichts und niemanden entmutigen oder einschüchtern. Nicht einmal beim Darts - ein gewisser Michael van Gerwen kann ein Lied davon singen...

Wolfsburgs Kader für die Saison 2018/2019

Dieses Thema im Programm:

Sportreport | 26.03.2019 | 15:25 Uhr

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