Stand: 04.08.2020 20:00 Uhr

96-Boss Kind: "Hätten Zieler nicht verpflichten dürfen"

Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler kann einen Gegentreffer nicht verhindern. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Puchner/dpa
Ron-Robert Zieler hat Hannover zu viele Punkte gekostet - so die Analyse der sportlichen Führung.

"Wofür sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt", heißt es bei Wilhelm Busch über Witwe Bolte, die so gerne Sauerkohl isst. Die aufgewärmte Beziehung zwischen Fußball-Zweitligist Hannover 96 und Torwart Ron-Robert Zieler hingegen findet derzeit ein unschönes Ende. Der Weltmeister (beim Turnier 2014 ohne Einsatz) ist bei den Niedersachsen von Clubchef Martin Kind vor dem Trainingsauftakt am Montagnachmittag mit deutlichen Worten degradiert worden - und soll sich einen neuen Verein suchen.

Kind: "Hätten Zieler nicht verpflichten dürfen"

"Wenn Zieler mich fragt, empfehle ich einen Wechsel. Bei uns wird er keine Chance mehr haben", sagte der 76-Jährige bei einer Veranstaltung der "Neuen Presse" in Hannover und schob hinterher: "Wir hätten ihn gar nicht verpflichten dürfen damals."

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Zieler war erst vor einem Jahr vom damaligen Sportdirektor Jan Schlaudraff vom VfB Stuttgart nach Hannover zurückgeholt worden - nachdem er bereits von 2011 bis 2016 für 96 gespielt hatte. Im vergangenen Jahr musste Stammtorwart Michael Esser für den 31 Jahre Rückkehrer weichen. Der seit November 2019 amtierende 96-Coach Kenan Kocak ist von Zieler jedoch nicht überzeugt. Zehn verlorene Punkte kreideten Kocak und Sportchef Gerhard Zuber dem Keeper an und entschieden sich, Esser in der vergangenen Woche "als neue Nummer 1" zurückzuholen.

Zielers Vater: "Ein schäbiger Vorgang"

Das neue Spieler-Bündnis um Profifußballer wie Mats Hummels, Neven Subotic und Alexandra Popp kritisierte am Dienstag Kind massiv. "'Ich bin tief betroffen', sagte Martin Kind vor einiger Zeit in Erinnerung an den Selbstmord von Robert Enke, um dann jetzt Ron-Robert Zieler öffentlich zu diskreditieren. Ohne ein Mindestmaß an Anstand, Respekt und Professionalität, insbesondere gegenüber einem ehemaligen Nationalspieler und Weltmeister", heißt es in einer vom "Kicker" veröffentlichten Stellungnahme des Bündnisses.

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"Hier zeigt sich der Versuch, einen verdienten, stets loyalen Profi mit fragwürdigen Methoden aus dem Verein zu ekeln", hatte bereits zuvor Zielers Vater Raimunt im "Kölner Stadt-Anzeiger" moniert: "Das widert mich an. Das ist ein schäbiger Vorgang, den Ron-Robert absolut nicht verdient hat." Kind wies dies zurück: Trainer Kocak habe Zieler "gleich nach der Saison" gesagt, dass er nicht mehr die Nummer eins im Tor sein wird. Deshalb sei "alles fair gelaufen".

Auch Kocak verteidigte seinen Umgang mit den altgedienten Profis (außer Zieler sollen auch Marvin Bakalorz und Edgar Prib den Verein verlassen): "Ich habe große Hochachtung vor dem Menschen Ron-Robert Zieler, auch vor seiner Karriere und dem, was er bisher geleistet hat. Ich bin aber Trainer und es ist meine Aufgabe und meine Pflicht gegenüber dem Verein, auch eine sportliche Einschätzung zu geben und Entscheidungen zu treffen."

Trennung von Zieler wird teuer

Gleichwohl setzte der Dreijahresvertrag für Esser ein klares Zeichen. Doch auch Zieler besitzt noch ein Arbeitspapier bis 2023 und das stellt Hannover nun vor ein Problem. Um den Vertrag aufzulösen, wäre eine Abfindung fällig, die deutlich höher als eine Million Euro sein dürfte. Dem Vernehmen nach ist das für den Keeper keine Option. Er würde dann einfach mittrainieren und abwarten, wie es bei 96 weitergeht. Beim Trainingsauftakt war Zieler jedenfalls - als einer von 23 Spielern - dabei.

Wechsel zu Union Berlin wohl geplatzt

Möglichkeit zwei ist ein Vereinswechsel. Doch auch das wäre für 96 nicht günstig. Zieler darf zwar ablösefrei gehen, 96 wird aber laut "Sportbuzzer" weiter einen Teil des Gehalts (geschätzte 700.000 Euro pro Jahr) zahlen müssen. Bei Bundesligist Union Berlin stand der Keeper angeblich auf der Kandidatenliste. Doch nachdem die Köpenicker am Montagabend Routinier Andreas Luthe vom FC Augsburg als neue Nummer eins verpflichtet haben, dürfte sich diese Option für den 31-Jährigen zerschlagen haben.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 03.08.2020 | 11:25 Uhr

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