Gummistiefel stehen auf einem Regal in einem Kindergarten. © picture alliance / epd-bild Foto: Heike Lyding
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AUDIO: Land öffnet Kitas für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger (1 Min)

Kitas in SH: Sozialministerin Touré will Quereinstieg erleichtern

Stand: 19.09.2023 14:58 Uhr

Um Personalmangel zu reduzieren, sollen Quereinsteiger in Kitas arbeiten können. Außerdem soll Fachkräften aus dem Ausland der Zugang erleichtert werden. Verbände und Gewerkschaften sind skeptisch.

In Schleswig-Holsteins Kitas können künftig auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger unter bestimmten Voraussetzungen als sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten arbeiten. Das hat Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) am Montag mitgeteilt. So sollen Personalsituation und Qualität in der Kinderbetreuung verbessert werden. Diesen Schritt hatte Touré bereits im Oktober des vergangenen Jahres angekündigt. Jetzt wird es konkret.

Angeschlossene Ausbildung und Erfahrung im Bildungsbereich

Für den beruflichen Quereinstieg als sogenannte sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten benötigen Interessierte eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss. Außerdem müssen sie mindestens zwei Jahre praktische Erfahrung in bestimmten Bildungsbereichen nachweisen, das kann beruflich oder auch ehrenamtlich sein, zum Beispiel im Sportverein. Auch Personen, die bereits als sogenannte "Helfende Hände", also für nicht-pädagogische Aufgaben in einer Kita gearbeitet haben, können diese Erfahrung für den Quereinstieg nutzen.

Pädagogische Zusatzqualifikation bleibt Pflicht

Die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger müssen dann trotzdem noch eine pädagogische Qualifizierung von 480 Stunden und ein Praktikum in einer Kita von mindestens 500 Stunden absolvieren. "Unsere Zugangsvoraussetzungen stellen sicher, dass die Qualität in der Betreuung dabei gewahrt werden kann", sagte Ministerin Touré. Letztlich können die Kita-Träger selbst entscheiden, wen sie beschäftigen.

Neben dem erleichterten Quereinstieg soll die Personalsituation in Kitas auch dadurch verbessert werden, dass sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten künftig auch Gruppen leiten dürfen und bessere Aufstiegsmöglichkeiten bekommen. Auch das hatte Touré bereits im vergangenen Jahr angekündigt. Außerdem sollen Berufsabschlüsse aus dem Ausland leicht anerkannt werden.

Verbände und Gewerkschaften skeptisch

Letzteres lobt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Gleichzeitig kritisiert die Gewerkschaft jedoch, dass auf den Personalmangel in den Kitas nicht mit einer Absenkung der benötigten Qualifikationen reagiert werden sollte. Das sagt auch der Verband evangelischer Kindertageseinrichtungen (VEK) in Schleswig-Holstein. Dennoch begrüßt der Verband die Maßnahmen als einen Baustein im Kampf gegen Fachkräftemangel - langfristig würden sie jedoch nicht ausreichen. Deshalb müsse weiterhin zum Beispiel die Ausbildungsvergütung verbessert werden.

Quereinstieg ersetze keine pädagogische Ausbildung

Außerdem fordert der VEK mehr Ressourcen in den Einrichtungen, um Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger zu betreuen, und eine wissenschaftliche Begleitung. Auch die Arbeiterwohlfahrt hatte sich im vergangenen Jahr kritisch zu Teilen der Pläne geäußert und sich um die Qualität gesorgt. Menschen, die einen kurzen Lehrgang zum Thema Pädagogik machen, könnten demnach keinen Erzieher und keine Erzieherin - und auch keine Sozialpädagogische Assistenz - ersetzen.

Eine ähnliche Meinung vertritt auch der DRK-Landesverband Schleswig-Holstein und bezeichnete die geplanten Maßnahmen als unzureichend. Quereinsteigerinnen und -einsteiger seien ein guter erster Schritt, sie sollten jedoch die Möglichkeit haben, langfristig tatsächlich eine pädagogische Fachkraft zu werden. Die aktuellen Pläne seien weniger eine Verbesserung als vielmehr eine Umverteilung von Ressourcen, sagt Vorstandssprecherin Anette Langner. Die Probleme in der pädagogischen Betreuung werde man so "auf keinen Fall bewältigen können". Laut dem DRK-Landesverband wäre dagegen eine Erhöhung der Ausfallzeiten, zum Beispiel für Urlaub oder Weiterbildungen, ein entscheidender Schritt zur Entlastung des Personals.

Die SPD-Fraktion hält die Maßnahmen für nicht ausreichend und findet: Es hätte viel früher etwas gegen den Personalmangel getan werden müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.09.2023 | 07:00 Uhr

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