Stand: 23.02.2020 15:46 Uhr

Derby: Übergriffe zu Beginn, wieder Pyro

Polizisten halten St.-Pauli-Anhänger zurück.

Beim Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli (0:2) ist es vor dem Anpfiff zu Übergriffen im Volksparkstadion gekommen. St.-Pauli-Fans versuchten, ihren Block zu verlassen, Anhänger aus dem HSV-Bereich bewegten sich ebenfalls auf sie zu und schossen Leuchtraketen in ihre Richtung. Die Fans des Kiezclubs setzten sich dann über die Anweisungen der Ordner hinweg, es gab Handgreiflichkeiten. Die Polizei schritt ein, Dutzende Beamte marschierten in den neutralen Zuschauerbereich, um dort abzusichern. Noch während des Spiels seien mehrere Verdächtige festgenommen worden, die die Raketen abgefeuert haben sollen, teilte die Polizei mit.

Bereits während der jeweiligen Fanmärsche sowie vor dem Stadion waren Bengalos und Böller gezündet worden. Auch im Laufe des Spiels brannten Anhänger beider Clubs vereinzelt Rauchtöpfe und Pyro ab, insgesamt blieb es aber ruhig. Schiedsrichter Manuel Gräfe musste nicht eingreifen. Er sei sehr dankbar, dass es "zu keinen Exzessen auf dieser Ebene gekommen ist", sagte St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich nach dem Spiel. Allerdings kommen auf die Vereine wohl auch diesmal wieder Strafen zu.

"Auch wenn so ein paar Bekloppte meinen, sie müssten wieder Fackeln und ein paar Rauchtöpfe anzünden: Wir lassen uns von dem Weg, den wir jetzt beschreiten, durch kleinere Rückschläge nicht abbringen." HSV-Clubboss Bernd Hoffmann

Polizei: Konzept hat funktioniert

Etwa 1.500 Beamte aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie von der Bundespolizei waren beim Derby im Einsatz. "Wir waren sehr gut beraten, diese 1.500 Kräfte zum Einsatz zu bringen und an unserem Konzept der konsequenten Fantrennung festzuhalten", bilanzierte Polizeisprecher Timo Zill: "Man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn wir dem Wunsch einiger St.-Pauli-Fans gefolgt wären, den Fanmarsch von Eidelstedt zuzulassen." Das Konzept habe grundsätzlich funktioniert.

Thema Pyrotechnik im Blickpunkt

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Auch diesmal brannten Anhänger Pyrotechnik ab, das Spiel verlief jedoch ohne größere Zwischenfälle.

Das Thema Pyrotechnik stand bei der Zweitliga-Begegnung, die als Risikospiel eingestuft worden war, besonders im Blickpunkt, nachdem es bei den beiden vorangegangenen Duellen zu vielen unschönen Szenen gekommen war. Zudem galt das Derby als ein guter Gradmesser dafür, ob die genehmigte Pyro-Show des HSV im vorangegangenen Heimspiel gegen den Karlsruher SC die eigenen Fans sensibilisiert hat. Dabei war erstmals im Stadion-Innenraum kontrolliert Pyrotechnik abgebrannt worden - zehn Rauchtöpfe in den Vereinsfarben Blau, Weiß und Schwarz. "Die bisherige Art und Weise, nämlich auf der einen Seite immer höher werdende Strafen und auf der anderen Seite dann wieder die Reaktion mit zusätzlicher Pyrotechnik, hat zu nichts geführt. Wir wollten diesen Prozess durchbrechen", so HSV-Clubchef Bernd Hoffmann.

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Zuletzt hohe Geldstrafen

Bei den beiden jüngsten Duellen im vergangenen September (2:0-Heimsieg des FC St. Pauli) und März (4:0-Erfolg des HSV am Millerntor) hatten die Fan-Aktionen während der Partien für Unmut und Geldstrafen gesorgt. Das Derby im März stand wegen massiven Abbrennens von Pyrotechnik kurz vor dem Abbruch und auch im vergangenen September wurde in beiden Fanlagern gezündelt.

Für die Vorkommnisse im Herbst 2019 wurden dem HSV 140.000 und dem FC St. Pauli 90.000 Euro an Geldstrafen auferlegt. Ursprünglich hatte das Strafmaß bei 200.000 beziehungsweise 120.000 Euro gelegen, doch das DFB-Sportgericht hatte die Beträge nach Einsprüchen der Clubs reduziert. Das rief wiederum den DFB-Kontrollausschuss auf den Plan, der Berufung gegen die Reduzierung einlegte. Eine abschließende Entscheidung steht noch aus.

Nach dem 4:0-Sieg des Hamburger SV bei St. Pauli im vergangenen März waren Geldbußen gegen den HSV in Höhe von 150.000 Euro und gegen St. Pauli von 100.000 Euro verhängt worden.

Göttlich: Derby ohne Pyro schwer vorstellbar

St.-Pauli-Präsident Göttlich hatte sich im Vorfeld skeptisch geäußert, dass ein Stadtduell ohne Pyrotechnik über die Bühne gehen kann. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Derby gänzlich ohne alles auskommen wird. Dafür ist es zu emotional, das gehört dann auch zum Fußball dazu. Sollte es zu Strafen kommen, ja, dann müssen wir sie wahrscheinlich tragen, so ungern wir das tun", sagte Göttlich NDR 90,3.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 22.02.2020 | 13:00 Uhr

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