Archivbild: Zwei Zuschauer auf leeren Rängen beim Spiel Hansa Rostock gegen Halle. © imago images/Fotostand Foto: Fotostand

Nur 1.000 Zuschauer: Marien kritisiert Politik - Hansa verschenkt Tickets

Stand: 02.12.2021 15:46 Uhr

Härtere Corona-Schutzmaßnahmen sollen die Infektionswelle in Mecklenburg-Vorpommern brechen. Fußball-Zweitligist Hansa Rostock kritisiert die Begrenzung von 1.000 Zuschauern im Ostseestadion. MV-Gesundheitsministerin Drese widerspricht und macht Prioritäten klar.

Nur 1.000 Zuschauer beim letzten Heimspiel des Jahres am Sonnabend (13.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) gegen Schlusslicht FC Ingolstadt - Hansa-Vorstandschef Robert Marien hat dafür kein Verständnis. Das sei "absolut nicht nachvollziehbar", sagte er NDR 1 Radio MV. Ursprünglich war eine Höchstgrenze von 7.250 Besuchern vorgesehen. Die Landesregierung hatte die Regeln für Außenveranstaltungen am Dienstagabend kurzfristig geändert und die maximale Zuschauerzahl auf 1.000 begrenzt. Es gilt die 2G-Plus-Regel.

"Wir sind total genervt von dieser ganzen Situation, dass wir hin- und herspringen, dass es keine Klarheit gibt. Dass es am Ende so ausgefallen ist, können wir auch als Mannschaft nur schwer nachvollziehen." Hansa-Trainer Jens Härtel

Marien kritisiert Kommunikation als "grauenhaft"

Die Politik mache sich unglaubwürdig, legte Marien bei NDR MV Live nach und kritisierte vor allem den zähen Informationsfluss: "In Krisenzeiten ist es wichtig, stringent zu handeln, aber auch glaubwürdig zu sein. Die Corona-Landesverordnung gilt es zu akzeptieren. Plötzlich haben wir aber eine komplett neue Zahl im Raum", sagte er.

Von der neuerlichen Begrenzung der Zuschauerzahl habe er als Vorstandsvorsitzender durch den NDR erfahren. Die Kommunikation mit den politischen Entscheidungsträgern sei "grauenhaft. Es kann nicht sein, dass die Polizei gestern anruft und mich fragt, vor wie vielen Zuschauern wir spielen und ich kann es nicht beantworten."

Am Donnerstag folgte durch die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen ein neuer Stand zu Sportveranstaltungen. Der Profisport ist von bundesweiten Geisterspielen zwar verschont geblieben, muss aber starke Zuschauer-Restriktionen verkraften. Vorerst dürfen die Stadien der Fußball-Bundesliga nur noch zu 50 Prozent ausgelastet werden - bei maximal 15.000 Fans. Für Hallensportarten sind höchstens 5.000 Zuschauer erlaubt.

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Die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen zur zugespitzten Coronalage sind allerdings wie erwartet nicht deutschlandweit einheitlich gültig. Im Falle von Hansa Rostock gilt die am Dienstagabend beschlossene Landesverordnung und damit die Höchstgrenze von 1.000 Zuschauern.

Gesundheitsministerin Drese weist Vorwürfe zurück

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese hatte schon vor der Bund-Länder-Konferenz die kurzfristige Änderung des Besucher-Limits verteidigt. Ein komplettes Zuschauer-Verbot zu verhängen, sei keine Option gewesen: "Wir machen es ja streng unter 2G-Plus-Regeln. Und die Idee dahinter ist: Diejenigen, die sich an die Regeln halten, die sich geimpft haben, die sich jetzt sogar testen lassen, sollen in kleinen Gruppen noch die Möglichkeit haben, solche Veranstaltungen zu besuchen", sagte die SPD-Politikerin bei NDR MV Live.

"Die Bilder aus den vollen Fußballstadien am letzten Wochenende waren desaströs." MV-Gesundheitsministerin Stefanie Drese

Sie habe nach der Entscheidung am Dienstagabend mit Marien telefoniert. "Ich kann verstehen, dass der FC Hansa über die Entscheidung nicht glücklich ist, aber der Verein wollte eine klare Ansage. Die hat er jetzt", sagte Drese. Kontakte müssten nun stark eingeschränkt werden, das gelte selbstverständlich auch für den Profifußball. "Die Bilder aus den vollen Fußballstadien am letzten Wochenende waren desaströs. Wir sind mitten in der Pandemie, die Situation in den Krankenhäusern spitzt sich immer weiter zu. Ich muss gerade Rehakliniken als Hilfskrankenhäuser einsetzen."

Marien: "So kann man keine Großveranstaltung planen"

Angesprochen auf das von mehreren Mecklenburgern in einer NDR Umfrage geäußerte Verständnis für die schärferen Corona-Beschränkungen sagte Marien: "Wenn wir in der letzten Woche festgelegt hätten, nur 1.000 Leute, dann hätten wir auch da gesagt: Das gilt es zu akzeptieren." Mit diesem Hin und Her könne man jedoch keine Großveranstaltung planen.

Hansa gibt die 1.000 Plätze an "Menschen in Not"

Schon in der Vorwoche hatte Marien die "zu sprunghafte" Corona-Landesverordnung beklagt, die für viele Fragezeichen sorge. Hansa sei "um jeden Einzelnen froh, der reindarf. De facto aber ist es ein Geisterspiel." Unter diesen Vorzeichen sei von einem Verlust von 500.000 Euro für den Club auszugehen.

Die 1.000 zur Verfügung stehenden Plätze wird der FCH nach eigenen Angaben "an Menschen in Not und sozial Schwache, aber auch Berufsgruppen, die gerade jetzt vieles in der Krise schultern müssen" verteilen. Bei über 12.000 verkauften Dauerkarten sei klar, dass es niemals gelingen könne, die Karten fair und zu verteilen, hieß es in einer Mitteilung vom Mittwochnachmittag.

Fanszene mit Boykott

Die organisierte Fanszene von Hansa hatte bereits am Wochenende aus Protest gegen 2G- und 2G-Plus-Regeln in Stadien das Auswärtsspiel in Paderborn boykottiert. Auch auf das Heimspiel gegen Ingolstadt wollte der harte Kern der Fans verzichten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 01.12.2021 | 06:00 Uhr

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