Corona: Vier Regionen als Tourismus-Modellprojekte ausgewählt

Stand: 10.04.2021 12:16 Uhr

Der Kreis Nordfriesland mit seiner Ferieninsel Sylt, der Dithmarscher Urlaubsort Büsum, die Schleiregion samt Eckernförde sowie die innere Lübecker Bucht sind für die kommenden Monate Tourismus-Modellregionen in Schleswig-Holstein.

Das gab Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) am Freitagnachmittag bekannt. Zuvor hatte es Beratungen mit Verantwortlichen der Tourismusbranche und innerhalb der Regierungskoalition gegeben. Beworben hatten sich insgesamt zwölf Kreise, Städte, Gemeinden und Regionen. Die vier ausgewählten Regionen werden unter wissenschaftlicher Beobachtung vorsichtige Öffnungsschritte wagen. Voraussetzungen sind stabil weniger als 100 Corona-Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Bewohner innerhalb von sieben Tagen, die Zustimmung der jeweiligen Gesundheitsämter und wissenschaftliche Begleitung.

Ab 19. April kann es losgehen

Die Modellprojekte stehen unter dem Vorbehalt, dass das jeweils zuständige Gesundheitsamt der Umsetzung zustimmt oder Auflagen erteilt. Die Modellregionen können mit ihren Konzepten ab dem 19. April starten. Der Kreis Nordfriesland plant den Start erst ab dem 1. Mai. Sie sind zunächst auf vier Wochen befristet - mit der Möglichkeit der Verlängerung.

VIDEO: Buchholz: Modellprojekt kann auch abgebrochen werden (2 Min)

Deutlich erhöhte Test-Kapazität

"Die von uns einmütig ausgewählten Bewerber haben allesamt gute und ambitionierte Konzepte vorgelegt, mit denen sich nach unserer Überzeugung beweisen lässt, dass ein sicherer Tourismus trotz Pandemie möglich ist", sagte Buchholz. Bestandteil der Konzepte sei unter anderem der Aufbau einer - gegenüber dem augenblicklichen Zustand - deutlich erhöhten Test-Kapazität in den Kommunen.

Buchholz machte allerdings auch deutlich, dass das Infektionsgeschehen und die damit verbundene Belastung des Gesundheitswesens das ausschlaggebende Kriterium bleibe. "Das heißt auch, dass im Ernstfall - unabhängig vom Inzidenzwert eines Kreises - jedes Modellprojekt durch das Veto des örtlichen Gesundheitsamtes abgebrochen werden kann und die Gäste nach Hause geschickt werden", so der Minister.

Bewertungen der ausgewählten Regionen

Mit Blick auf die einzelnen Bewerbungen kam die "Task Force Tourismus", zu der neben dem Tourismusministerium und dem Tourismusverband unter anderem auch die IHK Schleswig-Holstein, der DEHOGA, der Städteverband und der Landkreistag gehören, zu folgenden Bewertungen:

Sylt und Nordfriesland

Für Sylt sprechen nach Einschätzung der Fachleute die umfangreichen Maßnahmen, die jetzt schon angelaufen oder vorgesehen sind - insbesondere die umfassenden Testkapazitäten. "Sylt war Vorreiter beim Thema Testregime und hat sich früh für die Kontakt-Nachverfolgungs-App 'Luca' entschieden. Das in der Bewerbung vorgeschlagene Konzept ist anspruchsvoll und umfassend", sagte Buchholz. Die Bewerbung des Kreises Nordfriesland, in den der Antrag Sylts integriert ist, lege ebenfalls fundiert die geplanten Maßnahmen dar. Buchholz: "Hieraus erwarten wir einen erheblichen Erkenntnisgewinn für andere touristische Orte und Regionen."

Buchholz: Wissenschaft begleitet Projekte genau

Buchholz hob hervor, dass bewusst hohe Anforderungen an die touristischen Modellprojekte gestellt worden seien, weil sie den Beleg liefern sollen, dass Tourismus auch in Corona-Zeiten sicher und gesund möglich ist. "Wir haben nicht umsonst eine wissenschaftliche Begleitung gefordert. Es ist uns ernst damit, so dass nur solche Projekte an den Start gehen können, die mit Partnern aus Hochschulen oder Kliniken zusammenarbeiten, die den Verlauf des Projekts genau verfolgen. Es ist schließlich niemandem geholfen, wenn das schiefgeht."

Reaktionen: Von Begeisterung bis Enttäuschung

Die Begeisterung darüber, als Modellregion ausgewählt worden zu sein, ist beim Chef der Ostseefjordschlei Gmbh, Max Triphaus, groß. Er hatte viel Herzblut in die Bewerbung der Schleiregion als Tourismus-Modellversuch gesteckt. Aus Sicht von Triphaus geht die Arbeit allerdings jetzt erst richtig los: Ferienhausvermieter müssen informiert und Testkapazitäten hochgefahren werden. Auch der Bürgermeister von Büsum, Hans-Jürgen Lütje (FWB), freut sich über die Nachricht. Man habe bereits im vergangenen Jahr bewiesen, dass man Tourismus unter Pandemiebedingungen steuern könne. Das schaffe Büsum auch dieses mal, so Lütje. Enttäuschung gab es dagegen unter anderem auf Helgoland. Das Testkonzept der Insel hatte das Wirtschaftsministerium nicht überzeugt, dabei war Bürgermeister Jörg Singer (unabhängig), nach eigenen Angaben fest von einer Zusage ausgegangen.

Zwölf Bewerbungen eingereicht

Beworben hatten sich mit vollständigen Unterlagen zwölf Regionen. Sylt und Eckernförde hatten sich dabei einzeln beworben. Nicht zum Zuge kamen Kiel, Grömitz, Wangels (Weißenhäuser Strand), der Kreis Herzogtum Lauenburg und die Insel Helgoland sowie ein Einzelunternehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.04.2021 | 20:00 Uhr

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