Stand: 19.09.2018 13:58 Uhr

AfD und Christsein - geht das? Der Bischof sagt ja

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Der evangelische Landesbischof Ralf Meister meint: Christsein und AfD-Mitgliedschaft schließen sich nicht aus - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Kann man als Christ leben und gleichzeitig Mitglied in der AfD sein? Bei dieser brisanten Frage gehen die Ansichten zwischen Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche auseinander. Den Anstoß für die Diskussion hat der evangelische Landesbischof Ralf Meister geliefert. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte er, dass ein christliches Leben trotz einer AfD-Mitgliedschaft grundsätzlich möglich sei.

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In Chemnitz demonstrierte die AfD gemeinsam mit der "Pegida"-Bewegung. Nun werden Stimmen in der Politik laut, die AfD beobachten zu lassen. Aber es gibt auch Gegenstimmen.

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Meister warnt vor rechtsradikalen Werteverschiebungen

Meister schränke dies allerdings gleichzeitig ein. "Was nicht funktioniert, ist, Christ zu sein und sich antisemitisch, menschenverachtend, ausgrenzend, rassistisch zu äußern oder andere Menschen öffentlich und in Online-Netzwerken zu beleidigen." Das entspreche nicht dem geistlichen Auftrag eines Christen, so Meister. Allerdings unterstelle er diese Haltung nicht allen AfD-Mitgliedern. Meister sagte in dem Interview außerdem, dass man deutlich machen müsse: "Wer AfD-Mitglied ist, fördert Positionen, die zu rechtsradikalen Werteverschiebungen führen."

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Probst Martin Tenge aus Hannover hält eine Mitgliedschaft in der AfD für unvereinbar mit seiner Glaubensüberzeugung.
Tenge: Nicht mit christlichem Menschenbild vereinbar

Propst Martin Tenge von der Katholischen Kirche in Hannover sieht das drastischer. "Wenn ich mir die Haltungen, die Äußerungen und die Praxis in der AfD anschaue, habe ich ein großes Problem, dies mit einem christlichen Lebensstil zu vereinbaren", sagte er im Gespräch mit NDR.de. Vor allem die feindliche Haltung gegenüber Migranten sei nicht zu tolerieren. "Es gibt für mich persönlich ein christliches Menschenbild, nach dem jeder Mensch Würde in sich hat, weil er ein gottgeliebtes Geschöpf ist", so Tenge. "In der AfD werden Migranten jedoch zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Das ist mit meiner Glaubensüberzeugung nicht vereinbar." Laut Tenge sei es wichtig, eine Diskussion über das Thema zu führen und auch den Dialog mit AfD-Mitgliedern zu suchen.

Gespräch mit Radikalen suchen

Diese Einschätzung teilt auch Meister. Er ermuntere Gemeinden, offener über Haltungen und politische Bindungen zu sprechen, sagte er. Scharf zu verurteilen seien radikale Haltungen, wie sie etwa in Chemnitz oder Köthen zum Ausdruck gebracht worden waren. Laut Meister heißt das aber nicht, den Dialog mit Radikalen abzubrechen. Im Gegenteil: Man müsse sich auch um die Menschen kümmern, die momentan nicht mehr dazu gehörten: "Selbst wenn sie sagen: Lass mich in Ruhe. Es befreit uns keiner von der Verantwortung, sie im Blick zu behalten", sagte der Theologe.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 03.09.2018 | 19:30 Uhr

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