Stand: 08.12.2015 10:36 Uhr  | Archiv

Wachdienst hat zu wenig bezahlt

Mitarbeiter eines Wachdienstes wehren sich gegen die medizinische Verantwortung in Flüchtlingsunterkünften.
In Schleswig Holstein beläuft sich der Landesmindestlohn auf 9 ,18 Euro. Mitarbeiter eines Wachdienstes haben jedoch nur 8,50 Euro verdient.

Hat die Firma Secura Protect Nord Mitarbeitern in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig Holstein zu wenig Lohn gezahlt, oder nicht? Darüber hatten wir im September berichtet.

Mitarbeiter, die in Bootstedt und Seeth gearbeitet haben, berichteten uns, dass sie laut Arbeitsvertrag nur 8,50 Euro die Stunde brutto verdienen. Die Arbeitsverträge lagen Panorama 3 vor. Allerdings schreibt das Land Schleswig Holstein einen Landesmindestlohn von 9 ,18 Euro vor.

Secura Protec will Zahlungen anpassen

Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler bestätigte, dass der Landesmindestlohn verbindlich sei für öffentliche Auftragnehmer in Schleswig Holstein. Auf Nachfrage von Panorama 3 antwortete die Firma Secura Protect, sie zahlten nach dem Vergabegesetz.

Nach unserer Berichterstattung kündigte das Land eine Überprüfung des Sachverhaltes an. Die Prüfung bestätigt unsere Recherchen. So heißt es, die Firma habe zeitweise einzelnen Mitarbeitern in der Landesunterkunft Boostedt weniger als 9,18 Euro - den gültigen Landesmindestlohn - gezahlt. Die Firma sei aber bereit, die die Zahlung anzupassen.

Vertragsstrafe statt Auftragssperre

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Wenn ein Auftragnehmer Beschäftigten nicht den geltenden Mindestlohn zahlt, drohen Konsequenzen. Denkbar wären eine Auftragssperre, Auflösung oder fristlose Kündigung des Dienstleistungsvertrages oder der Eintrag in das Register zum Schutz fairen Wettbewerbs. Nach Informationen von Panorama 3 muss die Sicherheitsfirma Secura protect Nord lediglich eine Vertragsstrafe an das Land zahlen. Die Firma habe Mitarbeiten in Boostedt und Seeth nicht die vorgeschriebenen 9,18 Euro gezahlt. Als Strafe muss die Firma nun ein Prozent des Netto Auftragswertes an das Land abführen, darf aber weiter tätig sein.

Einige Mitarbeiter, die zuvor bei der Sicherheitsfirma angestellt und dort unter Mindestlohn bezahlt wurden, sind inzwischen bei anderen Sicherheitsfirmen angestellt. Gegenüber Panorama 3 berichten sie, sie dass sie ebenfalls Flüchtlinge betreuen, allerdings würden sie weit über Tarif bezahlt, bekämen Weiterbildungsangebote und hätten verlässliche Arbeitszeiten.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 08.09.2015 | 21:15 Uhr

Eine Nahaufnahme von CS-Spray. Ein Screenshot aus dem Schleswig-Holstein Magazin vom 24.1.2016. © NDR Foto: Screenshot: Schleswig-Holstein Magazin vom 24.1.2016.

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