Stand: 16.02.2018 16:58 Uhr

Neue Idee: Eine App, die vor Krankheiten warnt

von Susanne Schäfer

An der Universität Osnabrück haben in dieser Woche 30 Computerexperten gezeigt, wie künstliche Intelligenz vor Krankheiten schützen kann - beim "Hack4Health", einem sogenannten Hackathon, veranstaltet von der Uni, dem Gesundheitscampus Osnabrück und dem Robert Koch-Institut (RKI). Ein Hackathon ist eine Art Marathon für Hacker: Statt Ausdauer beim Laufen brauchten die 30 Studenten und Nachwuchswissenschaftler Durchhaltevermögen beim Programmieren. Vier Tage am Stück haben sie viel gearbeitet und wenig geschlafen. Entstanden sind dabei Projekte zur Erforschung und Erhaltung der Gesundheit.

Warn-App für Krankheiten

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Johannes Schrumpf, Viviane Kakerbeck, Falk Heuer und Justine Winkler haben den ersten Preis ergattert.

Acht Ideen haben die jungen Forscher entwickelt - bis Freitagmorgen um 6 Uhr. Dann prüfte eine Jury aus Experten des RKI und der Uni Osnabrück jeweils: Ist die Idee neu? Bringt sie die Gesellschaft weiter? Wird sie helfen, die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen? Dass die App "Medict" diese Vorgaben erfüllt, war den Juroren dann schnell klar. Johannes Schrumpf, Justine Winkler, Viviane Kakerbeck und Falk Heuer haben sie entwickelt und freuen sich jetzt über den ersten Preis. Mit ihrer Technik können sie die Gefahr von Ansteckung in bestimmten Regionen vorhersagen. Mit einer Woche Vorlauf kann die App zum Beispiel mitteilen, in welchem Landkreis das Risiko einer Magen-Darm-Grippe besonders hoch und in welchem es eher gering ist. Auch für andere ansteckende Krankheiten wäre das möglich. Ein Landkreis mit besonders vielen Kranken ist auf einer Deutschlandkarte dann dunkelrot. Und wer sich selber unwohl fühlt, kann der App Symptome schildern, die dann ans RKI geschickt werden.

Interessante Idee aus Sicht des RKI

"Das soll keinen Arzt ersetzen", macht Stéphane Ghozzi vom RKI klar. Die App könne dem Nutzer aber Tipps geben. Etwa: Mit diesen Symptomen solltest Du zum Arzt gehen. Oder: In Deiner Region ist die Ansteckungsgefahr gerade besonders hoch. Wasch Dir lieber einmal mehr die Hände oder trage Handschuhe, wenn Du Bus oder U-Bahn fährst.

Dem Robert Koch-Institut würde eine solche App schnelle Informationen über die Ausbreitung von Krankheiten liefern. Das wären zwar keine gesicherten Labordaten, aber dafür wären sie viel schneller verfügbar. Auch um die Kommunikation mit den Bürger zu verbessern, könnte die Idee der Studenten helfen.

Komplexe Technik einfach erklärt

Für Laien ist kaum zu begreifen, wie die Studenten das gemacht haben. Algorithmen, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, künstliche neuronale Netze, Bots - so heißen die Techniken dahinter. Begriffe, die bei den meisten Menschen große Fragezeichen aufploppen lassen. Gordon Pipa, Professor am Institut für Kognitionswissenschaften, beruhigt: "Maschinelles Lernen ist eigentlich etwas sehr Einfaches. Maschinen versuchen, in großen Datenmengen Muster zu finden. Aus diesen Mustern errechnet der Computer die Wahrscheinlichkeit für die Zukunft." Eben auch die Wahrscheinlichkeit, sich mit einem Magen-Darm-Infekt anzustecken.

Nur Theorie oder auch Praxis?

Die Programme können große Datenmengen viel schneller auswerten als Menschen. Jetzt gilt es, mit der Technik auch der Gesellschaft etwas Gutes zu tun - etwa beim Thema Krankheitsvorbeugung. Das ist der Grund, weshalb sich das Robert Koch-Institut aus Berlin an die Universität Osnabrück gewandt hat. Ob es diese App tatsächlich bald geben wird oder eines der anderen Projekte des Hackathons umgesetzt wird, ist derzeit noch unklar. Vier Teams werden ihre "Hack4Health"-Projekte voraussichtlich im April beim RKI vorstellen.

Hintergrund

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 16.02.2018 | 17:00 Uhr

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