Das Heizkraftwerk Wedel. © picture alliance/dpa Foto: Eckart Gienke

Kraftwerk Wedel: Gericht weist Klagen zu Auto-Lackschäden ab

Stand: 12.05.2021 20:06 Uhr

Seit Jahren streiten sich in Wedel Anwohner und die Betreiber des Kohlekraftwerks. Es geht um Partikelemissionen, die mutmaßlich Schäden anrichten. Das Verwaltungsgericht in Schleswig wies am Mittwoch die Klagen ab.

Zum ersten Mal beschäftigte sich nun auch das Verwaltungsgericht mit dem Fall. Es sollte klären, ob der Betreiber des Kraftwerks den Partikelregen stoppen muss oder nicht. Im Wedeler Wohngebiet gehen in unregelmäßigen Abständen Partikel nieder, die auch aus dem Schornstein des Kraftwerks stammen könnten, teilte das Gericht mit. Die Kläger sprechen nicht nur von Materialschäden, sondern auch von gesundheitlichen Schäden. Nach einer über fünfstündigen mündlichen Verhandlung wie das Gericht die Klagen jedoch ab.

Nicht mehr als Alltagsverschmutzung

Um zu diesem Urteil zu kommen, hatten die Richter über 100 Gutachten analysiert, die sowohl Anwohner als auch die Gegenseite in den vergangenen Jahren zu den Partikeln in Auftrag gegeben hatten. Daraus ginge hervor, dass keine schädlichen Umwelteinwirkungen für die Gesundheit oder die Sachgüter der Anwohner zu erwarten seien. Weiter sagte das Gericht, die Verschmutzung durch die Partikel gehe nur geringfügig über Alltagsverschmutzungen hinaus. Es sei deshalb nicht als erhebliche Belästigung oder Nachteil anzusehen.

Aufsichtsbehörde ist anderer Ansicht

Die klagenden Anwohner verlangten vom Betreiber des Kraftwerks, Hamburg Wärme, den Betrieb zu untersagen beziehungsweise eine Anordnung zu veranlassen. Diese sollte sicherstellen, dass im Wohngebiet keine Partikel mehr niedergehen. Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, ist anderer Auffassung und sagt, dass die Partikel nicht schädigend seien.

Ein Gutachter schaut sich Lackschäden an einem Auto an. © NDR
AUDIO: Prozess um Partikelregen: Interview mit der Bürgerinitiave (3 Min)

Der Rechtsstreit läuft bereits seit Jahren. Im Jahr 2012 gründeten Wedeler Bürger eine Bürgerinitiative. Im Laufe der Zeit hat die Initiative 18 Gutachten in Auftrag gegeben. Laut Kerstin Lückow von der Bürgerinitiative belaufen sich die Kosten dafür mittlerweile auf 270.000 Euro. Die Initiative ist auch auf Spenden angewiesen.

Bürgerinitiative nimmt beschädigte Autos mit zum Gericht

Lückow zeigte sich noch vor Prozessbeginn sehr optimistisch. "Wir werden auch Autos mitnehmen zum Ansehen. Die sind ja zum Teil total säure-zerlöchert. Ich glaube, das möchte niemand haben - auch der Richter nicht." Die Löcher hätten eine Größe von ein bis drei Millimetern. Die Betreiber behaupten Lückow zufolge unter anderem, die Schäden könnten auch von Vögeln kommen. "Das ist hier ein Schildbürgerstreich", meinte die Sprecherin der Bürgerinitiative.

Die Enttäuschung nach dem Urteil auf Seiten der Anwohner ist groß. Damit haben sie vor der Verhandlung im Traum nicht gerechnet, erklärte eine von ihnen. Die Kläger wollen nun darüber beraten, ob sie Berufung einlegen. Das Landesamt und die Wärme Hamburg als Betreiber wollten sich gegenüber NDR Schleswig-Holstein nicht äußern.

Weitere Informationen
Das Kraftwerk Wedel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.05.2021 | 19:00 Uhr

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