Torjubel bei den Fußballern des HSV. © Witters

HSV: "Manchmal braucht man eben eine Weile ..."

Stand: 18.07.2022 12:11 Uhr

Die ersten drei Punkte der Saison hat der HSV eingesammelt. Aber wie ein Top-Favorit auf den Bundesliga-Aufstieg spielte er beim glücklichen 2:0-Sieg in Braunschweig noch lange nicht. Die Macher geben sich dennoch gelassen.

So einig waren sich die beiden HSV-Bosse Jonas Boldt und Thomas Wüstefeld in den vergangenen Wochen vermutlich selten. Mit der gleichen sorgenvollen Miene saßen die zerstrittenen Vorstandsmitglieder im Braunschweiger Eintracht Stadion nebeneinander und zitterten um den Saisonstart ihres Hamburger SV.

"Es war klar, dass wir nicht einfach so durchmarschieren" HSV-Stürmer Robert Glatzel

Ja, der HSV gewann sein erstes Spiel am Ende doch noch glücklich mit 2:0 (0:0). Dass er in der neuen Saison der zweiten Fußball-Bundesliga der einzige Top- unter lauter Mitfavoriten ist, lässt sich aus diesem Auftritt aber gewiss nicht ableiten. "Keiner von uns ist zufrieden gewesen. Aber das ist unsere Qualität, dass wir dann nicht hektisch werden, sondern die Ruhe bewahren", sagte Sportvorstand Boldt.

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Führungs-Konflikt birgt Risiko

Zumindest auf zwei Dinge sollte man sich in Hamburg aber lieber nicht verlassen in dieser Aufstieg-oder-Nichts-Saison: Dass sich der Konflikt zwischen Boldt und dem Finanzchef Wüstefeld komplett von der Mannschaft und dem Geschehen auf dem Spielfeld trennen lässt.

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Dazu hat sich Trainer Tim Walter schon zu deutlich pro Boldt positioniert. Und dazu tat auch der Aufsichtsrat in den vergangenen Wochen zu wenig, um diesen Konflikt zu lösen.

Eingespielt, aber auch durchschaubar

Und dann ist da noch die Einschätzung, dass es nur von Vorteil ist, wenn die ambitionierteste Mannschaft der Liga auch die eingespielteste ist. Nur zwei Neuzugänge - László Bénes und Ransford-Yeboah Königsdörffer - standen am Sonntag von Beginn an auf dem Platz.

Aber selbst der vermeintlich schwächste Nordrivale aus Braunschweig hatte sich perfekt auf den HSV eingestellt. Ballgewinn in der eigenen Hälfte, schnelles Spiel nach vorn: Eine Stunde lang liefen die Hamburger den immergleichen Kontersituationen hinterher.

HSV-Coach Walter: "Kommen in unseren Flow"

Vielleicht sei man nach dem 5:1 in der Vorbereitung gegen den FC Basel "zu selbstsicher" gewesen, sagte Doppeltorschütze Robert Glatzel. So laut die Selbstkritik auch war: Den HSV-Trainer Tim Walter brachte dieser Saisonauftakt nicht von seiner Überzeugung ab. Die Debatte über die Risiken seines Spielstils hat er schon vor einem Jahr zur Genüge geführt.

"Ich glaube, dass wir insgesamt gefestigt sind. Die ganze Gruppe, das Trainerteam herum: Wir sind ein eingeschworener Haufen." HSV-Trainer Tim Walter

"So wie wir das zweite Tor schießen, kann sich kein Gegner darauf einstellen", sagte Walter und meinte damit den enormen Schnelligkeitsvorteil des Vorbereiters Xavier Amaechi. "Manchmal braucht man eben eine Weile, um richtig reinzukommen", so der HSV-Coach. Das Problem sei: "Man kann Favorit sein in dieser Liga. Aber man muss das jede Woche unter Beweis stellen. Daran arbeiten wir die kommenden Wochen, um dann in unseren Flow zu kommen."

Ein zweiter Mittelstürmer soll noch kommen

Mindestens einen neuen Angreifer wird er dafür noch bekommen. Weil der junge Engländer Amaechi drei Jahre nach seiner Verpflichtung offenbar endlich vor seinem Durchbruch steht, konzentriert sich die Suche nicht mehr auf einen weiteren Flügel-, sondern auf einen zweiten Mittelstürmer als Alternative zu Torjäger Glatzel.

Ein Kaderplatz wird dafür wohl auch in Kürze frei: Denn nach einem halben Jahr bei Hansa Rostock steht der 22-jährige Robin Meißner kurz vor einer erneuten Ausleihe an den Drittligisten Viktoria Köln.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 18.07.2022 | 19:30 Uhr

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