Fachkräftemangel: Lokführer für SH dringend gesucht

Stand: 02.11.2022 11:48 Uhr

Der Fachkräftemangel zieht sich durch alle Branchen, so auch bei der Bahn. Allein in Schleswig-Holstein sind 55 offene Lokführer-Stellen zu besetzen. Es gibt nicht genug Bewerber.

von Jonas Salto

Herrscherin oder Herrscher über 1.000 PS sein, Menschen oder Güter von A nach B transportieren - der Lokführer-Beruf ist vielseitig. Mittlerweile ist das aber offenbar kein Traumjob mehr. Die Gründe dafür sieht Yves Weis, selbst Lokführer und Ausbilder bei Edith in Heide (Kreis Dithmarschen), in den Arbeitszeiten.

"Lokführer sein heißt: 24 Stunden am Tag fahren die Züge. Die Züge müssen gefahren werden. Weihnachten, Feiertage, Geburtstage", sagt Weis. "Viele Menschen sind auf einem Level angekommen, wo sie sagen: Mir sind mein Privatleben und meine Planungsmöglichkeiten wichtig."

Fachkräftemangel bei Lokführern könnte schlimmer werden

Die Zahl der offenen Lokführer-Stellen ist im Vergleich zum Vorjahr laut Agentur für Arbeit deutlich angestiegen. 2021 waren demnach neun Stellen unbesetzt, dieses Jahr sind es 55 offene Stellen. In den kommenden Jahren rechnen die Experten mit einem weiteren Anstieg, denn viele Lokführer gehen bald in Rente. Außerdem wird im Zuge der Energiewende das Schienennetz weiter ausgebaut.

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Job-Garantie nach Ausbildung

Wer sich jetzt zum Lokführer ausbilden lässt, hat laut Arbeitsagentur im Anschluss daran eine nahezu 100-prozentige Job-Garantie. Egal ob man nun im Regional- oder Fernverkehr oder im Personen- oder Güterverkehr fahren möchte - überall ist Bedarf. Selbst wenn ein Eisenbahnunternehmen eine Strecke in einer Ausschreibung verliert und ein anderes übernimmt, werden die Lokführer übernommen. Dabei dürfen sie zu keinen schlechteren Konditionen angestellt werden.

Viele Menschen als Quereinsteiger geeignet

Die Agentur für Arbeit in Heide berät auch Menschen, die bereits einem Job nachgehen und sich eventuell verändern möchten. Zusammen mit dem Ausbildungsbetrieb für Lokführer sucht die Arbeitsagentur Quereinsteiger. Dazu eignen sich viele Menschen, sagt Yves Weis: "Grundsätzlich braucht ein Lokführer einen Schulabschluss oder Berufsabschluss. Er muss psychisch und körperlich geeignet sein. Da haben wir Bahnärzte und Psychologen, die die Prüfung machen."

Gerne gesehen sind laut Agentur für Arbeit auch Menschen aus Mechaniker-Berufen, aber das sei kein Muss. Auch Rettungssanitäter und Büroangestellte hätten sich bereits für die Weiterbildung zum Lokführer gemeldet. Bei den Eignungstest fallen laut dem Ausbilder so gut wie keine Kandidaten durch. Auch die Abschlussprüfungen schaffen nahezu alle Bewerber. Es gibt laut Weis mal Einzelschicksale, die aus privaten Gründen die Weiterbildung abbrechen müssen.

3.300 Euro brutto Einstiegsgehalt

Wer sich zum Lokführer ausbilden lassen möchte, muss für einen Fernlehrgang bei Edith 6.500 Euro zahlen. Der eigenverantwortliche Online-Kurs kann jederzeit begonnen werden. Er dauert zwischen sechs und 20 Monate. Um den Kurs bezahlen zu können, gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten: von Aufstiegs-BAföG bis hin zum Weiterbildungsbonus.

Es gibt auch die Möglichkeit, eine von der IHK anerkannte Ausbildung zum Lokführer zu absolvieren. Sie dauert drei Jahre und muss von den Absolventen nicht bezahlt werden. Wer quer einsteigt und die Ausbildung bei Unternehmen wie Edith macht, ist schneller fertig.

Lokführer verdienen laut Agentur für Arbeit zu Beginn ihrer Laufbahn durchschnittlich 3.300 Euro brutto. Dazu kommen noch Nacht- und Feiertagszuschläge.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.11.2022 | 19:30 Uhr

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