Trotz Corona: Schlachtbetrieb in Sögel wieder angelaufen

Stand: 12.10.2020 19:22 Uhr

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten lässt die "Arbeitsquarantäne" bei Weidemark in Sögel rechtlich prüfen. Nach Corona-Fällen darf in dem Schlachthof eingeschränkt weitergearbeitet werden.

"Wir kennen keinen einzigen Fall, wo das so läuft und sind sehr verwundert über die Art und Weise", sagte NGG-Sprecher Matthias Brümmer NDR 1 Niedersachsen. Am Montag ist der Betrieb des Schlachthofs unter Einschränkungen wieder angelaufen. Zunächst sei mit der Schlachtung begonnen worden, am Dienstag sollen Zerlegung, Verpackung und Versandteile folgen, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

200 Beschäftigte in "Arbeitsquarantäne"

In Niedersachsens größtem Schweineschlachthof mit seinen sonst rund 2.000 Mitarbeitern gilt zunächst Minimalbetrieb: Dieser soll mit maximal rund 200 Mitarbeitern laufen. Die ausgewählten Beschäftigten befinden sich in sogenannter Arbeitsquarantäne. Das heißt, sie dürfen sich nur zwischen Arbeits- und Wohnort bewegen und sind isoliert. Damit soll ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden. Auf dieses Prinzip hatten sich Weidemark-Eigentümer Tönnies und der Landkreis Emsland verständigt.

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Reimann: "Gute Lösung"

Sozialministerin Carola Reimann (SPD) hält das Konzept für eine "gute Lösung". Sowohl der Infektionsschutz als auch die Nöte der Landwirte würden berücksichtigt, sagte die Ministerin dem NDR Fernsehen. Landrat Marc-André Burgdorf (CDU) betonte, dass der Infektionsschutz über allem stehe. "Gleichwohl muss man sagen, dass bei dem Rückgang der Schlachtkapazitäten die Landwirte auf ein massives tierschutzrechtliches Problem hinauslaufen würden", so Burgdorf.

Gewerkschaft: Hygienekonzept "von heute auf morgen"

Die Gewerkschaft kritisiert dagegen, dass "hier dem Druck der Landwirtschaft nachgegeben wird und dass man nicht andere Arbeitsmodelle in irgendeiner Form findet". Darüber hinaus sei es erstaunlich, dass Weidemark offenbar "von heute auf morgen" ein Hygienekonzept vorgelegt habe. Aufgrund des Corona-Ausbruchs hatte der Landkreis zunächst verfügt, dass der Betrieb ab Montag für mehrere Wochen schließen muss.

Hygienekonzept sieht FFP2-Masken im Betrieb vor

Ein Kernpunkt des Hygienekonzeptes ist, dass sich die 200 Beschäftigten, die nicht infiziert sind, privat isolieren, wie der Landkreis mitteilte. Das Unternehmen versorge sie mit Lebensmitteln. Im Betrieb müssen die Arbeiter demnach sogenannte FFP2-Masken tragen, die sowohl den Träger als auch andere Personen vor Infektionen schützen. Zudem seien zwischenzeitlich neue Filteranlagen in den Kühlbereichen eingebaut worden, so der Landkreis weiter. Alle Maßnahmen würden kontrolliert. Durch den Minimalbetrieb sollen täglich weiter bis zu 5.000 Tiere verarbeiten werden.

Landwirte protestieren vor Kreishaus und Schlachthof

Nach mehr als 110 positiv getesteten Mitarbeiternhatte der Landkreis am vergangenen Mittwoch die Schließung des Schlachthofs angekündigt. Als Reaktion darauf demonstrierten am Freitag mehr als 70 Landwirte mit rund 55 Treckern vor dem Kreishaus in Meppen und vor dem Schlachthof in Sögel. Sie beklagen einen sogenannten Schweinestau in ihren Ställen, weil die Tiere nicht mehr geschlachtet werden können.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.10.2020 | 19:30 Uhr

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