Stand: 08.08.2017 07:15 Uhr

Fipronil: Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen die Legehennenbetriebe in Niedersachsen, die positiv auf Fipronil getestet worden waren, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, dass gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen wurde, so eine Sprecherin. Die Ermittlungen richten sich gegen drei Betriebe in der Grafschaft Bentheim sowie einen Legehennenbetrieb im Landkreis Leer. Weitere Details nannte die Sprecherin bislang nicht. Auch in Belgien und den Niederlanden sind bereits Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Landwirtschaftsministerium fordert weitere Stichproben

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat die Landkreise Leer, Emsland, Vechta, Cloppenburg, Oldenburg, Rotenburg und die Grafschaft Bentheim unterdessen aufgefordert, in Hühnerhöfen mit mehr als 3.000 Stallplätzen sowie in Packstellen stichprobenartig nach Hinweisen auf Fipronil zu suchen. Der Landkreis Cloppenburg meldete am Montag einen ersten Verdachtsfall, wollte aber nach Angaben von NDR 1 Niedersachsen bislang noch nichts zu Ort und Ausmaß sagen. Weil das Desinfektionsmittel Fipronil in Eiern aus der Grafschaft Bentheim und im Gefieder von Hennen im Landkreis Emsland nachgewiesen worden war, werden dort insgesamt 60 Betriebe untersucht.

Vechta zieht 12 Millionen Eier aus dem Verkehr

Der Landkreis Vechta hat bereits mehr als zwölf Millionen Eier aus dem Verkehr gezogen. Vorwürfe der Tierrechtsorganisation PETA, die niederländischen Eier würden von dem Unternehmen Deutsche Frühstücksei in Neuenkirchen-Vörden umetikettiert, haben sowohl das Unternehmen als auch der Landkreis Vechta mittlerweile zurückgewiesen. Allerdings sei es möglich und legal, dass gestempelte niederländische Eier in einem Karton einer deutschen Packstelle auftauchen. Unklar ist noch, inwieweit die weiterverarbeitende Industrie von dem Skandal betroffen ist. Freitagabend waren sechs Salatprodukte des Herstellers Neue Mayo Feinkost wegen belasteter Eier zurückgerufen worden.

Landvolk fordert Schadenersatz

Das Landvolk Niedersachsen fordert Schadenersatz für betroffene Betriebe. "Die Bauern können ja nichts dafür", so Präsident Werner Hilse. Er halte auch Zivilklagen gegen die Verursacher für vorstellbar. Der Landvolk-Präsident schließt nicht aus, dass betroffene Betriebe in ihrer Existenz gefährdet sind. Dazu trage auch bei, dass große Discounter wie Aldi Eier komplett aus dem Verkauf genommen haben. Entscheidend sei jetzt, wie lange es dauere, bis das Problem mit den belasteten Eiern gelöst sei, so Hilse. "Nach derzeitigem Stand sind die Bauern unbescholten und vollkommen unschuldig in diese Notlage geraten", sagte auch Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne).

Belgische Lebensmittelbehörde wusste von Fipronil-Verdacht

Unterdessen ist bekannt geworden, dass die belgischen Behörden schon Anfang Juni von einem Fipronil-Verdacht wussten. Dennoch habe die Lebensmittelsicherheitsbehörde sich nach Angaben einer Sprecherin entschieden, den Fall zunächst nicht öffentlich zu machen. Mutmaßlich hatte ein belgischer Hersteller dem Reinigungsmittel das Fipronil beigemischt.

Vier Betriebe in Niedersachsen gesperrt

Derzeit sind vier Betriebe in Niedersachsen gesperrt. Sie sollen mit einem niederländischen Dienstleister zusammengearbeitet haben, der offenbar das mit Fipronil versetzte Reinigungsmittel verwendet hatte. Die Zahl der gesperrten Legehennenbetriebe, bei denen das Gift gefunden wurde, hat nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bislang nicht zugenommen. Seit Donnerstag werden in den Landkreisen Emsland, Leer und Grafschaft Bentheim in Betrieben Proben genommen. Legehennenhalter Hartmut Lönink musste am Donnerstag 400.000 belastete Eier vernichten.

Hintergrund

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.08.2017 | 08:00 Uhr

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