Jean-Luc Dompé vom HSV © Witters

HSV-Matchwinner Dompé im Datencheck: Viele Glanzlichter, aber ...

Stand: 31.10.2022 11:57 Uhr

Jean-Luc Dompé war beim 3:2-Erfolg des HSV in Paderborn der Matchwinner. An allen drei Toren war der Franzose beteiligt. Auch die Datenanalyse zeigt, dass die Hamburger mit dem 27-Jährigen einen guten Griff getan haben. Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille.

von Johannes Freytag

"Ich habe auch in den letzten Wochen schon gute Spiele gemacht, aber eben noch nicht die entscheidenden Aktionen beitragen können. Diesmal konnte ich das endlich zeigen", sagte der Franzose hochzufrieden nach der Partie in Paderborn, bei der er mit zwei Vorlagen und einem Treffer vollends überzeugte.

Trainer Tim Walter fand dennoch das Haar in der Suppe: "Er kann noch viele Dinge besser machen, er kann auch mehr nach hinten arbeiten", erklärte der Coach dem NDR und schob hinterher: "Man kann ihn auch in seinem Alter noch erziehen."

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Die HSV-Spieler Laszlo Benes (Torschütze), Robert Glatzel und Jean-Luc Dompé (v.l.) bejubeln einen Treffer. © Witters/LeonieHorky

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Offensiv hui, defensiv pfui?

Dass die Kritik des Trainers berechtigt ist, zeigt der Blick auf die GSN-Daten. Der Flügelspieler, der sowohl auf der linken wie auch auf der rechten Bahn eingesetzt werden kann, bewegt sich mit einem GSN-Index von 64,00 auf einem durchschnittlichen Bundesliga-Niveau und hat seine Stärken im Tempospiel, in der Kreativität und bei den Flanken.

Doch diesen offensiven Vorzügen stehen vor allem ein schwaches Zweikampfverhalten sowie die Positionsfindung in der Defensive gegenüber. So hatte Dompé in Paderborn acht Ballverluste zu verantworten und von seinen acht Zweikämpfen nur zwei gewonnen.

Vor allem - und da sind wir wieder bei der Kritik des Trainers - konnte Dompé von seinen drei Defensiv-Zweikämpfen keinen für sich entscheiden. So hatte sein Gegenspieler Marcel Hoffmeier meist freie Fahrt und war an fast jeder guten Offensivaktion der Ostwestfalen beteiligt.

Dompé sorgt für Torgefahr

Dennoch ist der Sommer-Neuzugang des HSV (kam für eine Million Euro vom belgischen Erstligisten SV Zulte Waregem) enorm wichtig für die Hamburger: Sein "Performance-Score" liegt bei 58,10 - Rang drei unter den Linksaußen der Liga. Dompé kreiert im Schnitt pro Spiel 1,66 Torchancen für seine Mitspieler (Rang drei auf seiner Position), auch seine 1,16 Schlüsselpässe sind auf seiner Position ein sehr guter Wert in der Liga (Platz drei).

Noch stärker ist der Franzose als Flankengeber: 7,64 Hereingaben pro 90 Minuten bedeuten ligaweit Rang eins auf seiner Position - ebenso wie die 1,99 Flanken, die davon in den Fünfmeterraum gelangen. Gegen Paderborn hatte der 27-Jährige 24 erfolgreiche Aktionen (66,67%), 16 seiner 22 Pässe (72,73%) kamen beim Mitspieler an. Davon profitierte nicht zuletzt HSV-Angreifer Robert Glatzel, der satte sieben Mal aufs Tor schoss (Liga-Durchschnitt für Stürmer: 1,57) und einmal per Kopf nach Dompé-Vorlage traf.

HSV-Coach Walter: "Der Einzelne zählt nicht"

Gut zehn Wochen ist Dompé nun an der Elbe und seitdem in acht Ligapartien für den HSV aufgelaufen. Auffällig: Stand er in der Startelf, lief es für die Walter-Elf besser: Sechs von sieben Spielen wurden gewonnen. Die beiden Partien, in denen der Franzose nur eingewechselt wurde, endeten mit Niederlagen: Bei seinem Debüt gab es ein 1:2 gegen Darmstadt 98, dazu kam das 0:3 im Stadtderby beim FC St. Pauli.

"Er ist ein Supertyp. Er tut alles für die Mannschaft, ist kein Egoist." HSV-Profi Jonas Meffert über Jean-Luc Dompé

Zahlen, die Walter nicht interessieren: "Das Team steht immer im Vordergrund. Da zählt der Einzelne überhaupt gar nichts. Nur die Mannschaft zählt, und das ist das Entscheidende." Nur in einem funktionierenden Gebilde auf dem Platz, in einer Einheit aus "Energie und Willen" sieht der 46-Jährige den Garanten für Erfolg.

"Es spricht für meine Mannschaft, dass sie heute als Mannschaft verteidigt hat", lautete denn auch Walters Gruppenlob nach dem Sieg in Paderborn. Solange Dompé dabei vorne die Glanzlichter setzt, kann man bei den Defensiv-Schwächen des Franzosen auch mal ein Auge zudrücken.

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Sportclub | 30.10.2022 | 22:50 Uhr

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