Stand: 14.09.2017 11:55 Uhr  | Archiv

Das alte Volksparkstadion: Geliebt wird nur der Name

von Bernd Schlüter, NDR.de
Luftbild des Volksparkstadions nach dem Umbau 1973.

Die Erinnerungen an das alte Volksparkstadion lassen die Herzen der HSV-Fans nur selten höher schlagen. Wehmut mag noch bei Gedanken an günstige Stehplatzkarten und die Möglichkeit des spontanen Besuchs eines Bundesligaspiels angebracht sein. Und auch an die sportlichen Ereignisse jener Zeit: Dort wurde Uwe Seeler 1964 erster Bundesliga-Torschützenkönig, holte der HSV 1979, 1982 und 1983 jeweils den Meistertitel und feierte große Europapokal-Siege wie das 5:1 gegen Real Madrid am 23. April 1980. Insgesamt aber überwiegt bei der Besinnung auf alte Zeiten eindeutig das Bild der kargen, hässlichen und zugigen Betonschüssel, in der schon aufgrund der Architektur so gut wie nie Stimmung aufkam. Geliebt wird eigentlich nur der Name: Viele HSV-Fans nennen ihre Heimat weiterhin konsequent Volksparkstadion, auch wenn sie danach aus Marketinggründen zunächst in AOL-Arena, dann in HSH Nordbank-Arena und schließlich in Imtech-Arena umgetauft wurde.

1925: In Altona steht das größte Stadion

Das Stadion hat eine lange Geschichte: Eröffnet wurde es 1925, als Altona noch eine eigene Stadt war. Mit einem Fassungsvermögen von 40.000 Fans war es größer als alle Stadien auf Hamburger Stadtgebiet - und deshalb trugen Vereine wie der HSV, St. Pauli, Victoria und der Eimsbütteler TV dort schon vor dem Krieg die Spiele aus, bei denen sie besonders viele Zuschauer erwarteten. Unter anderem wurde der HSV dort im Jahr 1928 vor 50.000 Zuschauern deutscher Meister.

Volksparkstadion: Die Geschichte in Bildern

1953: Eröffnung des Volksparkstadions

Zwischen 1951 und 1953 wurde dann auf Trümmerschutt ein Arena-Neubau errichtet. Für damalige Verhältnisse war das Stadion mit 400-Meter-Laufbahn ein Prachtstück: 76.000 Zuschauer passten hinein. Auf der zweistöckigen Tribüne konnten 12.000 Menschen sitzen, 8.000 davon unter Dach. Und wieder diente die Arena als Ausweichstätte für sämtliche Hamburger Clubs bei Derbys und großen Meisterschaftspartien. Zudem fanden dort Länder- und nationale Endspiele statt. An selber Stelle feierte Hannover 96 im Jahr 1954 den größten Triumph seiner Vereinsgeschichte: Vor 76.000 Zuschauern gewannen die Niedersachsen mit 5:1 gegen den mit späteren Bern-Helden gespickten 1. FC Kaiserslautern und wurden deutscher Meister. Die legendärsten Länderspiele im Volksparkstadion sind zwei Niederlagen der DFB-Elf - 0:1 gegen die DDR bei der WM 1974 und 1:2 im EM-Halbfinale 1988 gegen die Niederlande.

1963: HSV zieht vom Rothenbaum nach Bahrenfeld um

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HSV-Fans in der Westkurve: Bei einigen Spielen wie hier 1996 gegen St. Pauli kam auch mal Stimmung auf, ...

Der HSV zog mit der Bundesliga-Gründung 1963 in das Volksparkstadion um. Bei den Fans stieß der Verein damit auf wenig Gegenliebe. Zumindest für die Anhänger aus dem Hamburger Osten war die Anfahrt aufwändiger. Zudem vermissten viele in Bahrenfeld die knisternde Rothenbaum-Atmosphäre, auch weil sie teilweise sehr weit weg stehen mussten. Das war allenfalls für physikalische Experimente nützlich, weil in knapp 200 Metern Entfernung zum gegenüber liegenden Tor schon die Unterschiede zwischen Licht- und Schallgeschwindigkeit wahrnehmbar sind. Für Fangesänge und Anfeuerungen aber war das kontraproduktiv: Was trotz Wind und Wetter noch auf dem Rasen ankam, war dort nur noch als Klangbrei wahrnehmbar. Daran änderte auch der Umbau vor der WM 1974 wenig, als auf der Gegentribüne Sitzbänke und ein weiteres Dach installiert wurden. Die Kapazität war damit auf 61.300 Zuschauer reduziert.

1997: Das Ende der Betonschüssel beschlossen

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... häufig herrschte aber Tristesse.

Und so bemühte sich der HSV lange um ein neues, besseres Stadion. Schon in der 1950er Jahren hatten Visionäre den Plan eines reinen Fußballstadions für 65.000 Zuschauer am Rothenbaum ent- und wieder verworfen. Zudem tauchte immer wieder die Idee auf, am Stadtpark eine ebenso große Arena zu errichten. Aber die Jahrzehnte vergingen, während es immer gruseliger wurde: Dass Spiele mit weniger als 10.000 Zuschauern Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre immer häufiger vorkamen, hatte auch mit dem nicht mehr zeitgemäßen Stadion zu tun. Und so intensivierte der HSV seine Bemühungen um einen Neubau. Mit Erfolg: Am 25. Februar 1997 beschloss der Hamburger Senat den Bau einer modernen Arena, die für den Verein eine noch ungeahnte Erfolgsgeschichte werden sollte.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.09.2017 | 22:50 Uhr

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