Stand: 03.06.2020 11:22 Uhr

Touré ruft Mehrheit zum Kampf gegen Rassismus auf

Aminata Toure sitzt im Produktionsstudio von NDR 1 Wellenord. © NDR Foto: Dominik Dührsen
Aminata Touré im NDR 1 Welle Nord Studio.

Sein gewaltsamer Tod regt Menschen auf - in den USA und in der ganzen Welt: Der Afroamerikaner George Floyd ist in der vergangenen Woche bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie auf den Hals gedrückt hatte. Der Vorfall sorgte für Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus. Und den gebe es auch in Schleswig-Holstein, oft im Alltag, sagt Aminata Touré, Schleswig-Holsteins stellvertretende Landtagspräsidentin, auf NDR 1 Welle Nord im Gespräch mit Horst Hoof und Mandy Schmidt. Es gebe Beleidigungen auf offener Straße oder tätliche Angriffe. "Hinzu kommt, dass schwarze Menschen häufig unterschätzt oder negativ bewertet werden."

Aminata Touré wurde 1992 in Neumünster geboren. Ihre Eltern waren aus Mali geflüchtet. Die 27-Jährige ist Grünen-Mitglied und Sprecherin der Landtagsfraktion für Migration, Antirassismus, Kinder, Jugend und Queerpolitik. In dieser Funktion bekomme sie auch viel Rassismuserfahrungen anderer Menschen mit, erzählt sie.

Touré: "Das muss raus aus den Köpfen"

Auch in Behörden machten Menschen mit anderer Herkunft oder anderem Aussehen immer wieder rassistische Erfahrungen, so Touré. "All das muss raus aus den Köpfen. Und da muss man politisch und zivilgesellschaftlich ansetzen", betont sie. "Ich möchte nicht, dass Menschen sich Strategien überlegen müssen, wie sie im Alltag mit Rassismus umgehen müssen."

Touré betonte, wie wichtig es ist, gegen den vermeintlich harmlosen Alltagsrassismus zu kämpfen: "Die krasseste Aussage, die ich gehört habe, war: In den USA werden Schwarze erschossen. Hier könnt ihr doch froh sein. Wenn der Anspruch von schwarzen Menschen in Deutschland sein soll, dass sie nicht erschossen werden, dann ist das eine fatale Situation", sagt sie.

Mehrheit ist in der Pflicht

Rassismus sei etwas, das eine Geschichte mehrerer Jahrhunderte habe. "Rassismus ist, wenn man versklavt wurde, seiner eigenen Kultur, seiner Heimat beraubt wurde, wenn einem die eigene Identität genommen wurde und das bis heute wirkt", erklärt Touré. Neben offen rassistischen Menschen gebe es viele, "die unbewusst rassistisch sind". Aminata Touré sieht die Mehrheit der Gesellschaft in der Pflicht. "Immer wenn man sieht: Rassismus findet statt, muss man einschreiten", appelliert sie.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin Schleswig-Holstein – mit Mandy Schmidt und Horst Hoof | 03.06.2020 | 08:42 Uhr

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