Neue Ausgrabungen: Die Vororte von Haithabu

Stand: 17.05.2022 19:28 Uhr

In Norderbrarup haben Archäologen Spuren einer wikingerzeitlichen Siedlung entdeckt. Bei Brebel entdeckten sie zudem vier noch ältere Langhäuser.

von Peer-Axel Kroeske

Bauprojekte rund um Süderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) haben für Archäologen einen besonderen Reiz. Das Thorsberger Moor im Ort gilt als archäologischer Hotspot der Region. Hier versenkte vermutlich ein germanischer Stamm im dritten und vierten Jahrhundert etliche Waffen als Opfergabe. Schon in den 1850er Jahren starteten die Ausgrabungen.

Jetzt ist in Norderbrarup ein Neubaugebiet geplant, im Ortsteil Brebel ein großes Gewerbegebiet. Wie üblich dürfen Archäologen die Flächen auf Kosten der späteren Bauherren vorher untersuchen. In Brebel erstreckt sich der Bereich über mehrere Felder.

Eine Drohne sucht den grünen Weizen

In solchen Feldern untersuchen die Archäologen meist im Zehn-Meter-Abstand die Bodenprofile, bei denen sie mit etwas Glück auf verdächtige Strukturen stoßen. In Brebel half zusätzlich eine Drohne, deren Kamera das Weizenfeld aufnahm. "Wenn dort drunter eine alte Grube ist, dann ist dort etwas mehr Wasser zur Verfügung. Und dann wächst das Getreide an der Stelle ein ganz kleines bisschen höher und ein ganz kleines bisschen länger," erklärt Grabungsleiter Rolf Schulze. "Und dann sieht man Stellen, wo man dunkleres Grün in schon fast gelbem Hellgrün hat."

Dunkle Erde, wo vor 1.600 Jahren ein Pfosten stand

Bagger legen nun ein Feld in Brebel frei. Die oberen 50 Zentimeter sind abgetragen. Wenn sich dann im Sand dunkle Bereiche abzeichnen, wird Schulze aufmerksam: "Wenn eine Grube hinterher verfüllt wird oder wenn der Pfosten aus der Erde gezogen wird, weil das Haus abgerissen wird, fällt dunklere Erde von oben rein. Und dann bleibt das dunkel - auch über viele Jahrhunderte und Jahrtausende."

Kochsteine aus der Eisen- oder Bronzezeit

Die Standorte von vier Langhäusern in Brebel dokumentierte das Team nun genau. Das Holz selbst ist kaum noch auszumachen. Ein Haus ist damals aber offenbar abgebrannt. Die Radioaktivität in den Kohleresten verrät das Alter. Es stammte aus dem vierten oder fünften Jahrhundert. Ein Stück weiter findet sich ein Steinhaufen einer Feuerstelle, die noch älter sein könnte. Die sogenannten Kochsteine wurden im Feuer erhitzt und brachten dann Wasser in einer Grube zum Kochen. Die Überreste könnten bis zu 3.000 Jahre alt sein, schätzt Schulze. Ob es einen Zusammenhang mit den Häusern gibt, ist noch nicht klar.

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Aus der Wikingerzeit im zehnten und elften Jahrhundert stammen die Funde in Norderbrarup. Hier haben die Archäologen bereits die Profile von mindestens neun so genannten Grubenhäusern entdeckt. Die Bauten waren in die Erde eingelassen und dienten als Werkstätten, unter anderem für die Wollverarbeitung. Hier füllt sich für Stefanie Klooß vom Archäologischen Landesamt eine Lücke in der Chronologie: "Wir haben aus den Grubenhäusern auf jeden Fall Belege für Handel, für Handwerk, herausragende Metallfunde, und wir sind zeitgleich mit dem großen Handelsplatz Haithabu. Das heißt: Das ist hier die Siedlungsstruktur, die man in Angeln und auch an vielen anderen Orten erwarten muss, von der wir aber bisher noch gar keine Belege durch Ausgrabungen haben." Bisher waren nur wikingerzeitliche Siedlungen aus dem Umfeld Haithabus in Schuby und in Kosel auf Schwansen bekannt.

Der bunte Vogel von Norderbrarup

Der Star unter den Norderbraruper Fundstücken ist eine Brosche mit noch erhaltenem bunten Vogelmotiv. Außerdem lagen Metallhaken, eine Gewandnadel und Keramikscherben in der Erde zwischen den Grubenhäusern. All das stammt aus der Zeit kurz bevor zahlreiche Kirchen in der Region gebaut wurden, Steinbauten zahlreicher wurden und die Christianisierung voranschritt. Auch die Norderbraruper Kirche ist um das Jahr 1200 entstanden.

In Norderbrarup sollen die Ausgrabungen bereits Anfang Juni beendet sein. In Brebel hat das Team noch etwas länger Zeit, voraussichtlich bis ins kommende Jahr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.05.2022 | 14:00 Uhr

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