Stand: 02.07.2019 22:09 Uhr

Sea-Watch-Kapitänin ist wieder auf freiem Fuß

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola Rackete, ist wieder frei. Ein italienischer Ermittlungsrichter hob den Hausarrest gegen die 31-Jährige wieder auf, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte, Rackete solle wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit des Landes verwiesen werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihr Widerstand gegen ein Militärschiff und Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Der in Preetz (Kreis Plön) geborenen Kapitänin drohten bis zu zehn Jahre Haft. Rackete war mit dem Rettungsschiff "Sea-Watch 3" unerlaubt in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa eingefahren und soll dabei ein Polizeischiff angestoßen haben.

Italienisches Gericht vertagte Entscheidung

Am Montagnachmittag war sie bereits einer Ermittlungsrichterin vorgeführt worden. Die Anhörung dauerte mehr als drei Stunden. Ihr Anwalt Alessandro Gamberini verteidigte Racketes Handeln. Die Lage an Bord habe sich "allmählich verschlechtert". Wegen des langen Wartens "drohte die Situation außer Kontrolle zu geraten". Die "Sea-Watch 3" hatte am 12. Juni in internationalen Gewässern 53 Menschen gerettet. Sie befanden sich in einem seeuntauglichen Schlauchboot etwa 47 Seemeilen von der Küste Libyens entfernt. 13 von ihnen waren zwischenzeitlich an Land gebracht worden. Die restlichen 40 harrten bis vergangenen Sonnabend auf dem Schiff aus.

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Der Staatsanwalt Luigi Patronaggio wies die Argumentation zurück. Die Menschen an Bord der "Sea-Watch 3" hätten ärztliche Hilfe erhalten. Zudem habe die Besatzung in ständigem Kontakt mit allen Behörden gestanden und jede Form von Unterstützung erhalten. Die italienische Staatsanwaltschaft forderte ein Aufenthaltsverbot für die bei Kiel geborene Rackete.

"Sea-Watch 3" weiter beschlagnahmt

Die "Sea-Watch 3" wurde nach Angaben der Organisation beschlagnahmt und sollte am Dienstag von Lampedusa nach Licata gebracht werden. Ein Teil der 22-köpfigen Crew, die mit Rackete mehr als zwei Wochen auf dem Schiff war, ist daher weiterhin an Bord, wie "Sea-Watch"-Sprecher Ruben Neugebauer erläuterte. Die anderen Crewmitglieder seien teilweise auf dem Weg nach Hause. Neugebauer sagte, man gehe davon aus, dass das Schiff zurückgegeben werden müsse. Wann das der Fall sein könnte, konnte er allerdings nicht sagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.07.2019 | 12:00 Uhr

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