"Aktionstag Wolf": Hunderte demonstrieren auf Deichen

Stand: 12.07.2021 09:14 Uhr

Weidetierhalter, Landvolk und andere Organisationen haben am Sonntag mit einem landesweiten "Aktionstag Wolf" für eine Wolfsobergrenze protestiert. Ein Schwerpunkt war die Küste.

Am Vormittag und Mittag kamen allein auf den Deichen in Tossens (Landkreis Wesermarsch) und Dangast (Landkreis Friesland) mehrere Hundert Menschen zusammen, um gegen die bisherige Wolfspolitik zu demonstrieren. Auch in Schillig sowie in Dorum und der Gemeinde Wurster Nordseeküste (beide Landkreis Cuxhaven) versammelten sich Hunderte Teilnehmer.

Menschenketten und Plakate

Vielerorts wurden Plakate, etwa mit Botschaften wie "Stoppt den Wolf" oder "Wölfe wichtiger als alles andere?" hochgehalten, Informationsmaterial verteilt und coronakonforme Menschenketten gebildet. Viele Teilnehmende betonten gegenüber dem NDR in Niedersachsen, dass es ihnen nicht gegen das Tier an sich gehe, sondern dass es so wie bisher einfach nicht weitergehen könne.

Diskussionsrunde in Rodewald

Landvolk, Landfrauen und fünf weitere Organisationen hatten zu dem landesweiten Aktionstag aufgerufen. Nicht nur an der Küste, auch an vielen Orten im Landesinneren wollten Verbandsvertreter und betroffene Weidetierhalter über die aus ihrer Sicht zu große Wolfspopulation informieren und mit Besuchern ins Gespräch kommen. Auch Wolfsberater und Politiker waren nach Angaben des Landvolks zu Veranstaltungen und Diskussionsrunden eingeladen. So etwa in Rodewald im Landkreis Nienburg: Dort wollten sich Pferdezüchter und Landvolk-Kreisverbände mit Vertretern der Politik treffen.

Organisationen fordern "echtes Wolfsmanagement"

Die Organisationen fordern die "sofortige Einführung eines echten Wolfsmanagements, inklusive einer Bestandsregulierung in Niedersachsen und auf Bundesebene", wie es in einem Aufruf heißt. Zudem wünschen sie eine "vollumfängliche Förderung" für Schutzmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde sowie einen Rechtsanspruch auf Ausgleichszahlungen für alle Schäden, die nachweislich oder auch nur wahrscheinlich durch Wölfe verursacht wurden.

Lies wirbt erneut für Obergrenze

Umweltminister Olaf Lies (SPD) äußerte Verständnis für die Verunsicherung unter den Menschen durch die Ausbreitung des Wolfes. Im NDR Regionalmagazin "Hallo Niedersachsen" sprach er sich erneut für eine Beschränkung der Wölfe aus. Für eine entsprechende Obergrenze müsse man aktuell keine Zahl festlegen, sagte Lies: "Aber wir müssen heute entscheiden, wie wir ab einer gewissen Größe damit umgehen." Wenn man die Sicherheit habe, dass die Wolfspopulation nicht gefährdet ist, müsse man schneller und präventiver handeln können, wenn einzelne Risse erfolgen. Die nächste Bundesregierung müsse sich dafür auf EU-Ebene einsetzen, so Lies am Sonntag. Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller (SPD) war er in Dangast als Redner aufgetreten.

Landvolk-Vize: Wolf soll nicht ausgerottet werden

Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers hatte zuvor betont, dass es nicht darum gehe, den Wolf auszurotten. "Wir fordern ein eindeutiges Wolfsmanagement mit einer Obergrenze, die bei Erreichen den offiziellen Abschuss erlaubt." Am Montag hatte Ehlers die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage an Umweltminister Lies übergeben. Das Ergebnis: Zwei Drittel der befragten Bürgerinnen und Bürger befürworten die Rückkehr des Wolfes. Drei Viertel sehen darin aber auch Probleme für Weidetierhalter.

NABU: Lösung sind Herdenschutzmaßnahmen

Der Naturschutzbund (NABU) Deutschland lehnt ein Wolfmanagement mit Obergrenze und Bestandsregulierung ab. Die einzige dauerhafte Lösung zum Schutz von Nutztieren und Wölfen könne nur in der Umsetzung konsequenter und fachgerechter Herdenschutzmaßnahmen bestehen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.07.2021 | 19:30 Uhr

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