Stand: 21.11.2012 18:48 Uhr  | Archiv

Krematorien verkaufen Zahngold von Toten

von Dörte Petsch, Brid Roesner

Was bleibt von mir, wenn ich tot bin? Wo will ich beerdigt werden, und wie? Das sind Fragen, die man sich unweigerlich stellt, wenn man älter wird, lebensbedrohlich erkrankt oder ein Todesfall in der Familie das eigene Sterben ins Blickfeld rückt. Am Ende einer Feuerbestattung bleibt Asche - und Zahngold sowie andere Metalle wie zum Beispiel Titan in künstlichen Hüftgelenken. Das sind wertvolle Rohstoffe. Wem aber gehören diese Überreste meines Körpers? Wem stehen sie zu? Wer darf etwas mit ihnen was anfangen?

VIDEO: Krematorien verkaufen Zahngold von Toten (6 Min)

Rechtliche Grauzone

Das Krematorium Osnabrück lässt sich seit Anfang des Monats eine Klausel im Bestattungsvertrag unterschreiben, der es ermächtigt, die Rohstoffreste zu bergen und zu verkaufen. Rechtlich ist der  Verkauf damit abgesichert. Aber auch vorher schon haben die Mitarbeiter Gold und Hüftgelenke gesammelt und weiterverkauft - eine rechtliche Grauzone.

70.000 Euro sind so jährlich zusammengekommen. Diese werden dem Haushalt des Krematoriums gutgeschrieben und sorgen dafür, dass die Preise für eine Feuerbestattung  im Preiskampf der Krematorien untereinander mithalten können.

Doch nicht alle Krematorien verkaufen das Gold. Viele legen es der Urne bei - schließlich lässt sich nach der Einäscherung und der damit verbundenen Einschmelzung des Goldes nicht erkennen, ob dieses ursprünglich aus den Zähnen oder von einem Ring kommt. Wieder andere verkaufen die Metalle und spenden den Erlös für wohltätige Zwecke.

Doch ein fader Beigeschmack bleibt, vor allem wenn ein Geschäft gemacht wird mit dem, was von uns zurückbleibt. Und vielleicht sollte jeder selber entscheiden können, wie damit umgegangen wird - man muss nur davon wissen. 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 20.11.2012 | 21:15 Uhr

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