Stand: 18.06.2019 21:00 Uhr

Kieler Forscher wollen Neurodermitis heilen

Neurodermitis ist nicht nur eine sehr quälende Hauterkrankung, sondern auch eine sehr häufige: Ungefähr jedes fünfte Kind hat schon einmal Neurodermitis gehabt. Bei den Erwachsenen sind bis zu drei Prozent betroffen. Die Ursachen sind nicht zweifelsfrei geklärt und es gibt keine zuverlässig wirksame Therapie. Das soll sich jetzt ändern. Das europäische Forschungsprojekt Biomap unter Leitung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) will eine wirksame Therapie mit Antikörpern entwickeln. 

Haut mit Neurodermitis

EU-Forschungsprojekt zu Neurodermitis

Schleswig-Holstein Magazin -

Unter der Leitung von Kieler Wissenschaftlern soll eine europaweite Studie mit 50.000 Teilnehmern helfen, die Hautkrankheit Neurodermitis schonender behandeln zu können.

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Professor: Fünf bis zehn Unterformen

Die neue Studie basiert auf der Annahme, dass es verschiedene Formen von Neurodermitis gibt. So sagt deren Leiter, Professor Stephan Weidinger vom UKSH: "Das Problem in der Therapie ist vor allem, dass Neurodermitis bisher nur als ein Krankheitsbild verstanden wurde. Vom Gefühl her würde ich aber sagen, dass es fünf bis zehn Unterformen gibt. Wenn es uns gelingt, zumindest einige davon klar abzugrenzen und zu verstehen, wodurch sie angetrieben werden, dann wäre das ein riesiger Fortschritt und würde uns helfen, die Behandlung massiv zu verbessern."

Das Ziel der neuen Studie ist es, für diese Unterformen dann gezielt Antikörper-Therapien in Spritzenform zu entwickeln. Sie sollen Botenstoffe im Immunsystem blockieren, die die Entzündungen der Haut fördern. "Die Antikörper richten sich etwa gegen ganz bestimmte Botenstoffe, von denen man weiß, dass sie bei bestimmten Krankheiten zu viel gebildet werden. Die werden dann durch die Antikörper abgefangen und neutralisiert", sagt Professor Weidinger. In der Rheuma-Therapie und gegen Schuppenflechte werden Antikörper schon länger eingesetzt. 

50.000 Probanden in ganz Europa

Um Neurodermitis-Untergruppen zu bilden, für die dann die entsprechenden Antikörpern entwickelt werden sollen, untersuchen die Forscher in ganz Europa 50.000 Probanden. Sie geben Blutproben, Hautabstriche und Gewebeproben ab. Die Forscher gucken, ob bestimmte Eiweißstoffe im Blut gehäuft auftreten und ob es typische Bakterienstämme auf der Haut gibt. So können Untergruppen der Erkrankung gebildet werden. Später könnte dann eine einfache Blutuntersuchung reichen, um das richtige Medikament zu finden.

Laut Weidinger haben die Medikamente, die aktuell in Kiel entwickelt werden, sehr wenige Nebenwirkungen. Dies sei wichtig, weil viele Kinder und Jugendliche betroffen sind. Bisher wird Neurodermitis vor allem mit Cortisoncremes bekämpft, die viele Nebenwirkungen haben. Sie helfen bei einem akuten Schub, zerstören aber das Bindegewebe. In fünf Jahren soll es laut NDR Schleswig-Holstein dann für die ersten drei bis vier Untergruppen das optimale Antikörpermedikament geben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.06.2019 | 19:30 Uhr

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