Stand: 27.03.2020 11:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Corona-Fall in JVA: Insassen beklagen Zustände

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Die Ausbreitung des Coronavirus verunsichert auch die Insassen niedersächsischer Gefängnisse. (Themenbild)

Nach dem Bekanntwerden einer Corona-Infektion bei einem Gefängnis-Mitarbeiter in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Groß Hesepe im Landkreis Emsland herrscht unter den Insassen Unsicherheit. Die Gefangenen kritisieren die Schutzmaßnahmen. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen.

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2.726 Fälle sind in Niedersachsen gemeldet , 413 mehr als am Vortag. 354 Betroffene müssen in Kliniken behandelt werden und zehn Patienten sind mittlerweile verstorben.

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Anwalt: "Es mangelt an Desinfektionsmitteln"

Der Osnabrücker Strafverteidiger Thilo Schäck besucht regelmäßig Insassen der Haftanstalten in Lingen und Meppen. Er kritisiert die Zustände, auch in der JVA-Außenstelle Groß Hesepe. "Ich habe jetzt schon von verschiedener Seite gehört, dass Chaos vorherrscht. Es mangelt teilweise an Hygiene, an Seife, an Desinfektionsmitteln, an Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, sich abzusondern. Die Zustände sind sehr, sehr schwierig", so der Rechtsanwalt. Dass dort ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde, verunsichere die Insassen, bestätigt Rechtsanwalt Schäck. "Ich habe aus Groß Hesepe mitbekommen, dass sich dort Inhaftierte gemeldet haben, dass sie aus ihrer Sicht deutliche Anzeichen auf eine Corona-Infektion hatten und nicht getestet wurden."

Anstaltsleiter: "Es wird nach RKI-Vorgaben getetestet"

Anstaltsleiter Meik Portmann schildert die Lage anders: Gefangene würden - wie alle anderen auch - nach Vorgaben des Robert Koch Instituts (RKI) getestet. In den Haftanstalten klärten eigene Gesundheitsdienste ab, ob Symptome verdächtig sind. Es seien Gefangene in der JVA Lingen getestet worden, so Portmann. Wegen der Corona-Infektion des Mitarbeiters seien die Arbeitsbetriebe in Groß Hesepe vorsorglich geschlossen. Kommende Woche werde geprüft, ob sie wieder geöffnet werden können.

Justizministerium weißt Vorwürfe zurück

Das niedersächsische Justizministerium wies die Kritik des Rechtsanwalts ebenfalls zurück. Es gebe in den Haftanstalten des Landes ausreichend Desinfektions- und Hygienemittel wie Seife. Das bestätigten auch Sprecher der Gefängnisse in Meppen und Lingen. In der JVA Lingen sitzen derzeit 565 Inhaftierte, davon sind rund 250 sind in der Außenstelle Groß Hesepe untergebracht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 27.03.2020 | 17:00 Uhr

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