Stand: 13.06.2022 18:00 Uhr

Kammermusik-Matinee: Kammerspiel

Das "Kammerspiel" - ein Schauspiel im intimeren Rahmen mit nur wenigen Protagonist*innen. Seine musikalische Entsprechung findet es vor in Form des Streichquartetts. Vier Musiker*innen musizierten und kommunizierten in diesem Matinee-Konzert intensiv mit- und gegeneinander. Dabei war die Ausdrucks- und Klangpalette von Streichquartett-Kompositionen enorm breit und vielfältig. Dies zeigte sich auch in den vier Werken aus der Klassik bis zur Moderne, die am Morgen des 12. Juni 2022 erklangen. 

8. Kammermusik-Matinee
So, 12.06.2022 | 11.30 Uhr
Hannover, Kleiner Sendesaal (Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22)

Johannes Strake Violine
Kristina Altunjan Violine
Carlos Campos Medina Viola
Carsten Jaspert Violoncello

Kammerspiel

Hugo Wolf
Italienische Serenade
György Kurtág
12 Mikroludien op. 13
Joseph Haydn
Streichquartett D-Dur op. 17 Nr. 6
Hob. III:30
Leoš Janáček
Streichquartett Nr. 1 "Kreutzersonate"

Mit italienischem Operngestus: Hugo Wolfs Serenade

Sein Leben bietet den perfekten Dramenstoff: Hugo Wolf war eine der sensibelsten Künstlerseelen des 19. Jahrhunderts. 1903 starb er in einer Wiener Nervenheilanstalt. Von seiner Italienischen Serenade stellte er 1887 nur einen Satz fertig. Dieses Rondo scheint die glücklichen Jugendjahre des Komponisten zu reflektieren, in denen der spätere Wagnerianer sich mit großer Leidenschaft in italienische Opern vertiefte. Verschiedene theatrale Szenen tun sich hier vor unseren Augen auf - Scherzhaft-Leichtes wie innige Liebesgeständnisse.

Kurz, aber wirkungsvoll: Kurtágs Mikroludien

György Ligeti bezeichnete seinen Kollegen György Kurtág der in diesem Jahr 96 Jahre alt wurde, einmal als den "bedeutendste Komponisten Ungarns" in unserer Zeit. Seine 12 Mikroludien schrieb Kurtag 1977. Diese "Minispiele" sind als charakteristische Klanggesten gestaltet, jeweils komprimiert in wenigen Takten.

Pionier in Sachen Streichquartett: Joseph Haydn

Joseph Haydn gilt als "Vater des Streichquartetts". Denn er prägte die Gattung mit seinen über 70 Quartetten maßgeblich. Er ging dabei sehr kühn und innovativ vor, wie auch sein D-Dur-Streichquartett zeigt, das in dieser Matinee zu hören war. Es entstand um 1771.

Ein Streichquartett als Psychogramm: Janáčeks "Die Kreutzersonate"

1887 schrieb Leo Tolstoi seinen Roman "Die Kreutzersonate": die Geschichte eines Ehedramas, in der die berühmte Beethoven-Violinsonate eine Schlüsselrolle spielt. Für sein Erstes Streichquartett griff Leoš Janáček 1923 diesen Romanstoff auf. Die Thematik der unglücklichen Liebe hatte der geniale tschechische Musikdramatiker zu dieser Zeit bereits mehrfach auf der Opernbühne behandelt. Mit seinem Streichquartett Nr. 1 schuf er nun ohne Worte ein erschütterndes musikalisches Psychogramm.

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