Stand: 22.01.2020 18:32 Uhr  - NDR Info

Welcher Fisch darf noch auf den Teller?

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Wildlachs aus Alaska zählt laut WWF zu den Fischen, die guten Gewissens gegessen werden können.

Fisch ist ein gesundes und leckeres Lebensmittel. 14,4 Kilogramm davon haben die Deutschen pro Kopf im Schnitt allein 2018 gegessen. Doch die weltweiten Fischbestände sind in den vergangenen Jahren geschrumpft: Rund ein Drittel der Bestände weltweit gelten als überfischt, 60 Prozent stehen teilweise kurz davor. Welchen Fisch können Verbraucher noch mit gutem Gewissen kaufen?

Eine gute Wahl seien laut WWF beispielsweise Wildlachs aus Alaska sowie Hering aus der Nordsee, erklärt Britta König von der Naturschutzorganisation WWF. Auch Bio-Forelle und Karpfen aus europäischer Zucht seien empfehlenswert. Absolut nicht zu empfehlen sind einer neuen Broschüre der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge unter anderem Aal, Steinbeißer, Wolfsbarsch, Blauflossenthun sowie atlantischer Lachs und alle Hai-Arten (dazu zählen etwa Schillerlocken).

Auf Fanggebiet und -methode achten

Verbraucher, die Wert auf nachhaltig gefischten Fisch legen, sollten möglichst auf Fanggebiet und -methode achten. Frische Ware muss vom Händler ausgezeichnet sein. Bei abgepackter Ware sollten die entsprechenden Angaben auf der Verpackung stehen. Allerdings sind die Informationen teilweise nicht vollständig, denn vorgeschrieben ist nur die Angabe großer Fanggebiete wie Nordatlantik, nicht aber die genauere Unterregion. In den Fanggebieten sind die verschiedenen Bestände aber in unterschiedlich gutem Zustand.

Umweltsiegel geben erste Orientierung

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Wiederholt gab es Kritik am MSC-Siegel. Trotzdem empfiehlt der WWF es als erste Orientierungshilfe.

Generell empfiehlt der WWF auf Bio- und Umweltsiegel zurückzugreifen. Letztere sollen Orientierung bieten, ob ein Fisch aus nachhaltiger Fischwirtschaft stammt. Bekanntestes Siegel für Wildfisch ist das Siegel des Marine Stewardship Council, kurz MSC. Allerdings seien einige Fischereien trotz MSC-Zertifizierung nicht empfehlenswert, so die Verbraucherzentrale. Sie empfiehlt daher, die Fischprodukte mittels detaillierter Fisch-Ratgeber auf Nachhaltigkeit zu überprüfen. Für Wildfisch empfehlen die Verbraucherschützer insbesondere das Naturland-Siegel.

Für Fische und Meeresfrüchte aus Aquakultur gibt es Siegel von Bioland, Naturland und ASC (Aquaculture Stewardship Council), die unter anderem Vorgaben zu Futter, Besatzdichte und Medikamenteneinsatz machen.

MSC-Siegel in der Kritik

Die Kritik am MSC-Siegel hält auch der WWF teilweise für berechtigt. "Für eine schnelle Orientierung ist das Siegel aber noch geeignet", so Britta König. Man müsse aber aufpassen, dass künftig das Wachstum - also die Menge an zertifiziertem Fisch - nicht zu Lasten der Qualität gehe.

WWF-Fischratgeber als App

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Fisch aus Bio-Zucht wie etwa Forelle ist laut WWF eine gute Wahl.

Der WWF empfiehlt zudem, Fisch als Delikatesse anzusehen und nur gelegentlich zu essen. Als Hilfe für Verbraucher bietet die Umweltstiftung einen kostenlosen Einkaufsratgeber als Smartphone-App an. Wichtig ist, die App regelmäßig zu aktualisieren, da sich die Situation der Fischbestände relativ schnell verändern kann.

Broschüre der Verbraucherzentrale Hamburg

Die Broschüre der Verbraucherzentrale Hamburg ist neben der kostenlosen Online-Version auch gedruckt für 2 Euro Versand- und Bearbeitungskosten per Post erhältlich.

Fischratgeber auch von Greenpeace

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Laut Greenpeace-Ratgeber ist nur Karpfen uneingeschränkt empfehlenswert.

Auch von Greenpeace ist ein Fischratgeber erhältlich. Diesem Ratgeber zufolge können umweltbewusste Fischesser nur Karpfen uneingeschränkt genießen. Je nach Fangmethode und -gebiet seien aber auch mehrere andere Fische durchaus empfehlenswert, darunter Hering, Seelachs, Scholle oder Thunfisch. Einige beliebte Fischarten wie Makrele, Alaska-Seelachs oder Rotbarsch sollten der Umweltschutzorganisation zufolge allerdings überhaupt nicht auf den Tisch kommen.

Der Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels bezeichnete den Greenpeace-Fischratgeber 2016 als "wirklichkeitsfremd". Er ignoriere viele positive Entwicklungen, die von der Fischindustrie und zum Teil auch von Greenpeace selbst in der Vergangenheit angestoßen worden seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 20.08.2019 | 12:41 Uhr

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