Stand: 28.07.2022 18:00 Uhr

Kammermusik-Matinee: In Vielfalt geeint

Mitglieder der NDR Radiophilharmonie präsentierten in der letzten Kammermusik-Matinee der Saison eine ganz besondere Vielfalt mit Werken von Ibert, Ligeti, Haydn und Nielsen.

"In Vielfalt geeint" - das Motto der Europäischen Union hatten die fünf Musikerinnen der NDR Radiophilharmonie für diese finale Kammermusik-Matinee der Saison 2021/22 ausgewählt. Denn es traf in zweifacher Hinsicht auf das Bläserquintett-Programm an diesem Sonntagvormittag zu: Zum einen fügte die klassische Bläserquintett-Besetzung klanglich und spieltechnisch sehr unterschiedliche Instrumente zu einem Ensemble zusammen. Zum anderen waren hier Werke von Komponisten aus verschiedenen Teilen Europas zu hören.

9. Kammermusik-Matinee
So, 03.07.2022 | 11.30 Uhr
Hannover, Kleiner Sendesaal (Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22)

Leonie Bumüller Flöte
Johanna Stier Oboe
Susanne Geuer Klarinette
Anton Engelbach Fagott
Susanne Thies Horn

In Vielfalt geeint

Joseph Haydn
Divertimento B-Dur Hob. II:46
Jacques Ibert
Trois pièces brèves
György Ligeti
Sechs Bagatellen
Carl Nielsen
Bläserquintett op. 43

Französisch charmant: Iberts "Trois pièces brèves"

Der Franzose Jacques Ibert meinte: "Meine Musik ist der direkte Ausdruck meiner Gedanken. Mit gleicher Offenheit wünsche ich mir meine Zuhörer." Offenheit für die Musik wird dem Publikum bei Iberts "Trois pièces brèves" nicht schwerfallen. Hier war viel Fröhlichkeit und gute Laune herauszuhören wie auch nachdenkliche und introvertierte Momente - das Ganze hochvirtuos vorgetragen. 

Lustvoll experimentiert: Ligetis Bagatellen

Seine "Sechs Bagatellen" für Bläserquintett schrieb der ungarische Komponist György Ligeti 1953 in Budapest. Sie gingen aus seinem Klavierwerk "Musica ricercata" hervor, bei dessen Komposition sich Ligeti unter anderem gefragt hatte: "Was kann ich mit einem Ton bewerkstelligen? … Mit einem einzigen Intervall? Mit bestimmten rhythmischen Verhältnissen?" Seine musikalische Antwort darauf: Ein mitreißendes Werk, in dem geradezu die Post abgeht und fröhlich mit ungarischen Volksmusikklängen jongliert wird. Aber auch zarte, klagende Töne werden in seinen Bagatellen angeschlagen. Dass im letzten Satz die kleine Sekunde als dissonant-schräges Intervall dominiert, empfanden die damaligen ungarischen Kulturfunktionäre als "dekadent" und verboten diesen Satz. Ligeti dazu: "Totalitäre Regime mögen keine Dissonanzen."

Berühmt durch Brahms: Haydns B-Dur-Divertimento 

Berühmt geworden ist dieses Divertimento durch Johannes Brahms, der den 2. Satz des Stückes, "Chorale St. Antoni", als Thema für seine Haydn-Variationen verwendete. Was es mit diesem Choral genau auf sich hat und ob das Divertimento überhaupt vom Österreicher Haydn stammt, ist allerdings nicht eindeutig geklärt.

Exquisites aus Dänemark: Nielsens einziges Bläserquintett

Dänemark war an diesem Sonntagvormittag, dem 3. Juli 2022, mit seinem Nationalkomponisten Carl Nielsen vertreten. Sein einziges Bläserquintett entstand 1922. Es ist im Geiste der Klassik komponiert und von Nielsens Lieblingskomponisten inspiriert: Wolfgang Amadeus Mozart. Doch enthält dieses Quintett auch etliche Klangperspektiven, die Nielsen als Komponisten des 20. Jahrhunderts ausweisen. Den fünf Bläser*innen - im 3. Satz griff die Oboistin auch zum Englischhorn - gibt Nielsen Raum für ausgedehnte brillante Solopassagen.

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