Trecker bei einer Mahnwache der Landwirte in Hannover. © Picture Alliance Foto: Moritz Frankenberg

Hannover: Mahnwache der Landwirte könnte früher enden

Stand: 01.02.2021 16:57 Uhr

Bei einer Trecker-Mahnwache zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Hannover ist offenbar ein Ende in Sicht: Das Umweltministerium hat den Bauern zufolge ein Positionspapier angekündigt.

"Dann werden wir den Protest wohl nicht bis zu Ende ausreizen", sagte der Sprecher der bäuerlichen Protestbewegung, Anthony-Robert Lee. Seit gut einer Woche halten Landwirte der Initiative "Land schafft Verbindung" (LsV) mit ihren Traktoren zwischen beiden Ministerien eine Mahnwache ab, die eigentlich bis zum 5. Februar dauern soll. Mit einem Schichtsystem sorgen sie dafür, dass das Protestcamp rund um die Uhr besetzt ist - um 6 Uhr morgens kommt jeweils die Ablöse für die Nacht.

Neubewertung der Nitrat-Messstellen gefordert

Die Bauern protestieren gegen die aus ihrer Sicht fachlich schlecht begründete Ausweisung der sogenannten roten Gebiete, in denen zum Schutz des Grundwassers vor zu viel Nitrat besondere Beschränkungen gelten. Lee hofft darauf, dass das Umweltministerium nun die Messstellen prüft und neu bewertet. "Es muss so gemessen werden, dass es repräsentativ ist." Es gebe zum Beispiel Messstellen in eineinhalb Metern Tiefe, also an der Wurzelspitze der Pflanzen, beklagt Lee. Das habe mit dem Grundwasserspiegel nichts zu tun.

Umweltministerium will Messstellen überprüfen lassen

Eine Kontrolle von 217 Messstellen an Orten mit erhöhten Nitratwerten im Grundwasser habe ergeben, dass 94,5 Prozent funktionstüchtig und als Gütemessstellen geeignet seien, teilte das Umweltministerium am Freitag mit. Die nicht funktionstüchtigen Messstellen würden repariert oder ersetzt. Bis Ende des Jahres sollen auch die übrigen 900 Messstellen im Land überprüft werden, hieß es.

Deutliche Kritik vom Landvolk

Das Landvolk Niedersachsen zweifelt die Aussagekraft allerdings an: Die Untersuchung beschränke sich in erster Linie auf den sichtbaren technischen Zustand und berücksichtige zu wenig die Hydrogeologie, also die Wissenschaft vom unterirdischen Wasser und seinen Wechselwirkungen mit den Gesteinen, erklärte Landvolkpräsident Holger Hennies. "Angesichts der Tatsache, dass eine belastete Messstelle mehrere 10.000 Hektar unter starke wirtschaftliche Einschränkungen stellen kann, halte ich diese Vorgehensweise des Landes für erschreckend", so Hennies.

Landwirte aus dem Emsland fahren nach Hannover

Am Freitag hatten sich rund 70 Landwirte an einer Kundgebung beteiligt. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten sich einzelne Teilnehmende mit ihren Traktoren in der Gemeinde Lähden im Emsland aufgemacht, um in die Landeshauptstadt zu fahren. Auf dem Weg nach Hannover schlossen sich weitere Landwirte mit Fahrzeugen an. Rund 55 Traktoren erreichten so kurz nach 13 Uhr wie geplant ihr Ziel in Hannover, wo bereits weitere Demonstrierende warteten. Aufgrund der großen Zahl von Traktoren kam es laut Polizei während des Korsos zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen.

Weitere Informationen
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (l-r, SPD), Dirk Koslowski und Anthony Lee von der Bauern-Bewegung Land schafft Verbindung sowie Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) stehen bei einer Mahnwache von Landwirten in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.02.2021 | 06:30 Uhr

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