Stand: 12.10.2018 15:31 Uhr

Muslimisches auf der Buchmesse

von Jan Ehlert

Mehr als 7.000 Aussteller aus 100 Ländern, Hunderttausende Besucher: Auf der Frankfurter Buchmesse trifft sich in diesen Tagen die Welt der Literatur. Welche Rolle spielen islamische Verlage dabei? Und welche Themen beschäftigen muslimische Autorinnen und Autoren in Deutschland?

Mittendrin, statt nur dabei: In der Halle 3, einer der zentralen Ausstellungshallen, präsentiert sich der Verlag "Der Islam" auf der Frankfurter Buchmesse. Ein offener, heller Stand mit zwei Tischen, Stühlen und eingeschweißtem Gebäck. Und, natürlich, mit Büchern.

Verlag "Der Islam" - seit 40 Jahren auf der Buchmesse

"Wir haben zum Beispiel Bücher über Mystik, über Religionswissenschaften, wir haben die Koran-Exegese, wir haben natürlich auch den Heiligen Koran in verschiedenen Sprachen", sagt der islamische Theologe Ihyandin Ahmed. "Grundsätzlich sind es Themen, die sich mit dem Islam befassen. Denn wenn jemand zum Beispiel zu uns kommt und gar keine Ahnung hat vom Islam, dann haben wir auch Bücher zur Hand, die ihn in die Thematik einleiten und ihn die wichtigen Informationen geben."

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Das erfolgreichste Buch aber bleibt der Koran. Seit 1954 gibt die Ahmaddiya Muslim Jamaat Deutschland, die hinter dem Verlag steht, ihn in einer eigenen Übersetzung heraus. Auf der Buchmesse sind sie bereits seit 40 Jahren - und in ihrer Halle der einzige islamische Verlag. Dennoch fühlen sich dort sehr wohl, sagt Ahmed: "Ich denke, dass gerade diese Unterschiede die Gesellschaft auch bunter machen, dass man an einem Tisch sitzen kann und miteinander redet. Das ist wunderschön und muss auch weiter ansteckend sein, dass die Gesellschaft sich dahin weiter entwickelt."

Integration - ein häufiges Thema

Wie sich die Gesellschaft weiterentwickeln kann - mit dieser Frage beschäftigen sich auch viele Neuerscheinungen von muslimischen Autorinnen und Autoren. Eine wichtige Rolle spielt dabei in vielen von ihnen die Frage der Integration. So kritisiert der Psychologe Ahmad Mansour in seinem Buch "Klartext zur Integration", dass Staat und Gesellschaft bislang ziemlich planlos vor den Herausforderungen der Integration stünden. Er warnt vor falscher Toleranz genauso wie vor Panikmache.

Der Politikwissenschaftler Aladin El-Mafaalani stellt in seinem Buch "Das Integrationsparadox" dagegen die These auf, dass gerade gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Doch diese Auseinandersetzung sei wichtig: "Die offene Gesellschaft ermöglicht die Diskussion. Aber sie allein gibt noch keinen Sinn, kein Ziel und auch keinen Kompass vor. Sie ist die Arena, nicht das Spiel. In ihr kann über die Vergangenheit, die Gegenwart und ganz besonders intensiv über die Zukunft gestritten werden. Dabei sollte die Leitidee sein: Lieber mit etwas Neuem scheitern, als die schreckliche Vergangenheit zu wiederholen. Denn: Alles ist heute besser als früher, außer einem: die Zukunft. Und an der Zukunft kann man jetzt noch was ändern."

Auf "Muslim Girls" folgt "Muslim Men"

Etwas ändern möchte auch die muslimische Feministin Sineb El Masrar, vor allem in der muslimischen Community. "Weil ganz viele Frauen muslimischen Glaubens, aber auch viele Männer über viele Dinge sprechen möchten, eigentlich aber sich nicht so recht trauen und es ist höchste Zeit, dass vor allem in der vierten Generation jetzt einige Tabus angestoßen und aufgebrochen werden", sagt sie. Mit ihrem Buch "Muslim Girls" hat Sineb El Masrar 2010 bereits über Frauenbilder im Islam geschrieben. Auf der Buchmesse präsentierte sie nun die Fortsetzung: "Muslim Men". El Masrar erzählt darin von muslimischen deutschen Polizisten und muslimischen Transsexuellen, aber auch von frauenfeindlichen Vorstellungen innerhalb bestimmter muslimischer Gruppen.

So vielfältig wie diese Männerrollen sind auch die Themen der weiteren neuen Büchern von deutschen muslimischen Autorinnen und Autoren, die selbstverständlich in fast allen großen deutschen Verlagen veröffentlichen. Denn auf dem Buchmarkt, das zeigt der Blick über die Messe, gehört der Islam schon längst zu Deutschland dazu.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 12.10.2018 | 15:20 Uhr