Stand: 23.05.2019 17:12 Uhr

E-Roller: Experten sehen Chancen und Probleme

von Julian Marxen

Torben Jöns vom Bundesverband Elektromobilität (BEM) und Thomas Möller vom Fahrrad-Club ADFC haben unterschiedliche Meinungen zum E-Roller auf unseren Straßen.

Die E-Tretroller oder E-Scooter kommen auch nach Schleswig-Holstein. Nachdem Bundesrat und die Bundesregierung der Verordnung von Verkehrsminister Scheuer zugestimmt haben, sollen die Elektro-Scooter ab Mitte Juni offiziell auf unsere Straßen und Radwege dürfen. Doch welche Chancen und Gefahren birgt der neue Roller für den Verkehr in Schleswig-Holstein?

NDR Schleswig-Holstein hat Thomas Möller, Landesvorsitzender im Fahrrad-Club ADFC und Torben Jöns vom Bundesverband Elektromobilität (BEM) getrennt voneinander die selben Fragen zum Thema gestellt.

Drei Personen stehen an jeweils drei Fortbewegungsmitteln: von links nach rechts sind dies: Auto, Fahrrad, E-Roller.

Wettrennen: E-Roller gegen Auto gegen Rad

Schleswig-Holstein Magazin -

Der Bundesrat hat den Weg für die Zulassung von Elektro-Tretrollern in Deutschland geebnet. Drei NDR Reporter haben ein Rennen gewagt zwischen Auto, Fahrrad und E-Roller.

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Sehen Sie den E-Roller als Chance oder eher als ein weiteres Problem für den Straßenverkehr in Schleswig-Holstein?

Thomas Möller, ADFC: "Die E-Roller könnten eine Chance für die Mobilität in Städten sein. Aber unter den jetzigen Voraussetzungen sind sie eher ein Problem, weil uns einfach der Platz fehlt. Sie sollen ja vor allem auf Radwegen fahren. Und die sind gerade in Schleswig-Holstein meist viel zu schmal und haben auch nicht den richtigen Belag für die Roller. Es ist zu befürchten, dass es Unfälle gibt. Man hat kleine Rollen, man kann bei Unebenheiten leichter stürzen. Da tauchen ganz neue Probleme auf, die wir vielleicht noch gar nicht einschätzen können. Das ganze ist ein großes Experiment."

Torben Jöns, BEM: "Der Roller ist eine Chance besonders für die Metropolregion, in der man die letzte Meile mit einem solchen Roller viel einfacher und bequemer zurückzulegen kann. Und auch für Tourismus-Regionen wie St. Peter Ording oder dort, wo CO2 eingespart werden soll und ein ÖPNV nicht wirtschaftlich ist."

Wie müssen Straßen und Radwege im Land neugestaltet werden, damit E-Roller bequem und unfallfrei unterwegs sein können?

Thomas Möller, ADFC: "Wir fordern breitere Radwege, dass man sich überholen kann. Und wir brauchen glattere Beläge, damit niemand ins Trudeln gerät. Dort, wo es keine Radwege gibt, brauchen wir außerdem Fahrradstraßen. Damit hätten dann auch die neuen Roller genügend Platz."

Torben Jöns, BEM: "Wir brauchen keine komplett neue Infrastruktur. Aber Radwege müssen besser werden und es muss eine klarere Abtrennung zum Autoverkehr geben. Außerdem braucht es ein System aus Stationen, bei denen man Roller ausleihen und zurückgeben kann, damit die nicht irgendwo wild herumstehen."

Wie schätzen Sie die Zukunftschancen des neuen Rollers ein - wie lange hält der Hype?

Thomas Möller, ADFC: "Ich sehe nicht, dass der Roller zum großen Verkehrsmittel wird. Eine Erfolgsgeschichte, wie sie das Fahrrad geschrieben hat, kann ich mir für den Roller nicht vorstellen. Ich fürchte eher, dass das ganze vielmehr auf Kosten der anderen Verkehrsteilnehmer geht."

Torben Jöns, BEM: "In anderen Ländern hat sich der Roller in den Metropolen bereits etabliert. Wir sehen das nicht als Hype, der wieder vergeht, sondern als Wandel im Verkehr. Die Menschen werden eine Strecke immer häufiger mit mehreren Verkehrsmitteln zurücklegen, um Weg und Zeit zu sparen. Dabei hilft der E-Roller. Der moderne Verkehrsteilnehmer greift auf vorhandene Fahrzeuge zurück, die er leihen und teilen kann, für die er vielleicht auch keinen Führerschein braucht."

Wann werden Sie persönlich das erste Mal auf einem E-Roller stehen?

Thomas Möller, ADFC: "Sicher in den nächsten Wochen. Ich möchte das gerne mal ausprobieren. Um mal zu sehen, wie sich das anfühlt und wie es sich lenken lässt."

Torben Jöns, BEM: "Bei uns ist das keine Zukunft. Ich habe bereits getestet: Bei 20 Kilometer pro Stunde draußen zu fahren, ist schon ein witziges Gefühl. Es ist klein, es ist dynamisch, ich kann es überall abstellen und brauche keinen großen Parkplatz. Eine super Ergänzung zu anderen Fahrzeugen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 24.05.2019 | 07:10 Uhr

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