Stand: 20.06.2019 11:00 Uhr

Klaas Stok im Gespräch

Klaas Stok stellte sich vor Beginn der neuen Saison den Fragen seiner Sänger*innen (v.l.n.r.: Dávid Csizmár, Christoph Liebold, Klaas Stok, Gesine Grube).

2019/2020: Klaas Stoks zweite Saison als Chefdirigent des NDR Chores beginnt. Vorab hat er sich mit den Sänger*innen des NDR Chores über seine bisherigen musikalischen Erlebnisse ausgetauscht, über unterschiedliche Mentalitäten, die Kunst der richtigen Balance und Beethovens Geburtsort. Die Fragen stellten Gesine Grube, Gabriele-Betty Klein, Aram Mikaelyan, Christoph Liebold und Dávid Csizmár.

Christoph Liebold: Lieber Herr Stok, nun sind Sie seit einer Saison beim NDR Chor in Hamburg. Welches Erlebnis ist Ihnen im ersten Jahr in Norddeutschland am stärksten in Erinnerung geblieben?

Klaas Stok: Das war mein Antrittskonzert in der Elbphilharmonie mit der Messe h-Moll von Bach. Es war eine enorme Anspannung, aber zugleich eine so schöne Erfahrung. Man spürte, dass alle, Chor, Orchester, Solisten und ich selbst völlig dieser Musik zugetan waren. Das hat mir wirklich große Freude gemacht.

Liebold: Wo sehen Sie die stärksten Unterschiede in der Mentalität zwischen Deutschen und Holländern?

Stok: Die Deutschen achten den Wert der Kultur womöglich noch höher, respektieren und schätzen die Leistung hoch. Die Holländer haben oft kleine Probleme mit Autorität, auch das ist in Deutschland doch etwas anders. In Holland zum Beispiel duzen sich fast alle, hier ist es etwas formeller. Aber abgesehen davon ist es doch ziemlich gleich.

Gesine Grube: Sie haben bei SINGING! 2019 ja schon einen ganz starken Eindruck von der Hamburger Chorszene bekommen. Wie unterscheiden sich Ihrer Erfahrung nach die Chorszenen in Deutschland und den Niederlanden?

Mitsingkonzert

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Elbphilharmonie

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Stok: Das ist ziemlich ähnlich, in beiden Ländern gibt es viele Laienchöre auf einem guten Niveau. Aber ich denke, dass hier in der Schule noch mehr gesungen wird, in den Niederlanden ist das leider fast nicht mehr der Fall. Auch den Chor der Musikhochschule hier in Hamburg fand ich sehr gut.

Dávid Csizmár: Von Deventer nach Hamburg sind Sie ja gut vier Stunden im Auto unterwegs. Was für Musik hören Sie eigentlich dabei?

Stok: Meistens gar keine Musik, oder ich wechsle zwischen NDR Info und NDR Kultur. Die Sendungen finde ich sehr interessant. Mit viel mehr Interviews und Hintergrundgeschichten, als wir das in Holland gewöhnt sind. Man nimmt die Hörer ernst - obwohl mir eine leichtere Hand wie in Holland dann und wann auch angenehm wäre.

Csizmár: Unter uns Organisten-Kollegen gefragt: Zu Ihren Studienzeiten haben Sie bestimmt oft bis zur späten Stunde an der Orgel gesessen und geübt. Gibt es eine Orgel oder eine Kirche, zu der Sie eine spezielle Beziehung haben?

Stok: Ja, meine "eigene" Orgel in Zutphen ist mir sehr lieb. Während meines Studiums war das die Orgel, an der ich Unterricht hatte, und jetzt bin ich dort selber Organist. Es ist eine sehr schöne Kirche und eine sehr schöne Orgel mit drei Manualen und vielen originalen Registern. Vieles stammt noch aus dem 17. Jahrhundert.

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Gabriele-Betty Klein: Organistenfragen in allen Ehren, aber vielleicht kommen wir zum Chor. Herr Stok, wie wichtig ist Ihnen beim Chorklang die Homogenität?

Stok: Sehr wichtig! Um es doch noch einmal mit einer Orgel zu vergleichen: Was mir sehr viel Spaß macht, ist die richtige Klangfarbe zu finden, die zu einer Komposition passt. Wie man Register kombiniert und nach einer schönen Farbe sucht, kann man vergleichen mit der Art, wie Sänger zusammenklingen. Zwei unterschiedliche Klänge können zusammen eine ganz neue Farbe bilden. Und so sollen sich in einem Chor die verschiedenen Sänger miteinander zusammenfügen, damit eine neue Klangwelt entsteht.

Klein: Wie erreicht man das als Dirigent?

Stok: Die Sänger müssen sehr gut aufeinander hören und auch die Einstellung haben, das wirklich zusammen zu machen. Das ist nicht einfach, denn sie sind alle als Solisten ausgebildet. Da entwickelt man für alles seine eigene Farbe. In einem Chor soll man immer wieder eine Balance finden zwischen Solo-Farbe und dem Gesamtklang.

Dem Dirigenten muss sehr klar sein, was er hören will, und er muss wissen, was stimmlich möglich ist. Also richtig fordern, aber nicht überfordern. Und das Suchen nach einem schönen Chorklang soll, soweit es mich angeht, nie dem freien Musizieren im Wege stehen.