Stand: 01.12.2011 12:30 Uhr  | Archiv

Schlachthof Wietze: Der Streit geht weiter

von Kersten Mügge & Carsten Vick, NDR Info
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Von außen ganz unscheinbar: Im Geflügelschlachthof Wietze sollen in Zukunft 2,5 Millionen Hähnchen pro Woche geschlachtet werden.

Über Europas größten Schlachthof im niedersächsischen Wietze ist auch bei der NDR Info Sendung "Live vor Ort" heftig gestritten worden. Gegner und Befürworter des Projekts machten am Donnerstag vor dem Rathaus der 8.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Celle ihre Standpunkte deutlich. Etwa 400.000 Hähnchen pro Tag, knapp 2,5 Millionen Hähnchen in der Woche sollen in Zukunft in der vor knapp drei Monaten in Betrieb gegangenen Schlachterei verarbeitet werden. "Fleisch vom Fließband - wie schmeckt der neue Geflügelschlachthof?" hatte NDR Info deshalb provokant gefragt.

Vielfältige Kritik am Großprojekt

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NDR Info Reporter Carsten Vick fing in Wietze Stimmen gegen und Stimmen für den Schlachthof ein.

"Warum muss immer mehr produziert werden, nur um Profit zu machen? Die Leute haben doch schon billiges Hähnchenfleisch", regte sich eine Bürgerin am Mikrofon auf. Eine andere Anwohnerin sorgte sich um das Grundwasser, das aus ihrer Sicht durch die Produktion in dem Schlachthof belastet werden könne. Tierquälerei bei der Mast auf engstem Raum und bei der Tötung der Tiere sowie der für die Verbraucher schädliche Einsatz von Antibiotika wurden ebenfalls offen und lautstark kritisiert. Anwohner befürchten auch zunehmenden Gestank und massiven Lkw-Verkehr durch das Projekt, das vom Land Niedersachsen mit einer Millionensumme unterstützt wurde.

Bürgermeister Klußmann: "Vorteile liegen auf der Hand"

Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann (CDU) verteidigte dagegen die Entscheidung für das Großprojekt. Der Politiker respektiert zwar die unterschiedlichen Meinungen in Wietze und Umgebung, sagt aber auch: "Es gibt eine deutliche Mehrheit, die für den Schlachthof ist." Die Vorteile durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze lägen auf der Hand, so Klußmann. Bis zu 1.000 Jobs könnten durch den Schlachthof neu entstehen, außerdem bekommt die Gemeinde zusätzliche Steuereinnahmen durch den Betrieb. Die Bedenken und Befürchtungen der Gegner nehme er aber ernst, so Klußmann.

Wann öffnet der Betrieb seine Tore zur Besichtigung?

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Hohe Zäune und Kameras rund um das Gelände: Der Schlachthof ist extrem gesichert gegen ungebetene Besucher.

Ursula Helmers von der Bürgerinitiative kündigte weitere Proteste gegen ein aus ihrer Sicht nicht nachhaltiges Projekt an. Sie bemängelte zudem, dass sich der Betrieb hinter hohen Zäunen und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen verstecke: "Man möchte wohl nicht gesehen werden und schottet sich nach außen ab." Wilhelm Hoffrogge, der Vorsitzende des Verbandes der niedersächsischen Geflügelwirtschaft, hält die Sicherheitsvorkehrungen für angemessen. "Der Zaun um die Anlage ist richtig. Aber man hat sicher nichts zu verbergen." Zu gegebener Zeit sei auch eine Besichtigung der Anlage möglich. Die NDR Info Reporter Kersten Mügge und Carsten Vick hatten eine Besichtigung angefragt. Diese Bitte wurde aber von den Betreibern abgelehnt. Gegner und Befürworter des Projekts versprachen sich beide Seiten für die Zukunft immerhin eine sachliche Diskussion über ein Thema, das im Landkreis Celle weiter viele Menschen bewegt.

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