Hörspiel

Deutscher Hörspielpreis der ARD

Mittwoch, 01. Juli 2020, 20:00 bis 21:00 Uhr

Hörspiel von Helgard Haug und Thilo Guschas

„Keine Absicht - nur Tourette", schickt Christian Hempel eilig voraus. Seine Schimpftiraden und seine motorischen Ausbrüche sind nicht steuerbar. Hörspiel von Helgard Haug und Thilo Guschas.

Als Phillis vorschlägt, mit dem VW-Bus durch Deutschland zu fahren, ist ihr Vater Christian spontan begeistert. Mit seinem Tourette-Syndrom, das ihm die Kontrolle nimmt, hatte er in den letzten Jahren die Öffentlichkeit immer mehr gemieden.
Die Erfahrung hatte Christian gezeigt, dass nicht jeder verständnisvoll auf Tourette reagiert – auf die Schimpfworte und Tabubrüche, für die die Krankheit ein so feines Gespür hat. Ein Nachbar hatte gar versucht, eine Einstweilige Verfügung gegen Christian zu erwirken. Tourette hält jedem und allem den Spiegel vor: "Es ist immer ein Test, wie weit geht es, krieg ich jetzt gleich eins auf die Fresse oder begegnet mir Wohlwollen", sagt Christian. Doch Phillis und er finden beide: Wir haben lang genug gewartet. Die Zeit scheint reif für den Stresstest Deutschland. Also geht es raus aus dem heimischen Wohnzimmer, mit dem mobilen Hörspielstudio nach Berlin und dann ab ans Meer.
Für ihr Stück "Chinchilla Arschloch, waswas" wurden Helgard Haug und Thilo Guschas mit dem Deutschen Hörspielpreis der ARD 2019 ausgezeichnet.

Die vollständige Jurybegründung im Wortlaut:
"Der Protagonist in diesem Werk lässt sich durch viele Attribute beschreiben: Er hat Lebenslust und Humor, er ist kreativ und mutig, er liebt seine Familie. Er tickt genauso wie viele andere. Ihm dabei zuzuhören, wie er sich die Welt, die Gemeinschaft erschließt, wie er seinen Platz einfordert, ist ein großer Spaß. Und baut eine Brücke zu allen Menschen, deren Besonderheiten nicht der Norm entsprechen, einer Norm, die längst abgeschafft gehört. Daneben zeigt das klug und vertrauensvoll konstruierte Hörspiel, dass es auch einen ganz anderen Umgang mit Schimpfwörtern gibt. Und tritt der bedrohlichen Zunahme von virtuellen und analogen Hassattacken damit im wahrsten Wortsinn in den Arsch."

Mit Christian Hempel, Phillis Hempel und Bijan Kaffenberger
Komposition: Frank Böhle
Technische Realisation: Benedikt Bitzenhofer und Barbara Göbel
Regie: Helgard Haug
Produktion: WDR 2018

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