Zwei Amateurfußballer auf einem Fußballplatz © IMAGO / Kirchner-Media

Corona-Beschlüsse: Amateur- und Breitensport muss weiter warten

Stand: 23.03.2021 22:11 Uhr

Für den Amateur- und Breitensport geht die Corona-Geduldsprobe weiter. Statt der noch vor wenigen Wochen erhofften weiteren Lockerungen für den Trainings- und Wettkampfbetrieb ist der Lockdown bis zum 18. April verlängert worden. Zuschauer-Modellprojekte wie in Rostock sind allerdings weiter möglich.

Öffnungen für kontaktfreien Hallensport sind vorerst für die meisten Regionen ebenso vom Tisch wie der Besuch von Fitnessstudios. Zudem droht im Amateurfußball, aber auch in anderen Sportarten, zusehends der Abbruch von Spielzeiten.

DOSB-Präsident Hörmann: "Das tut richtig weh"

Der Deutsche Olympische Sportbund zeigte sich enttäuscht und besorgt. "Die aktuelle Beschlusslage stellt auch für den gesamten Sport nochmals einen herben Rückschlag dar", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Dienstag. Nach ersten wichtigen Öffnungsschritten werde nun der gesamte Vereinssport "erneut zur Bewegungslosigkeit" verdammt: "Das tut richtig weh und wird die schon jetzt deutlich erkennbaren Schäden im gesamten Sportsystem nun von Woche zu Woche nochmals weiter erhöhen."

Bedauern und Enttäuschung beim DFB

Grund für den vorläufigen Stopp avisierter Lockerungen sind die stark steigende Zahl der Neuinfektionen und die wachsende Verbreitung von ansteckenderen Virusvarianten. Im Beschluss nach den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten ist der Sport nicht gesondert erwähnt. Wie die Beschlüsse konkret umgesetzt werden, ist Sache der einzelnen Bundesländer.

"Es ist enttäuschend, dass der organisierte Amateursport bei den jetzt getroffenen Bund-Länder-Beschlüssen mit keiner Silbe erwähnt wird", sagten DFB-Präsident Fritz Keller und sein für die Amateure zuständiger Vize Rainer Koch in einer gemeinsamen Stellungnahme: "Bei aller gebotenen Vorsicht angesichts steigender Infektionszahlen bedauern wir es sehr, dass abermals Verbote im Mittelpunkt stehen und nicht Lösungen, die Wege bieten, angemessen mit der Pandemie umzugehen."

Kaum Öffnungschancen für den Sport

Vor drei Wochen hatte es noch die Aussicht auf leichte Öffnungen gegeben. So sollten bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern wieder bis zu zehn Personen in kleinen Gruppen unter freiem Himmel Sport treiben können. Von diesem Wert sind die meisten Regionen in Deutschland aber weit entfernt.

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Eine Frau steht vor einem Laden, vor dem eine Tafel steht mit der Aufschrift: "Wegen Corona Lockdown geschlossen." © picture alliance Foto: SvenSimon

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Während des Oster-Lockdowns vom 1. bis 5. April soll nun stattdessen ein generelles "Ansammlungsverbot" im öffentlichen Raum gelten. Bis mindestens Mitte April wird es bestenfalls in wenigen Regionen mit sehr niedrigen Inzidenzen Öffnungschancen für den Sportbetrieb geben können.

Weitere Amateurfußball-Saisons vor Abbruch

Während in Hamburg und Schleswig-Holstein die Saisons der Amateurfußballer bereits abgebrochen wurden, hatten sich Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und auch Niedersachsen diese Entscheidung noch offengehalten. Auch der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) hatte für die Regionalliga Nord noch auf einen Re-Start gehofft.

Am Dienstag Abend ließ der niedersächsische Verband verlauten, dass die Saison vor dem Abbruch stehe. Weil wegen der Einschränkungen das Mannschaftstraining und der Pflichtspielbetrieb nicht rechtzeitig wieder aufgenommen werden können, zeichne sich derzeit ab, dass man nicht mehr von der sportlichen Fortsetzung und Beendigung der Saison bis maximal zum 21. Juli ausgehen könne, teilte Verband mit. Eine Entscheidung soll bei einer ordentlichen Verbandsvorstandssitzung in der kommenden Woche fallen.

Modellprojekte wie in Rostock weiter erlaubt

Auch eine generelle Zulassung von Zuschauern in den Profi-Ligen ist somit weiter nicht in Sicht. Allerdings sehen die Beschlüsse Ausnahmen wie zuletzt in Rostock vor. "Im Rahmen von zeitlich befristeten Modellprojekten können Länder in einigen ausgewählten Regionen, mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens öffnen, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten unter Nutzung eines konsequenten Testregimes zu untersuchen", heißt es im Bund-Länder-Beschluss.

Am vergangenen Sonnabend konnte Fußball-Drittligist FC Hansa Rostock gut 700 Zuschauer zum Heimspiel gegen Halle empfangen. Die Partie im Ostseestadion war das erste Spiel im Profifußball vor Fans seit dem 1. November. Der niedrige Inzidenzwert in Rostock (aktuell bei 23,9) hatte es möglich gemacht.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 23.03.2021 | 08:25 Uhr

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