Studie in Büsum: Fischfutter aus Algen und Muschelmehl

Stand: 28.08.2022 16:17 Uhr

Seit 2020 betreibt das Fraunhofer Institut in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel sowie der Plattform Coastal Research & Management (CRM) eine Studie, die das ungenutzte Potential von Muscheln und Algen nutzen will, finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. 

Wir müssen Kunststoffüberschuhe tragen und die Hände desinfizieren als wir die Halle betreten, in der die Becken mit den Fischen aufgestellt sind. Hier sollen keine Keime oder Krankheitserreger rein. Überall rauscht das Wasser und die Luft ist feucht. Teilweise sind die Tiere in Glasbecken. Doch wir steuern sechs hüfthohe schwarze Kunststoffbehälter an - 1,50 Meter im Durchmesser, über deren Öffnung ein Netz gespannt ist. Wir sind unterwegs mit Thilo Kock, Doktorand an der Uni-Kiel. Er forscht hier in Büsum daran, Abfälle zu verwerten. Das Wort Abfälle hört er aber nicht gern. Für ihn sind das wertvolle Rohstoffe.

Herkömmliches Fischfutter wurde verändert

Kaum wirft Thilo Kock eine Handvoll des dunkelgrünen Granulats in das Becken, beginnt das Wasser zu brodeln. Ein Dutzend Regenbogenforellen schnappen sich die Happen und lassen es dabei spritzen. Was diese Fische bekommen ist kein herkömmliches Futter. Thilo und sein Team, das im Kern aus sechs Kolleginnen und Kollegen besteht, verändern das herkömmliche Fischfutter. Sie ersetzen das Fischmehl durch Muschelmehl, hergestellt aus Muschelbruch. "Wir nutzen Muscheln, Miesmuscheln aus der Ostsee, die momentan noch als Abfallprodukt enden. Heißt, die sind entweder zu klein oder zu groß für den Human-Verzehr. Oder es sind tatsächlich welche, die an Sockeln von Offshore Windparks ansiedeln, die dort alle paar Jahre abgeerntet werden müssen und bisher noch nicht genutzt werden.", sagt Kock.

Ein Mann gibt Futter in ein Fischbecken. © NDR Foto: Kevin Laske
Thilo Kock füttert die Regenbogenforellen mit Futter aus Muschelmehl und Algenpulver.

Die zweite Zutat, mit der das Fischfutter angereichert wird, ist Algenpulver. Ein Kieler Unternehmen nutzt Zuckertang, eine Braunalgen-Art, um bestimmte Inhaltsstoffe für ihre Pflegeprodukte zu gewinnen. Doch ein großer Teil der Alge bleibt ungenutzt. Dabei stecken die Überreste voller wertvoller Nährstoffe, die bei Fischen unter anderem entzündungshemmend wirken. 

Tiere werden regelmäßig kontrolliert

Den Regenbogenforellen im Büsumer Aufzuchtbecken scheint es zu schmecken. Im Nullkommanix haben sie die Pallets verschlungen. Ob ihnen das Futter auch bekommt, überprüft Thilo im Labor. Dazu legt er eine Probe unter ein Mikroskop – auf dem gläsernen Objektträger, ein winziger Teil eines Fischdarms.  "Was wir hier gerade sehen, ist tatsächlich ein entzündetes Darmlumen. Das lässt auf Entzündungsprozesse schließen. Das ist auch tatsächlich das was wir erwartet haben, denn das war eine Diät mit hohem Sojamehl-Anteil.", sagt der Forscher. Pflanzliches Eiweiß können die Regenbogenforellen nicht gut verdauen. Kock hofft, dass bei der nächsten Probe - dann von den Forellen, die mit Algen gefüttert wurden - diese entzündlichen Prozesse vermindert wurden oder zurückgegangen sind.

Die Studie in Büsum läuft noch ein Jahr. Das ganze Potential der Algen-Reststoffe ist noch nicht voll ausgeschöpft, doch Thilo Kock ist sich sicher, dass er den Fischmehlanteil im Futter zu 100% durch Muschelmehl ersetzen kann. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 28.08.2022 | 19:30 Uhr

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